FC St.Gallen

FCSG-Sportchef Stilz: «Es interessiert mich, wie ein Spieler über das Leben denkt»

· Online seit 10.02.2024, 11:06 Uhr
Roger Stilz ist seit gut einem Monat der neue Sportchef des FC St.Gallen. Im Interview spricht der Sutter-Nachfolger über seinen Start, seinen Arbeitsalltag und warum es ihm wichtig ist, sein Gegenüber persönlich kennenzulernen.
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Herr Stilz, Sie sind nun rund einen Monat im Amt. Wie haben Sie sich beim FCSG eingelebt?

Roger Stilz: Grundsätzlich gut, weil ich einen Verein vorfand, der in den letzten Jahren einiges geschafft hat. Ich spreche hier vor allem von der Infrastruktur im Stadion und auf den Trainingsplätzen. Der Standard ist top. Man hat hier in der Vergangenheit gute Entscheide getroffen. Ich kann hier dem Verein nur ein Kompliment machen.

Sie flogen kurz nach ihrer Vorstellung mit ins Trainingslager. Hat Ihnen diese Reise den Start einfacher gemacht?

Roger Stilz: Ja, sehr. Es war mein zweiter Arbeitstag, an dem wir abreisten. Mit im Trainingslager dabei zu sein, war ein gutes Gefühl. Ich konnte dort die Kennenlerngespräche mit den Spielern und dem Staff in der spanischen Sonne führen. Diese liefen gut.

Nun sind Sie wieder im Schweizer Winter zurück und die die Rückrunde hat begonnen. Wie sehen Sie den Saisonstart?

Ich denke, der Start mit dem Auswärtssieg in Lausanne war gut. Auch wenn nicht alles geklappt hat, haben wir uns den Sieg solidarisch erarbeitet. Ein bisschen Glück war auch dabei, aber das gehört dazu. Danach wäre eigentlich alles angerichtet gewesen gegen Lugano. Doch das Lugano-Spiel hat uns dann einen schlechten Start in die englische Woche beschert. Mit den drei Niederlagen haben wir überhaupt nicht gut abgeschnitten. Aber mein Job ist es auch, die Leistung und Atmosphäre zu beurteilen. Und da ist der FCSG auf dem richtigen Weg. Ich fühle mich hier am richtigen Platz.

Sie können sich also auch mit dem St.Galler Spielstil anfreunden?

Roger Stilz: Absolut. Ich habe es schon mal gesagt, dass ich es mag, wenn es auf dem Feld knallt. Ich bin ein Verfechter des aktiven Fussballs. Der St.Galler Stil der vergangenen Jahre ist mir nicht neu und ich kenne ihn sehr gut. Ich kann der aggressiven Spielweise sehr viel Positives abgewinnen und bin froh, dass es so läuft. Es ist ein grosses Gut, eine Spielphilosophie zu haben. Viele Clubs träumen davon und sprechen auch immer darüber, machen es aber nicht richtig.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag denn genau aus?

Roger Stilz: Der besteht in erster Linie aus der Begleitung des Staffs. Ich tausche mich täglich mit Peter Zeidler über die Mannschaft und das Training aus. Also wir sprechen wirklich über Fussball.

Sie sprechen also nur über Fussball?

Roger Stilz: Nein. Daneben bin ich hauptsächlich mit Managementaufgaben betraut. Also beispielsweise die Kaderstrategie und -entwicklung, Transfers und Vertragsverlängerungen. Dazu zählen natürlich auch Gespräche mit den Spielern und den Beratern. All dies passiert in enger Absprache mit Peter Zeidler und dem Scouting. Und sonst gibt es noch ein paar administrative und repräsentative Aufgaben. Mein Job ist eigentlich eine Mischung aus Arbeit nahe am Fussballplatz – also nicht nur bei der ersten Mannschaft, sondern auch beim Nachwuchs und den Frauen – und Büroaufgaben.

Ist das eine gute Mischung für Sie?

Roger Stilz: Ja, das kommt mir sehr entgegen. Ich komme ja vom Fussballplatz, war selbst Spieler und dann Trainer. Aber ich habe auch ein Faible für das geschriebene Wort als gelernter Germanist und ehemaliger Journalist. Diese beiden Pole entsprechen genau meinem Profil.

Sie haben jetzt oft Gespräche erwähnt. Über was wird denn geredet? Nur über Fussball oder wird auch über Persönliches gesprochen?

Roger Stilz: Das muss jeder selber entscheiden. Ich habe für mich entschieden, dass es mich auch interessiert, wie mein Gegenüber über das Leben denkt. Sei es der Spieler, die Angestellte auf der Geschäftsstelle oder der Scouting-Mitarbeiter. Ich glaube, dass dies vor allem in der aktuellen Zeit eine wichtige Komponente ist für eine Führungskraft, dass man sich mit dem Leben der anderen auseinandersetzt. Das heisst nicht, dass es einfach ein beliebiges Zuhören ist, sondern für mich geht es darum, herauszufinden, was die Leute antreibt. Was ist ihnen wichtig, um sich wohl zu fühlen, um sich weiterzuentwickeln. Ich glaube, das ist als Mensch wie auch als Verein ein zentraler Punkt.

Transfers sind ihr Metier. In St.Gallen blieb es bisher ruhig. Guidotti hat den Verein verlassen, Witzig hat verlängert. Kommt da noch was?

Roger Stilz: Wir schliessen nichts aus – ich weiss, das ist eine langweilige Antwort – aber wir haben noch eine Woche Zeit. Wir beobachten die Mannschaft, vor allem auch bezüglich der Verletztensituation. Da muss man abwägen, wie lange jemand ausfällt. Es kann also sein, dass wir noch aktiv werden, aber es muss auch passen.

Sie haben also keine Angst, dass die Fans den schlechte Rückrundenstart Ihnen in die Schuhe schieben?

Roger Stilz: Ich habe ja schon einige Jahre im Fussballgeschäft auf dem Buckel. Ich kann die Gedanken der Leute nicht beeinflussen, aber ich kann meinen Job gut machen. Wir arbeiten fleissig und ich bin gut reingekommen. Ob jetzt eine Rote Karte oder ein Gegentor mit der Ankunft von Roger Stilz zu tun hat, muss jeder für sich entscheiden.

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veröffentlicht: 10. Februar 2024 11:06
aktualisiert: 10. Februar 2024 11:06
Quelle: FM1Today

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