Spitzguuge

FC St.Gallen: Es hat auch Vorteile, nicht Meister zu werden

Dominic Ledergerber, 27. Juli 2020, 14:03 Uhr
Bleibt der FC St.Gallen auf Platz zwei der Tabelle hat er die längste Sommerpause.
© Keystone/Alexandra Wey
Fünf Punkte hinter YB, fünf Punkte vor Basel – um eine Finalissima zu erzwingen, muss der FCSG nicht nur Xamax schlagen, sondern auch auf einen Sion-Sieg gegen YB hoffen. Doch was folgt nach der Meisterschaft? «Als Vize-Meister hätte der FC St.Gallen die längst mögliche Sommerpause», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.

Heute in einer Woche ist diese verrückte Meisterschaft vorbei. Im Meisterrennen halten derzeit die Young Boys alle Trümpfe in der Hand: Mit fünf Punkten Vorsprung und einem um 17 Treffer besseren Torverhältnis als Verfolger St.Gallen genügt den Bernern am Freitag in Sion wohl ein Unentschieden, um den dritten Titel in Folge zu feiern. Die Mannschaft von Peter Zeidler hofft also auf die Walliser, die den Barrage-Platz an den FC Thun abtreten wollen und morgen noch ein Nachtragsspiel beim FC Zürich bestreiten.

Und natürlich müssen die St.Galler am Freitag auch erst einmal Xamax bezwingen, um zumindest von ihrer Seite her die Voraussetzungen für eine Finalissima am 3. August bei den Young Boys zu erfüllen. Gleichzeitig wäre dem FC St.Gallen mit einem Heimsieg gegen die Neuenburger der Vize-Meistertitel gewiss – und damit auch die längst mögliche Sommerpause.

Nur noch vier europäische Startplätze

Denn der «Crazy Summer», wie Trainer Peter Zeidler die finale Phase der Saison immer wieder bezeichnete, ist mit dem Ende der Meisterschaft längst nicht vorbei. Besonders der FC Basel tanzt dann noch auf drei Hochzeiten (Schweizer Cup, Europa League und Europa-League-Qualifikation), doch auch auf die anderen Europapokal-Teilnehmer wartet ein dicht gedrängtes Programm.

Der Schweizerische Fussballverband (SFV) hat dabei nur noch vier statt wie bis anhin fünf Startplätze für den Europapokal. Der Cupsieger wird nicht mehr berücksichtigt, da die Schweiz der Uefa ihre europäischen Teilnehmer bis zum 3. August melden muss. «Eine Verlängerung dieser Frist hat die Uefa trotz mehrerer Gesuche des SFV abgelehnt», heisst es von Verbandsseite.

So starten die vier Schweizer Clubs in die Qualifikation für den Europapokal:

Man könnte nun meinen, dass der Schweizer Meister mit der längsten Sommerpause belohnt werden würde. Doch das Gegenteil ist der Fall: Kein anderer der vier Schweizer Europapokal-Teilnehmer startet früher in die Qualifikationsphase als jene Mannschaft, die am 3. August über den Ligatitel jubeln kann (siehe Grafik).

Schon am 25. August misst sich der Schweizer Vertreter in der 2. Qualifikationsrunde zur Champions League mit einem anderen Landesmeister. Ist er erfolgreich, warten in der 3. Qualifikationsrunde und den Playoffs weitere Meister aus europäischen Ligen, bevor am 20. Oktober eine allfällige Gruppenphase in der Königsklasse in Angriff genommen werden könnte.

Ähnlich früh startet nur der Vierte der Super League (27. August), dieser muss aber vier Qualifikationshürden nehmen, um die Gruppenphase der Europa League zu erreichen.

Rückspiele nur in Play-offs zur Champions League

Das geruhsamste Programm hat der Tabellenzweite der Super League, aktuell also der FC St.Gallen. Zwar ist von vornherein klar, dass sich der Schweizer Vize-Meister nicht für die Königsklasse qualifizieren kann, dafür aber startet die Qualifikationsphase für ihn erst am 24. September. Ab dann gilt es, lediglich zwei Gegner aus dem Weg zu räumen, um ab dem 22. Oktober in der Gruppenphase der Europa League zu spielen.

Der Super-League-Dritte hat eine Hürde mehr zu bewältigen und entsprechend auch eine Woche weniger Sommerferien (Start in die Qualifikation am 17. September). Aufgrund der Corona-bedingten Spielplan-Änderungen hat die Uefa überdies entschieden, nur in den Play-offs zur Champions League Hin- und Rückspiele anzusetzen. In allen anderen Qualifikationsrunden sowie in den Play-offs zur Europa League wird nur eine Partie bestritten und das Heimrecht ausgelost.

Das Herz strebt nach mehr

Als Vize-Meister müsste der FC St.Gallen also nur gerade zwei Spiele absolvieren, um erstmals seit 2013 wieder an der Gruppenphase der Europa League teilzunehmen. Angesichts der strapaziösen Zeit – besonders für die Stammspieler von Peter Zeidler – käme es den Espen also gelegen, wenn sie die Meisterschaft auf dem zweiten Platz beenden würden.

Doch das Herz dieser Mannschaft strebt nach mehr: Erst wenn es auch rein rechnerisch nicht mehr möglich ist, YB von Platz eins zu verdrängen, werden sich die St.Galler mit einem Vize-Meistertitel und dessen terminlichen Vorzügen anfreunden.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. Juli 2020 14:03
aktualisiert: 27. Juli 2020 14:03