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Pechsträhne

St.Gallens langes Warten auf den zweiten Saisonsieg

2. Oktober 2021, 07:10 Uhr
Der FC St.Gallen ist seit sieben Spielen sieglos. Der Druck im Umfeld der Ostschweizer nimmt zu, und gegen die Grasshoppers soll am Samstag endlich der Befreiungsschlag gelingen.
Peter Zeidler und seine Spieler des FC St.Gallen wollen wieder in die Erfolgsspur zurück.
© KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Im Juli war sie noch omnipräsent in St.Gallen, die Zuversicht, dass nach der schwierigen letzten Saison, die beinahe mit dem Absturz auf den Barrageplatz geendet hätte, jetzt wieder bessere Zeiten anstehen würden. Denn schliesslich durfte das Element, das nirgendwo sonst in der Schweiz derart stark mit erfolgreichem Abschneiden des Klubs in Verbindung gebracht wird, endlich wieder zurück ins Stadion: Die Zuschauer.

Bei der Pressekonferenz zu Saisonbeginn versäumten es die Verantwortlichen nicht zu betonen, dass 10'000 Saisonkarten verkauft seien und 6000 Zuschauer einem Testspiel gegen Athletic Bilbao beigewohnt hätten. «Wo sieht man das in einem Testspiel sonst?», fragte Matthias Hüppi in die Runde und nahm damit die Antwort eigentlich vorweg, denn in den Augen des FCSG-Präsidenten ist keine Region derart begeisterungsfähig wie die Ostschweiz für den FC St.Gallen, seinen Klub, den er nach Amtsantritt im Januar 2018 auf ein stabiles Fundament gehievt hat, sportlich und finanziell.

Hüppi ist in seinem Element, wenn es darum geht, zu begeistern, eine Euphorie zu entfachen. Entsprechend war die leise Hoffnung in der Ostschweiz schon spürbar, dass die Mannschaft in dieser Saison vielleicht wieder vorne würde mitspielen können. Wie vor zwei Jahren, als die St.Galler die Young Boys lange fordern konnten und sich Chancen auf den ersten Meistertitel seit 2000 ausrechneten.

Der Negativrekord 2007

Doch vom Kampf um die Meisterschaft ist der FCSG momentan weit entfernt. Am Samstag geht mit der Partie bei Aufsteiger GC das erste Saisonviertel zu Ende, und die Mannschaft von Peter Zeidler liegt nur zwei Punkte vor Schlusslicht Lausanne. Seit dem 2:1-Erfolg zum Auftakt gegen die Waadtländer ist in der Super League kein weiterer Sieg hinzugekommen. Natürlich spielten die St.Galler während dieser sieben Spiele der Sieglosigkeit nicht immer schlecht. Letztes Wochenende gegen die Young Boys oder die Woche davor gegen den FC Basel wäre mit mehr Wettkampfglück durchaus ein Punktgewinn drin gelegen.

Desolat war einzig der Auftritt in Genf Mitte September, als die Ostschweizer nach einer Roten Karte gegen Jérémy Guillemenot in der dritten Minute 1:5 untergingen. Und doch stellt sich die Frage, wie lange die Negativserie für die St.Galler weitergehen kann. Die Egalisierung des eigenen Negativrekords von zehn Partien ohne Sieg aus dem Jahr 2007 ist nicht mehr weit entfernt.

Die fehlende Wirkung

Trainer Peter Zeidler steht in seiner vierten Spielzeit an der Seitenlinie, und der Deutsche hat einen bis Sommer 2025 gültigen Vertrag. Insofern scheint unwahrscheinlich, dass sich die Verantwortlichen bald zu einer Veränderung gezwungen sehen, selbst wenn die Partie am Samstag wieder nicht gewonnen wird. Es ist aber augenscheinlich, dass Zeidlers intensiver Pressingfussball nicht mehr dieselbe Wirkung zeigt wie noch zu Beginn seiner Amtszeit. Im Sturm fehlt oft die Durchschlagskraft, im Mittelfeld die Kreativität und in der Defensive die Stabilität. Es ist eine wenig erfolgversprechende Kombination.

Immerhin stehen dem 59-Jährigen gegen die Zürcher, die seit vier Spielen unbesiegt sind und zuletzt Sion 3:1 schlugen, die gegen YB gesperrt gewesenen Lukas Görtler und Betim Fazliji wieder zur Verfügung. Natürlich, hatte Sportchef Alain Sutter bei der Saisoneröffnung gesagt, seien sie nicht Meisterschaftsfavorit, «aber wir bleiben ambitioniert». Nach dem Spieltag am Wochenende folgt eine zweiwöchige Nationalmannschaftspause. Genug Zeit also zum Analysieren, wo diese Ambitionen jetzt noch genau liegen.

Wann bricht Lausanne den Bann?

Im zweiten Samstagsspiel kommt eine andere Equipe zum Einsatz, die schon lange auf ein Erfolgserlebnis wartet. Das noch sieglose Lausanne reist zum FC Lugano. Die Tessiner setzten sich in der Vorwoche gegen Luzern 3:2 durch. Es war im dritten Spiel der erste Sieg für den neuen Trainer Mattia Croci-Torti. Entsprechend steigt der FCL mit Selbstvertrauen als Favorit in die Partie.

Quelle: sda
veröffentlicht: 2. Oktober 2021 05:05
aktualisiert: 2. Oktober 2021 07:10