Spitzguuge

Für den FCSG gibt es keine Grenzen mehr

Dominic Ledergerber, 3. Februar 2020, 09:49 Uhr
Sie sind jung, aus der Region und sie wollen die Welt erobern. Nach dem überwältigenden 2:1-Sieg in Basel und dem regelrechten Sturm an die Tabellenspitze ist für Sportjournalist Dominic Ledergerber klar: In der Schweiz ist für diesen FC St.Gallen alles möglich.

Teleclub-Moderator Florian Künzi ist Baselbieter und ausgewiesener Kenner des FCB. Im Nachgang zum epochalen 2:1-Auswärtssieg, der dem FC St.Gallen die erstmalige Tabellenführung seit September 2012 beschert, begann Künzi sein Resümee zum Spitzenkampf mit einem besonderen Lob: «Die letzte Mannschaft, die Basel zu Hause dermassen dominierte, war wohl der FC Barcelona in der Champions League.»

Tatsächlich hatten die Statistiker während 90 Minuten nur vier Basler Torschüsse gezählt, 21 waren’s auf Seiten der Ostschweizer. Alleine diese beiden Zahlen machen die Frage überflüssig, ob der Sieg der Espen im St. Jakob-Park verdient war, wenngleich André Ribeiros Siegtor erst spät in der Nachspielzeit fiel (93.).

Viel dringlicher ist hingegen die Frage, ob der neue Leader imstande ist, seinen Platz an der Sonne zu verteidigen. Nach dem gestrigen Auftritt spricht vieles dafür. Oder anders ausgedrückt: Für diesen FC St.Gallen gibt es zumindest in der Schweiz keine Grenzen mehr.

«Diese Jungs werden nicht müde»

Peter Zeidler findet in der Ostschweiz optimale Bedingungen vor, um sein fussballerisches Konzept in die Tat umzusetzen. Für sein aggressives Gegenpressing sind junge Spieler nicht nur geeignet, sie sind vielmehr Voraussetzung. «Diese Jungs werden nicht müde», betonte Zeidler schon zu einem früheren Zeitpunkt in dieser Saison, spätestens seit gestern Nachmittag können davon auch die Basler Profis ein Liedchen singen.

Mitte November verpassten die Espen den Sprung an die Tabellenspitze, als sie auswärts gegen YB eine veritable Offensivschlacht mit 3:4 verloren. Damals schrieb ich, dass der FC St.Gallen noch kein Meisterkandidat sei, jedoch auch, dass ich bereit sei, diese Aussage zu revidieren – was nun eintrifft: Wer Basel in dessen Wohnzimmer dermassen einteilt, muss nach Höherem streben. Und wer nach 20 Runden ganz oben steht, der kann dies auch nach 36 Runden tun.

Die jungen Wilden des FCSG sind davon längst überzeugt. Ihr Selbstvertrauen wächst mit jedem Spiel, genauso wie sie selbst Woche für Woche über sich hinauswachsen. Und weil das Winter-Transferfenster in den Topligen Europas bereits geschlossen ist, besteht nun auch keine Gefahr mehr, dass der FC St.Gallen seine Juwelen noch verlieren könnte.

Auch Zeidlers Vertrauen wächst

«Greift Peter Zeidler nach dem Titel?», fragte vor dem Rückrundenstart gegen Lugano (3:1) die «Gmündner Tagespost», Zeidlers Hausblatt, wenn man so will. Auf diese Schlagzeile angesprochen, antwortete der 57-Jährige aus Schwäbisch-Gmünd, er habe sie übersehen – eine Aussage, die aufgrund des Funkelns in Zeidlers Augen wohl keinem Lügendetektor standgehalten hätte.

Denn auch der St.Galler Trainer ist in den vergangenen Wochen und Monaten zur Überzeugung gelangt, dass die Konkurrenz diesem FC St.Gallen nur sehr schwer Einhalt gebieten kann. Das Vertrauen in seine Spieler ist gewachsen und es wird derzeit auch in fast jedem Spiel zurückbezahlt: So bedankte sich gestern Betim Fazliji (20) für seine Nomination in die Innenverteidigung mit seinem ersten Super-League-Tor. Auch André Ribeiro (22) feierte gestern eine Tor-Premiere, er wurde ebenso wie Vorbereiter Axel Bakayoko (22) von Zeidler eingewechselt.

Nun wollen sie die Welt erobern

Dass die Spieler des FC St.Gallen jung sind und viele von ihnen aus der Region stammen, wurde im Verlauf dieser Saison fast schon gebetsmühlenartig wiederholt. Was die Espen aber definitiv zu einem Meisterkandidaten macht, ist ihr Zusammenhalt: Ein Tor wird im Kollektiv gefeiert. So wie gestern, als kurzerhand auch noch der gesperrt auf der Tribüne sitzende Ermedin Demirović (21) in die Jubeltraube integriert wurde.

Der Sprint vor die Fankurve nach Spielschluss ist ein weiteres Indiz dafür, wie viel Spass die jungen Espen in dieser Saison haben. Die Konkurrenz in der Super League muss sich deshalb warm anziehen. Die St.Galler jedenfalls sind spätestens seit dem gestrigen Coup in Basel überzeugt, dass sie ihren Lauf bis am 21. Mai durchziehen können.

Dann tritt die Mannschaft von Peter Zeidler auswärts gegen YB zum letzten Spiel der Saison an. Und sie wird dies mit Vorteilen tun. Weil es an den Bernern liegt, ihren Titel zu verteidigen. Und weil die Grün-Weissen die Erwartungen an sie ohnehin längst übertroffen haben.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 3. Februar 2020 09:37
aktualisiert: 3. Februar 2020 09:49