Spitzguuge

Peter Zeidler und der «Crazy Summer»

Dominic Ledergerber, 19. Juni 2020, 08:55 Uhr
Peter Zeidler während eines Medientermins beim Trainingslager in Bad Ragaz. (Archivbild)
© Keystone
FCSG-Trainer Peter Zeidler (57) ist «giggerig» auf den Re-Start der Meisterschaft. Warum der FC St.Gallen kein Favorit ist für den Meistertitel, die zweite Garde wichtiger denn je ist und warum er sich nicht am Hoffenheim-Gerücht beteiligen will, verrät er Dominic Ledergerber in der «Spitzguuge».

Am Tag vor dem Re-Start sprudelt es nur so raus aus Peter Zeidler, Cheftrainer von Tabellenführer FC St.Gallen. Doch bei einem Thema gibt sich der 57-jährige Schwabe zurückhaltend: Das Gerücht, das ihn mit Bundesligist Hoffenheim, wo Zeidler eine Vergangenheit hat, in Verbindung bringt. «An Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen. Überhaupt bin ich sehr glücklich in St.Gallen», sagt Zeidler nur.

Das Spekulieren überlässt er lieber anderen. Und er liefert einen Anhaltspunkt, auch über diese Saison hinaus Trainer der Ostschweizer zu bleiben, indem er sagt: «Die Europaqualifikation könnte noch am 18. August losgehen. Das wird ein Crazy Summer, und keiner weiss, wo diese Reise hinführen wird.»

Nicht nur von Finalissima sprechen

Die Reise begann für den FC St.Gallen mit einem eher durchzogenen Saisonstart und dem Cup-Out gegen Challenge-Ligist Winterthur wenig vielversprechend. Doch bis zur durch Corona bedingten Zwangspause liessen Zeidlers junge Wilde die Konkurrenz hinter sich und würden mit drei Punkten Vorsprung auf Meister YB starten, wäre da nicht die verrückte Penalty-Wiederholung im Spitzenspiel gegen ebendiesen gewesen (3:3).

Doch das ist Schnee von gestern. «Wir haben nochmals alles mit Sandro Schärer in entspannter Atmosphäre besprochen. Wir haben zwar emotionale Spieler mit Görtler, Itten oder Quintillà, aber wir müssen entspannt bleiben», sagt Peter Zeidler.

Stattdessen überwiegt die Freude auf den Re-Start, an dessen Anfang für den FC St.Gallen eine Reise ins Wallis steht. Am Samstag um 20.30 Uhr gastieren die Ostschweizer beim Tabellen-Drittletzten Sion, der in der Coronapause einen Trainerwechsel – von Ricardo Dionisio zu Ex-Chef Paolo Tramezzani – vollzogen hat.

Dazu schielt ein grosser Teil der Fans bereits auf eine mögliche Finalissima, wenn der FCSG am 2. August, dem letzten Spieltag, bei den Young Boys antreten wird. Davon will Peter Zeidler aber noch nichts wissen. «Wir haben noch nicht einmal zwei Drittel der Spiele absolviert, der Weg ist noch sehr, sehr lang», sagt St.Gallens Trainer.

Zweite Garde im Fokus

Bis dahin stehen für den Tabellenführer der Super League und seine Konkurrenz sechs englische Wochen an, die mental, psychisch und vor allem auch physisch kräfteraubend sein werden. «Unsere Startelf ist auch der Konkurrenz bekannt, das ist kein Geheimnis», sagt Zeidler und fügt an: «Ab einem gewissen Zeitpunkt wird sich aber auch die zweite Garde beweisen müssen.»

Der deutsche Trainer betont, dass sich Spieler wie Tim Staubli, Fabio Solimando oder Angelo Campos nahe an die Startelf herangekämpft hätten. Andere wie Axel Bakayoko, Alessandro Kräuchi oder André Riberio würden ebenfalls ihre Chancen erhalten, genauso wie Vincent Rüfli oder Moreno Costanzo. «Und natürlich Musah Nuhu, der nach seinem komplizierten Kreuzbandriss im Testspiel gegen Aarau ein vielbeachtetes Comeback gefeiert hat», ergänzt Zeidler süffisant.

Wenn ab diesem Wochenende auch in der Schweiz wieder gegen den Ball getreten wird, wird auch St.Gallens zweite Garde vermehrt im Fokus stehen. Zeidler sagt: «Wir werden in dieser intensiven Zeit jeden Spieler brauchen.» Eher ausgeschlossen in dieser Saison ist ein Comeback von Boris Babic. Der 22-jährige Mittelstürmer erholt sich noch immer von seinem Kreuzbandriss, den er sich Mitte Februar bei der letzten St.Galler Niederlage in Luzern (0:1) zugezogen hatte.

«Wir sind schon auch ehrgeizig»

Die Vorfreude bei Peter Zeidler und seinen jungen Espen ist dennoch ungetrübt. Diese sei bereits am 11. Mai aufgekommen, als der FC St.Gallen als erstes Super-League-Team den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen hatte. «Ab da entwickelte sich die Freude, mit dieser Mannschaft wieder um Punkte zu kämpfen, auch wenn uns die Fans fehlen werden», so der Trainer.

Wieder sprudelt es aus Peter Zeidler nur so raus, er ist so richtig «giggerig» auf den Re-Start. Als Meisterkandidaten möchte er seine Mannschaft aber nicht sehen. «Damit wir uns nicht missverstehen: Wir sind schon auch sehr ehrgeizig, aber nicht der Favorit auf den Titel. YB hat eine unglaubliche Mannschaft, Basel hat Eintracht Frankfurt auswärts 3:0 besiegt und auch Servette ist nicht zu unterschätzen», lobt Zeidler die Konkurrenz.

Überhaupt sei ein solcher «Crazy Summer» noch nie dagewesen, weshalb man erst im Nachhinein erkennen könne, wie es gewesen sei, so Zeidler. Sein Rezept für die letzte Phase der Saison ist deshalb simpel: «Wir brauchen einfach viele sehr gute Spieler in sehr guter Form.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Juni 2020 08:51
aktualisiert: 19. Juni 2020 08:55