So vermöbelten Basler die St.Galler

Laurien Gschwend, 3. April 2017, 17:20 Uhr
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Anhänger des FC Basel haben am Samstag vor dem Spiel gegen den FC St.Gallen im Thurgau die Notbremse ihres Extrazugs gezogen. Auf einem Feld prügelten sie sich mit FCSG-Hooligans. Jetzt ist ein neues Video der Schlägerei aufgetaucht.

Das obige Video kursiert derzeit auf Whatsapp. Es zeigt, wie Basler Hooligans ihre Kontrahenten aus St.Gallen vermöbeln. Nach der Schlägerei bleiben einige Beteiligte benommen auf der Wiese liegen.

Zuvor, etwa um 19 Uhr, hatten die Basel-Anhänger bei Guntershausen im Thurgau die Notbremse des Extrazugs betätigt. Der Zug mit 300 Passagieren konnte seine Fahrt erst nach 45 Minuten fortsetzen. Dass es sich bei den Gegnern um Hooligans des FC St.Gallen handelt, ist höchst wahrscheinlich: Um 20 Uhr trafen die beiden Mannschaften im St.Galler Kybunpark aufeinander.

Sicherheit geht vor

«Wenn jemand die Notbremse zieht, muss der Lokführer am nächstmöglichen Ort anhalten. Egal, ob es sich um einen Zug handelt, der fahrplanmässig unterwegs oder auf dem Weg zu einem Fussballspiel ist», sagt Reto Schärli, Sprecher der SBB. Dies aus Sicherheitsgründen, und diese gehe kompromisslos vor. Man sperre jeweils die betroffene Strecke, wenn sich Menschen auf den Gleisen aufhalten. Dies war am Samstag der Fall; acht Züge fielen aus oder verspäteten sich massiv.

Die SBB haben nach dem Vorfall Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Gemäss Schärli hat das Bahnunternehmen in nächster Zeit nicht vor, die Vorschriften bezüglich des Umgangs mit der Notbremse zu ändern. «Auch in einem Extrazug kann es zu einem Notfall kommen.»

Minderheiten sorgen für Probleme

Das Phänomen sei nicht neu. Erst Anfang März habe man die Ost-West-Achse bei Zürich-Altstetten unterbrechen müssen, weil sich Fussballfans auf den Gleisen befanden. 175 Verbindungen fielen laut Reto Schärli aus. «Dort waren die Auswirkungen viel grösser als in der Ostschweiz.»

Es sei immer nur eine Minderheit im Zug, die für Probleme sorge, der Rest wolle in aller Ruhe an den Match befördert werden. Deshalb sei es keine Lösung, die Extrazüge bei Ausschreitungen jeweils statt ans Ziel an den Startpunkt zurück zu bringen.

Keine Anzeigen bei Thurgauer Polizei

Bei der Thurgauer Kantonspolizei sind bezüglich der Prügelei keine Anzeigen eingegangen, bestätigt Mediensprecher Matthias Graf gegenüber FM1Today. Auch von Verletzten habe man keine Kenntnis. «Deshalb verfolgen wir den Fall auch nicht weiter.» Als die Beamten am Samstag östlich des Bahnhofs Guntershausen ankamen, um die Situation zu schlichten, seien die Basel-Fans bereits wieder im Zug gewesen. «Wir haben keine Personen mehr auf der Wiese angetroffen.»

«St.Galler haben aufs Dach gekriegt»

Ein Hinterthurgauer Szenekenner berichtet im «St.Galler Tagblatt» von einer «minutiös geplanten» Aktion. Das Organisieren solcher Konfrontationen geschehe nicht über Facebook, das sei zu öffentlich. Die Ostschweizer seien mit Autos angereist. Über das Handy habe die Gruppe den Rivalen den Hinweis gegeben, wann sie die Notbremse ziehen sollen. «Die St.Galler haben übrigens aufs Dach gekriegt, wie später am Abend auch ihr Club», sagt der Szenekenner.

«Hooliganismus nach englischem Vorbild»

Der Informant sagt weiter, dass etwa gleich viele Basler aus dem Extrazug gestiegen seien, wie St.Galler auf der Wiese warteten. «Das ist guter alter Hooliganismus nach englischem Vorbild.» Er spricht von rund 50 Beteiligten auf beiden Seiten. Das Video zeigt etwas anderes: Rund 20 St.Galler stehen bereit - deutlich mehr Basler rennen auf sie los. Viele weitere beobachten die Szene. Einige scheinen als «Backup» bereit zu stehen.

Der Extrazug kam am Samstag um 19.40 Uhr, 40 Minuten später als geplant, im Kybunpark an. Dort gab es bis auf Pyro-Zündungen im Gastsektor keine Zwischenfälle mehr, sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen.

Laurien Gschwend
Quelle: red.
veröffentlicht: 3. April 2017 16:12
aktualisiert: 3. April 2017 17:20