Solche Entscheide müssen anfechtbar sein

Dominic Ledergerber, 25. September 2018, 09:12 Uhr
Gegen Fabio Daprelà wird nach dessen Brutalo-Foul an FCSG-Stürmer Cedric Itten ein Verfahren eröffnet. Der Lugano-Verteidiger blickt damit einer Sperre von mehreren Spielen entgegen, obwohl Schiedsrichter Lionel Tschudi die Aktion während des Spiels nicht sanktionierte. «Richtig so», findet Sportjournalist und TVO-Moderator Dominic Ledergerber.

Schiedsrichter Lionel Tschudi (29) pfeift seine dritte Saison in der Super League. In bislang 27 Partien verwies der Neuenburger bislang sechs Akteure des Feldes, dreimal zückte er glatt Rot. Als Lugano-Raubein Fabio Daprelà am Sonntag nach 55 Minuten FCSG-Stürmer Cedric Itten umholzte, wäre ein weiterer direkter Platzverweis fällig gewesen. Mit bester Sicht auf die Szene entschied Tschudi jedoch auf Eckball. Ein sogenannter Tatsachenentscheid.

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Ob der Schiedsrichter nach Konsultation der TV-Bilder noch einmal gleich entscheiden würde, darf bezweifelt werden. Zumal Cedric Itten mit einer schwerwiegenden Knieverletzung wohl rund neun Monate ausfallen dürfte und Daprelàs Tritt eine Portion Grobfahrlässigkeit nicht abzusprechen ist.

Eine Solidarität, die problematisch ist

Nur greift die Swiss Football League (SFL) bei Tatsachenentscheiden in der Regel nicht ein. Sie stellt sich damit hinter die Entscheidungen, die ihre Schiedsrichter getroffen haben. Diese Solidarität mit den oft über Gebühr gescholtenen Unparteiischen ist zwar ritterlich, aber auch problematisch. Es wäre dasselbe, wie wenn Fehlpässe einen Verteidiger nur dann den Stammplatz kosteten, wenn aus ihnen Gegentore resultierten.

Tatsachenentscheide müssen deshalb zwingend anfechtbar sein. Irren ist menschlich, das gilt auch für Lionel Tschudi. Und so ist es richtig, dass die SFL gegen Luganos Daprelà ein Verfahren eröffnet, wenngleich sie dabei die Autorität des Neuenburger Schiedsrichters untergräbt.

Eine Sperre mit Signalwirkung?

Während das Strafmass in den nächsten Tagen erwartet werden darf, wird St.Gallens Sturmhoffnung Cedric Itten nun so schnell wie möglich operiert. Geht es nach Alain Sutter, müsste Treter Daprelà ebenso lange gesperrt werden, sagt der FCSG-Sportchef gegenüber blick.ch. Wahrscheinlicher ist aber eine Sperre von bis zu fünf Spielen.

Möglich, dass die Espen den Lugano-Verteidiger sogar mit zivilrechtlichen Forderungen belangen werden. Der Ärger des FC St.Gallen ist nachvollziehbar. Dieser wird sich nur legen, wenn die Disziplinarrichter der SFL nun eine Sperre mit Signalwirkung verhängen. Nicht um Schiedsrichter Tschudi blosszustellen, sondern um die Spieler vor derlei Attacken zu schützen.

Dominic Ledergerber
veröffentlicht: 25. September 2018 07:43
aktualisiert: 25. September 2018 09:12