«Können die Kritik nachvollziehen»

Praktikant FM1Today, 8. März 2019, 16:17 Uhr
St.Galler Fans werden das Super-League-Spiel am Sonntag nicht im Gästesektor verfolgen.
St.Galler Fans werden das Super-League-Spiel am Sonntag nicht im Gästesektor verfolgen.
© Keystone/Georgios Kefalas
Langes Anstehen beim Eingang, häufige Personenkontrolle und schlechte Sicht aufs Spielfeld: Darum verfolgen die St.Galler Fans das Spiel gegen den FC Luzern nicht im vorgesehenen Gästesektor. Nun nimmt FCL-Präsident Philipp Studhalter Stellung zur Protestaktion am Sonntag.

Grün-weisse Schals, ein Fahnenmeer, laute Fan-Gesänge von Trommeln begleitet: So präsentieren sich die FCSG-Fans für gewöhnlich bei Auswärtsspielen. Am Sonntag in Luzern wird das anders sein. Die St.Galler Fans boykottieren den Gästesektor. Das schreibt der Dachverband 1879 in einer Mitteilung. Es sei bei Ausswärtspielen in Luzern vermehrt zu negativen Vorkommnissen gekommen, weshalb sich die aktive Fanszene dazu entschlossen habe, das Spiel nicht im Gästesektor zu verfolgen und nicht im Extrazug anzureisen.

Am letzten Heimspiel in St.Gallen rief der Dachverband 1879 zur Protestaktion auf. (Bild: zVg)
Am letzten Heimspiel in St.Gallen rief der Dachverband 1879 zur Protestaktion auf. (Bild: zVg)

«Schlechteste Feldsicht in der ganzen Schweiz»

Ein Kritikpunkt der Fan-Organisation ist die Platzierung des Gästebreichs. «Dort haben wir die schlechteste Sicht aufs Feld in der ganzen Schweiz». FM1Today hat Philipp Studhalter, Präsident des FC Luzern mit den Vorwürfen konfrontiert. Er kann sie teilweise nachvollziehen, distanziert sich jedoch von der Protestaktion. So sagt der FCL-Präsident zur schlechten Sicht im Gästesektor: «Wir planen, dies zu ändern. Wir prüfen derzeit verschiedene Optionen und deren Finanzierungsmöglichkeiten». Jedoch müssen dafür grössere bauliche Eingriffe gemacht werden. «Dazu fehlen uns momentan die finanziellen Mittel», so Studhalter.

Ein weiterer störender Punkt ist für die St.Galler das langwierige und komplizierte Einlassprozedere in Luzern. «Es ist eine Zumutung», schreibt der Dachverband 1879. Es käme zu flächendeckenden Personenkontrollen bis zu angedrohten, unverhältnismässigen Kollektivstrafen. «Wir sind in einer gespaltenen Situation», sagt Studhalter. Einerseits müssten die Verantwortlichen für Sicherheit sorgen und andererseits freue sich niemand über Kontrollen.

Philipp Studhalter kann die Kritik der FCSG-Fans teilweise nachvollziehen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Philipp Studhalter kann die Kritik der FCSG-Fans teilweise nachvollziehen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Lange Vorgeschichte

Auf der Website des Dachverbands werden auch offensives Auftreten seitens der Luzerner Polizei wie Stadion-und Rayonverbote als Gründe für die Aktion genannt. Die Verbote gehen laut Studhalter auf Geschehnisse vor einigen Jahren zurück. «Wir vermuten, dass die Protestaktion hauptsächlich mit den Rayonverboten zusammenhängt», so Studhalter.

Der Dachverband ruft zu einem friedlichen Spiel auf, alle FCSG-Fans sollen individuell anreisen und das Spiel im Sektor D1 verfolgen. «Es ist für uns unmöglich, diese Protestaktion zu unterbinden», sagt der FCL-Präsident. Die Fan-Organisation schreibt, sie sei offen für eine lösungsorientierte Diskussion mit dem FCL. «Das begrüssen wir», sagt Studhalter. Er sei aber enttäuscht, dass die Protestverantwortlichen nicht früher auf den Verein zugekommen sind.

In der Rückrunde der aktuellen Saison ist das schon der dritte Vorfall, bei dem sich die Gästefans nicht im vorgesehenen Sektor aufhalten. Bei einem Heimspiel des FC Thuns sowie bei den Grasshoppers im Letzigrund wurde der Gästebereich ebenfalls boykottiert.
Praktikant FM1Today
Quelle: lou
veröffentlicht: 7. März 2019 18:17
aktualisiert: 8. März 2019 16:17