Eine Bankrotterklärung

Sandro Zulian, 23. April 2017, 17:10 Uhr
Der FC St.Gallen verliert auch das vierte Spiel in Folge. Was den Fans im Kybunpark geboten wurde, war jenseits von Gut und Böse. Ein pomadiger, ideenloser Auftritt zeigten die Espen vor 11'109 Zuschauern. Trainer Joe Zinnbauer beantwortet die Fragen.

Der FC Thun schlägt einen lustlos auftretenden FC St.Gallen zuhause. Die St.Galler kamen höchstens in der zweiten Halbzeit langsam ins Spiel und erarbeiteten sich die eine oder andere Chance. Auch der Anschlusstreffer gelang den Espen. Doch summa summarum muss gesagt sein: Das war richtig schlecht.

Joe Zinnbauer, war das eine Bankrotterklärung?

Ich denke, dass man in der ersten Halbzeit gesehen hat, dass der Plan, den wir uns vorgenommen hatten, keineswegs umgesetzt wurde. Da müssen wir kein Blatt vor den Mund nehmen. Es war nichts von Aggressivität, einer hochstehenden Mannschaft oder einem Spielaufbau zu erkennen. Das war nicht unser Plan. Wir haben uns viel vorgenommen für dieses Spiel. Aber letztendlich haben wir bis zur Pause selten eine Aktion gesehen, die diesen Namen verdient hätte. In der zweiten Halbzeit haben wir uns über lange Strecken auch nur selbst verwaltet und gedacht, es wird schon irgendwie gehen.

Es ging aber nicht. 

Ja. Nach dem 2:0 haben wir gemerkt 'Hoppla, jetzt müssen wir etwas tun'. Darum habe ich auch den Doppelwechsel vorgenommen. Aber im Nachhinein ist man ja bekanntlich immer schlauer. Danach haben wir wirklich versucht, etwas zu machen. Aber wenn man dann über 60 Minuten lang nichts hinkriegt, dann wird man in der Super League kein Spiel gewinnen.

Man steht also wieder am selben Ort, wie vor dem Lugano-Spiel im Herbst?

Ja. So kann man das sehen. Die Mannschaft versucht, einen Schritt nach vorne zu machen. Allerdings passieren dann auch individuelle Fehler, die zu einer Niederlage führen. Heute haben wir im Kollektiv alles falsch gemacht.

Was macht es so schwierig, mit dieser Mannschaft zu arbeiten?

Wenn ich das wüsste, würde ich es sofort abstellen. Wir versuchen, mit den Jungs zu reden. Sie sind nicht unmotiviert. Das habe ich auch in der Halbzeitpause gemerkt, als ich sie gefragt habe, ob jemand kaputt, müde oder angeschlagen ist. Die Antwort war: «Nein, Trainer, wir wollen!» Sie haben sich auch untereinander nochmal motiviert. Dann denkt man 'Jetzt gehen die raus und zerfetzen alles, was auf dem Platz steht'. So war es auch vor dem Spiel und auch die Trainingswoche war gut. Irgendwo ist da einfach ein Knoten drin, schon seit vier oder fünf Jahren. Wir müssen diesen Knoten jetzt aufmachen, damit es funktioniert. Daran arbeiten wir.

Beginnt jetzt das Zittern, wenn man in der Tabelle nach hinten schaut?

Die Medien haben immer gesagt: «Jetzt gehts nach Europa!» Und ich habe immer gesagt, wir müssen vorsichtig sein. Ich sehe täglich, wie die Mannschaft im Training arbeitet und wie sie in den Spielen agiert. Ich bin keiner, der auf die Bremse steigt und nicht europäisch spielen will. Jetzt müssen wir aber schauen, dass wir die Jungs wieder aus diesem Schlammassel rauskriegen. Sie müssen die Köpfe wieder hochkriegen. Es ist für keinen einfach, so ein Spiel abzuhaken. Es ist unsere Pflicht, bessere Spiele zu machen. Am Sonntag gegen YB müssen wir uns besser präsentieren.

Das Interview führte James Wehrli

(saz)

 

Sandro Zulian
veröffentlicht: 23. April 2017 17:02
aktualisiert: 23. April 2017 17:10