Nach Schien- und Wadenbeinbruch

Sportarzt: «Fabian Schubert wurde erneut operiert»

Stefanie Rohner, 9. September 2022, 06:32 Uhr
Waden- und Schienbeinbruch lautet die Diagnose beim FCSG-Stürmer Fabian Schubert nach einem heftigen Foul im Spiel gegen YB. Er wird mindestens sechs Monate ausfallen und wurde am Mittwoch erneut operiert. Wie werden solche Knochenbrüche grundsätzlich behandelt? Wir haben bei Andreas Bischof, Leiter des Medical Teams des FCSG, nachgefragt.
Fabian Schubert wird nach dem Foul herausgetragen.
© KEYSTONE/Gian Ehrenzeller

Nach dem harten Einsteigen des YB-Spielers Ulisses Garcia muss Fabian Schubert direkt nach dem Spiel am Sonntag wegen eines Waden- und Schienbeinbruchs operiert werden. Andreas Bischof von der Orthopädie Ost und Leiter des Medical Teams des FC St.Gallen, erklärt, wie diese Art von Brüchen behandelt wird und warum Schubert noch einmal operiert werden musste.

Andreas Bischof ist Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates.

© pd

Fabian Schubert wurde wenige Stunden nach dem Spiel bereits operiert. Ist es üblich, dass die Operation bei dieser Art der Verletzung schnell erfolgen muss?

Andreas Bischof: Bei ihm war speziell, dass der Schlag und das Trauma heftig waren, das sah man in der Zeitlupe dann auch sehr gut. Ein solches Trauma verursachte nicht nur eine Verletzung des Knochens, sondern auch eine Schädigung der Muskellogen – einer Gruppe von Muskeln, die durch eine Faszie begrenzt ist – und des Gewebes. Deshalb war eine schnelle und gute Versorgung so rasch als möglich sichergestellt. Bei der Operation hat man dann auch gesehen, dass das eine gute Entscheidung war, da die Schwellung noch nicht so akut war. Alternativ hätte man das Bein auch ein paar Tage ruhigstellen und hochlagern können, das ist aber mit Risiken wie zum Beispiel einer Thrombosenbildung verbunden. Der Entscheid, schnell zu operieren, war deshalb absolut richtig.

Was genau wird bei einem Schien- und Wadenbeinbruch operiert?

Schuberts Schienbein war im mittleren Drittel gebrochen und der Bruch war – abgesehen von einem kleinen Keil – relativ glatt. Der Bruch wurde deshalb mit einem sogenannten Marknagel fixiert. Bei dieser Operation ging man vom Knie her bis ins Schienbein hinein und hat im Markkanal eine Schienung mit dem Marknagel vorgenommen. Oben und unten am Metall werden dann Schrauben platziert, damit sich nichts verschieben kann. Nach sechs bis acht Wochen können diese wieder entfernt werden. Diese Methode war in diesem Fall geeigneter und schonender, als Schrauben und Platten auf der Fraktur zu platzieren, da so Sehnen und Muskulatur und Knochenheit nicht tangiert wurden.

Nun musste Schubert erneut operiert werden. Weshalb?

Da das Trauma so massiv war, wurde nicht nur der Knochen verletzt, sondern auch die Muskulatur gequetscht. Dadurch blutet die Muskulatur langsam aber stetig in die Muskellogen, wobei eine Schwellung entsteht. Man kann sich das wie einen länglichen Ballon vorstellen, der dicht ist. Gibt es eine Schwellung in dieser Faszie, entsteht Druck, der eine Schädigung, wie Gefühlsstörungen bis hin zu Lähmung, der Gefässe und Nerven verursachen kann. Zuerst sah es bei Fabian Schubert gut aus, nun war der Druck aber im hohen Bereich. Man wollte kein Risiko eingehen, weswegen nun eine Spaltung der Muskelloge vorgenommen wurde. Dabei handelt es sich um einen kleinen Schnitt, um den Druck wegzunehmen. Das ist aber kein grosser Eingriff und verlängert die Genesungszeit nicht.

Was passiert nach den Operationen?

Bis Ende der Woche bleibt er wohl im Spital, damit man sichergehen kann, dass keine Komplikationen entstehen. Er wird bereits schon im Spital lernen, an Krücken und mit der Schiene zu laufen. Der Knochen braucht auf alle Fälle eine gewisse Zeit, bis er heilen kann. Dafür wird er rund sechs Wochen mit einem Gips ruhiggestellt. Die Reha beginnt schon im Spital, danach klären wir, wo er die weitere Rehabilitation machen kann. Diese Reha mit Physiotherapie wird täglich stattfinden, damit er schnell wieder auf die Beine kommt.

Kommt es oft vor, dass sich Sportlerinnen und Sportler das Waden- oder Schienbein brechen?

Bei direkten Traumata sind häufig beide Knochen kaputt. Sieht man sich die Zeitlupe an, erkennt man, das er wohl gut verankert war mit den Zapfen des Schuhs, das Bein aber nicht auf Bodenniveau war, als Ulisses Garcia ihm unten reingegrätscht ist, was diese Verletzung schliesslich verursachen konnte.

Wie schmerzhaft ist eine solche Verletzung?

Das ist zwar individuell, aber primär spürt man den Schmerz sofort. Schubert sagte mir, er habe gleich gespürt, dass etwas gebrochen ist. Er wusste, dass es sich um eine schwerwiegende Verletzung handelt. Eine solche Verletzung ist schon sehr schmerzhaft, unabhängig von psychischen Aspekten, die noch hinzukommen – in diesem Fall die Gewissheit, dass er länger ausfällt. Das ist frustrierend.

Wie unterscheidet sich ein Knochenbruch von beispielsweise einem Bänderriss im Fuss in Bezug auf die Behandlung?

Wenn der Knochen im Bereich des Sprunggelenkes bricht, führt das zu einer Instabilität und Verschiebung der Knochenteile und erfordert in vielen Fällen eine Operation. Damit hat man den Schnitt und die Operation, also den Eingriff, der zu einer längeren Rehabilitation führt. Zusätzlich enstehen Unsicherheiten, da man nicht weiss, ob mit dem verwendeten Metall trainiert werden kann oder nicht.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen werden Bänderrisse heute glücklicherweise ohne operativen Eingriff behandelt. Auch ohne Operation braucht eine solche Verletzung vier bis acht Wochen, bis sie ausgeheilt ist. Die Heilungschancen sind aber sehr hoch.

Der FC St.Gallen rechnet bei Fabian Schubert damit, dass er mindestens ein halbes Jahr ausfällt. Ab wann kann er nach einer solchen Verletzung wieder auf dasselbe Leistungsniveau kommen?

Schwer zu sagen, denn die Knochenheilung ist sehr individuell. Geht man von einer duchschnittlichen Heilung aus, sprechen wir von rund zwei bis drei Monaten, die der Knochen braucht, um zu heilen und die Muskeln ihre Funktionsfähigkeit zurückerhalten. Ab wann er das Bein voll belasten kann, gibt es regelmässige Röntgenkontrollen. Aber auch nach Abheilung wird es sicher noch einmal bis zu drei Monaten dauern, bis er wieder auf dem Leistungsniveau eines Super-League-Fussballers ist. Das braucht Geduld.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. September 2022 05:53
aktualisiert: 9. September 2022 06:32
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