So schön war Quillos Abschied

Christoph Thurnherr, 22. Mai 2019, 22:51 Uhr
Am Mittwochabend spielen Geburtstagskind Tranquillo Barnetta (34) und Daniel Lopar (34) das letzte mal vor heimischem Publikum für den FC St.Gallen. Hier seht ihr, wie die beiden Vereinslegenden von den Fans verabschiedet werden.

Tranquillo Barnetta hatte am Mittwoch seinen letzten Einsatz vor heimischem Publikum. Die Choreo der Fans war genauso rührend wie seine Auswechslung kurz vor Spielende und die Verabschiedung von ihm und Daniel Lopar nach dem 4:1 Sieg gegen YB. «Der Abend war bilderbuchmässig. Mit Quillo hat heute ein ganz grosser Abschied genommen. Ich freue mich sehr, dass er so einen schönen Abschied hatte. Auch für mich ist es super, dass ich mit einem Erfolgserlebnis abschliessen kann», sagt Daniel Lopar gegenüber FM1.

Gepostet von FC St.Gallen 1879 am Mittwoch, 22. Mai 2019

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Quelle: FM1Today

17 Jahre lang hat er es getan. Den Ball mit dem Rist gestreichelt, Gegner ausgetanzt, massgeschneiderte Flanken in den Strafraum getreten, Bälle in die Tiefe gespielt und natürlich selbst Tore erzielt. Sei es vom Punkt, per Freistoss oder aus dem Spiel heraus – Tranquillo Barnetta hatte alles in seinem Köfferchen. Er ist einer der besten Fussballer, der den St.Galler Spielfeldern – sei es im altehrwürdigen Espenmoos oder später im Kybunpark – jemals die Ehre erwiesen hat. Doch Tranquillo Barnetta ist viel mehr als das. Denn allein durch geniale Ideen und brillante Technik mit beiden Füssen spielt man sich nicht in die Herzen einer Fussballstadt.

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Quillo hat das geschafft, indem er sich selbst treu geblieben ist. Weil er auch mal ein Bier mit den Fans getrunken hat. Weil er zu seinem Heimatverein zurückgekehrt ist. Weil er einer von uns ist. Nun ist seine beachtliche Reise vorbei, am Mittwochabend spielt er das letzte Mal vor heimischem Publikum. Zeit für einen Rückblick.

Grosse Debüt-Saison

Nachdem er gerade U17-Europameister mit der Schweiz geworden war, wurde Barnetta auf die Saison 2002/2003 hin zu den Profis befördert. In eine Mannschaft, die sich im Umbruch befand. Zwischen dem Meistertitel aus dem Jahr 2000 und dem neuen Stadion war nicht viel Geld für neue Transfers vorhanden. Sicher mit ein Grund, weshalb Tranquillo bereits in der Debüt-Saison 20 Spiele machen konnte und 4 Tore erzielte.

Die konstant guten Leistungen Barnettas riefen schnell Vereine aus dem Ausland auf den Plan. Der Wechsel nach Deutschland zu Bayer Leverkusen erfolgte bereits im Jahr 2004. Dort  spielte er aber keine Sekunde. Um Erfahrung zu sammeln, wurde er erst einmal an Ligakonkurrent Hannover 96 verliehen. Erfahrung sammelte er in dieser Saison vor allem neben dem Platz: Wegen einer Verletzung verpasste er den Grossteil der Saison und wurde erst ab dem 30. Spieltag regelmässig eingesetzt. In dieser Saison gelangen ihm in sieben Einsätzen zwei Tore.

Nach der Rückkehr zu seinem Stammverein Bayer Leverkusen folgte der längste Abschnitt seiner Karriere bei einer Mannschaft. Er avancierte zum Stammspieler der Werkself und traf in 187 Spielen 23 mal. Mit «Vizekusen» wurde er zweiter im DFB-Pokal und 2011 Vizemeister in Deutschland.

Keinen Platz auf Schalke

Im Sommer 2012 folgte der Wechsel zu Schalke 04. Dort konnte Barnetta die hohen Erwartungen jedoch nicht erfüllen. Nach einem Jahr wurde er an Eintracht Frankfurt verliehen.  Er spielte mit 22 Einsätzen eine grössere Rolle und hätte bleiben können, doch die beiden Vereine wurden sich nicht einig. Barnetta kehrte zu Schalke 04 zurück, konnte jedoch wieder nicht richtig Fuss fassen. Der Vertrag wurde nicht verlängert.

Interessenten hätte es für Barnetta wohl immer noch genug gegeben. Zu diesem Zeitpunkt wurde bereits über eine Rückkehr Barnettas zum FC St.Gallen spekuliert, hatte er doch in der Vergangenheit immer wieder betont, noch mal für seinen Herzensverein auflaufen zu wollen.  Es war aber noch nicht an der Zeit. Sein grösstes Abenteuer stand noch bevor.

US-Reise

Tranquillo Barnetta wechselte Ende Juli 2015 zu Philadelphia Union, in die USA. Ein Land, in dem «Football» nicht mit Füssen gespielt wird und «Soccer» nur eine untergeordnete Rolle spielt. Trotzdem schien es ihm ganz gut zu gefallen. Er blieb eineinhalb Jahre, bevor er wieder nach Hause kam, zu seinem FC St.Gallen 1879.

Am Mittwoch wird Tranquillo Barnetta 34 Jahre alt. Heute wird er das letzte Mal vor heimischem Publikum auflaufen. Der Junge des FC Rotmonten, der in die grosse, weite Welt auszog, um ihr zu zeigen, wie in St.Gallen gekickt wird.  Und der danach zurückkehrte. Zuhause ist es eben doch am schönsten.

Lopar sucht das Abenteuer

Der Abschied von der St.Galler Vereinsikone überschattet den einer anderen Vereinslegende etwas: Daniel Lopar hat angekündigt, die Espen ebenfalls zu verlassen. «Die letzten 13 Jahre habe ich eine grosse Wertschätzung der Fans gespürt, ich bin sehr dankbar für alles was ich erlebt habe», sagt der ehemalige Torwart. Lopar ist seit 2006 ununterbrochen beim FC St.Gallen und absolvierte in dieser Zeit 299 Spiele - das sind rund drei mal so viele wie Barnetta. Wie der FC. St.Gallen mitteilt, wird Daniel Lopar mit seiner Familie nach Australien ziehen, um dort eine neue Herausforderung anzunehmen. Was genau das sein wird, ist noch unklar. «Es ist der perfekte Moment, meine Familie und ich freuen uns sehr auf Australien», so Lopar.

Lopar blieb in 83 Partien ohne Gegentor, war jedoch nicht unumstritten und gehörte nicht durchgehend zum Stammpersonal. Seine grössten Erfolg sind der Cupsieg 2004 (als 18-Jähriger mit dem FC Wil) und der dritte Platz mit dem FC St.Gallen nach dem Wiederaufstieg 2012. Apropos Wiederaufstieg: Daniel Lopar blieb dem FC St.Gallen auch nach dem Abstieg in die Challenge League treu und wurde von Vereinspräsident Matthias Hüppi für seine Loyalität gelobt. Der ganze Verein danke ihm für seine Verdienste und seine Treue.

Christoph Thurnherr
veröffentlicht: 22. Mai 2019 19:58
aktualisiert: 22. Mai 2019 22:51