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Vor Cupfinal

Jörg Stiel: «Zigi ist eine coole Socke»

Mauro Lorenz, 21. Mai 2021, 09:59 Uhr
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: FM1Today / TVO

Der FC St.Gallen trifft am Montag im Cupfinal in Bern auf den FC Luzern. Wir haben vor diesem wichtigsten Spiel der Saison den früheren Nati- und FCSG-Goalie Jörg Stiel gefragt, wer eigentlich Favorit ist und ob sich Lawrence Ati Zigi schon mal aufs Penaltyschiessen vorbereiten sollte.

Jörg Stiel (53) hat schon viel erlebt. Über Jahre stand er beim FC St.Gallen im Tor, wurde mit den Espen Meister, nahm mit der Schweizer Nati an der EM 2004 teil und trainiert heute die Goalies der Nationalmannschaft von Fürstentum Liechtenstein.

Stiel weiss, wovon er spricht. Und in einem Cupfinal ist er auch mal gestanden, aber davon sprechen wir jetzt nicht mehr. Wir schauen lieber in die Zukunft.

Jörg Stiel, wer gewinnt den Cupfinal zwischen dem FC St.Gallen und dem FC Luzern?
Jörg Stiel: Der FC St.Gallen ist mein emotionaler Favorit. Ich würde es ihm extrem gönnen. Auch weil er einen Weg gegangen ist, der ausserordentlich ist. Mit vielen jungen Spielern. Aber man darf Luzern nicht unterschätzen. Die haben sehr viel Selbstvertrauen.

Was braucht der FC St.Gallen, um zu gewinnen?
Effizienz. Der FCSG kreiert extrem viele Torchancen. Doch daran sind sie in den letzten Wochen und Monaten hauptsächlich gescheitert. Sie müssen hinten sehr sicher stehen. Die Abstimmung zwischen auseinander und zusammen kompakt stehen muss funktionieren. Mit ihrer Vertikalität im Spiel werden sie dann die Tore machen, die sie brauchen.

Der FC St.Gallen hat eine junge Mannschaft, ein solcher Final ist neu für sie.
Es ist ausserordentlich, auch ohne die Zuschauer. Das wäre die grosse Stärke des FC St.Gallen gewesen. Wichtig für die Spieler ist, dass die Freude über das Erreichte, die Freude über dieses Spiel, im Vordergrund steht. Dann spielt das Alter keine Rolle mehr. Gerade im Cup haben sie ja mit ihrem Sieg gegen YB gezeigt, dass sie fähig sind, Ausserordentliches zu leisten.

Für die Fans ist es auch speziell. Würdest Du einen allfälligen Sieg feiern?
Hmmm... man muss jetzt vorsichtig sein. So wie es aussieht, gehen wir dem Ende der Pandemie entgegen. Ich bin mir sicher, dass die St.Galler kreativ genug sind, eine Feier so zu organisieren, dass es der Situation angemessen ist.

Kommen wir noch zum Goalie. Wie siehst Du Lawrence Ati Zigi?
Er hat eine unglaubliche Entwicklung gemacht, was auch der Verdienst von Stefano Razzetti ist, der super mit den Goalies arbeitet. Zigis Art hat ihn rasch zum Publikumsliebling gemacht, seine Qualitäten sind gut, er ist immer fähig, einen «Big Save» zu machen. Er festigt die Mannschaft von hinten raus und hat grossen Einfluss auf die Vorderleute. Was mich besonders beeindruckt: Auch wenn er mal einen Fehler macht, beeinflusst das den Rest seiner Leistung nicht. Das ist nicht bei allen Goalies so. Er ist eine coole Socke. Seine Ausstrahlung hilft der Mannschaft so oder so.

Gerade so ein Goalie könnte im Cup entscheidend sein, wenn es zu einem Penaltyschiessen kommt.
Das ist immer so. Logisch schaut er sich vor dem Cupfinal die Gegner an und weiss genau, wer wie einen Penalty schiesst. Aber das macht Marius Müller (Goalie des FC Luzern, Anm. d. Red.) auch. Goalies können eine zentrale Rolle spielen, nicht nur im Penaltyschiessen. Viel einfacher ist es, das Spiel in den ersten 90 Minuten zu entscheiden.

Siehst Du Parallelen zwischen Zigi und Dir?
Er ist sicher ein ruhigerer Spieler als ich, da könnte er noch mehr machen. Sonst gibt es, glaube ich, nicht so viele Gemeinsamkeiten. Oh: Er könnte seit langem der erste Goalie sein, der ebenfalls einen Titel holt (lacht).

Gibt es sonst Gemeinsamkeiten zur Meistermannschaft?
Das ist schwierig zu sagen. Die ganze Struktur der Mannschaft ist anders, der Fussball hat sich verändert. Trotz der momentanen Probleme im Sturm haben sie mehr Qualitäten als wir damals. Im Sinne: Sie sind ausgeglichener innerhalb der Mannschaft. Das sah man auch im letzten Spiel gegen Lausanne, das keine schlechte Saison gespielt hatte. Die Jungs können sie einfach mal vom Platz fegen. Diese Euphorie, diese Leistung, die kam genau auf den Punkt. Bei uns war das weniger strukturiert.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. Mai 2021 09:59
aktualisiert: 21. Mai 2021 09:59