Die St.Galler Fussballlegende Perušić ist tot

René Rödiger, 30. September 2017, 14:46 Uhr
Željko Perušić lebte seit 1970 in der Ostschweiz.
Željko Perušić lebte seit 1970 in der Ostschweiz.
© St.Galler Tagblatt Archiv
Željko Perušić ist am Donnerstag im Alter von 81 Jahren in St.Gallen gestorben. Der Kroate wurde mit 1860 München Meister und in den 1970er Jahren in St.Gallen zur Legende.

«Er hatte ein riesengrosses Kämpferherz», sagt der ehemalige deutsche Nationalspieler und bei 1860 Mannschaftskollege Fredi Heiss gegenüber der AZ über Željko Perušić. Am Donnerstag ist der Mittelfeldspieler in St.Gallen gestorben.

Trotz nur 1,65 Meter Grösse spielte Perušić eine entscheidende Rolle 1960 beim 3:3 der jugoslawischen Nationalmannschaft im Wembley gegen England. Der England-Trainer Walter Winterbottom sagte nach dem Spiel: «Der Kleinste war der Grösste.»

Gold mit Jugoslawien

An der EM 1960 drang Perušić mit der Nationalmannschaft bis ins Finale vor, scheiterte dort jedoch an der UdSSR. Nur wenige Wochen später holt er im Olympia-Final mit Jugoslawien Gold mit einem 3:1-Sieg gegen Dänemark. Perušić wird 1960 Jugoslawiens Fussballer des Jahres.

Perušić bekam Angebote aus ganz Europa. Barcelona will ihn um jeden Preis haben. Doch der Verband lässt keine Spieler vor dem 28. Lebensjahr ins kapitalistische Ausland wechseln.

Bei 1860 bestritt der mittlerweile 27-jährige Perušić im Meisterjahr 1966, seinem ersten Jahr bei den Löwen, 34 Einsätze. Sein einziges Bundesligator schoss er 1968 in einem Derby gegen Bayern München: Ein Weitschuss aus 25 Metern.

Der Wechsel nach St.Gallen

Trotz der sportlichen Erfolge ging es mit 1860 wirtschaftlich berab. Der Verein musste sich von einem Grossteil der Spieler trennen. Der im kroatischen Duga Resa geborene Spieler wechselte 1970 als Spielertrainer zum FC St.Gallen.

Die Ostschweizer waren im ersten Jahr nach dem Cupsieg 1969 wieder in die NLB abgestiegen, Perušić kommt als Hoffnungsträger, er soll die Mannschaft wieder zu Erfolgen führen.

In einem Portrait des Schweizer Fussballmagazins «Zwölf» erzählt Perušić 2014, wie er tagsüber alleine durch den Guggeienwald rannte. Er war damals der einnzige Profi im Kader des FC St.Gallen.

Zurück in der obersten Spielklasse

St.Gallen stieg mit Perušić problemlos auf, nur gerade drei Spiele verloren die Ostschweizer in der NLB. Einen Sieg gab es damals auch im Stadtmatch gegen den SC Brühl vor 10'500 Zuschauern im Krontal (2:0).

Im ersten Spiel in der NLA mit Željko Perušić, das Traineramt teilte er in der Zwischenzeit mit Kurt Schadegg, erzielte er gleich ein Tor. Erneut war es ein Weitschuss aus 25 Metern. St.Gallen trennte sich vor 7000 Zuschauern gegen Servette 2:2.

St.Galler Tagblatt Archiv
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Die falschen Schuhe

Trotzdem lief es in der obersten Schweizer Spielklasse für den FC St.Gallen nicht wunschgemäss, die Espen mussten nach der Saison 1971/1972 gegen Luzern ein Entscheidungsspiel um den Klassenerhalt austragen.

Željko Perušić wollte vor diesem wichtigen Spiel Heinz Bigler aus dem Reserveteam in die erste Mannschaft holen. Doch der ehemalige Nationalspieler Hansruedi Fuhrer, unterdessen als dritter Trainer dabei, legte sein Veto ein. Aus heutiger Sicht eine unglaubliche Geschichte: Fuhrer war von Adidas angestellt und Bigler war Werbeträger für Künzli-Schuhe - ein Grund auf Bigler zu verzichten.

Perušić blieb standhaft, er hatte das letzte Wort. Zum Glück: Bigler erzielte gegen Luzern ein Tor und bereitete zwei weitere vor. Der FCSG gewann klar mit 4:1.

Abstecher und Rückkehr

1974 verabschiedete sich Perušić beim FC St.Gallen und wurde Trainer beim FC Vaduz. Allerdings nur für kurze Zeit, Perušić kehrte mit seiner Familie nach St.Gallen als Trainer zum SC Brühl zurück.

Doch der FC St.Gallen liess den Kroaten nicht los: Er kam als Jugendtrainer wieder zu den Espen. So brachte er unter anderem Tranquillo Barnetta und Davide Chiumiento Fussball bei.

Nach seiner Karriere arbeitete Perušić für eine St.Galler Textilfirma. Er lebte bis zu seinem Tod im St.Galler Neudorf-Quartier. Er war verheiratet und hatte eine Tochter und einen Sohn.

René Rödiger
veröffentlicht: 30. September 2017 14:33
aktualisiert: 30. September 2017 14:46