«Traue mir höchstes Niveau zu»

Christoph Thurnherr, 13. Juni 2019, 05:46 Uhr
Moreno Costanzo wird beim FCSG das Trikot mit der Nummer 20 tragen.
© pd
Der FC St.Gallen hat gute Erfahrungen damit gemacht, seine Eigengewächse wieder zurückzuholen. Am Mittwoch hat der Club die Wiederverpflichtung von Moreno Costanzo (31) bekanntgegeben. Darüber freut sich nicht nur der Verein.

Die Geschichte von Moreno Costanzo und dem FC St.Gallen ist emotional. Sie handelt von Aufstieg und Fall: Costanzo stieg von den Junioren zu den Profis auf, er stieg mit St.Gallen in die Challenge League ab und gleich wieder auf. 2011 spielte er für YB und war mit einem Tor gegen St.Gallen direkt am erneuten Abstieg der Espen beteiligt. Das liess ihn damals dicke Tränen weinen, denn die Liebe zu seinem Heimatverein besteht bis heute. Umso grösser ist die Freude über die Rückkehr, denn der heute 31-Jährige hat in St.Gallen einen Vertrag für ein Jahr unterschrieben.

Moreno Costanzo, du warst lange verletzt, ein Kreuzbandriss. Nachdem du wieder spielen konntest, wurde der Vertrag in Thun nicht verlängert, obwohl es sportlich nicht schlecht lief. Musstest du zweimal überlegen, als der FC St.Gallen angeklopft hat?

Nein, sicher nicht. Das ist mein Verein, ich habe hier die ganze Juniorenabteilung durchlaufen, bin Profi geworden. Meine Familie ist von hier – das war die erste Wahl. Der FC St.Gallen ist ein guter Club in der Super League, es kommen viele Zuschauer, ich bin ein Ostschweizer. Der Transfer ist eine super Sache.

Die Erwartungen an dich als jungen Spieler und jetzt als 31-Jährigen Routinier haben sich geändert. Was bringst du mit?

Ich bin sicher erfahrener geworden, durfte Vieles erleben. Highlights, aber auch ein paar weniger gute Momente. Und diese Erfahrung kann ich nutzen, um der Mannschaft zu helfen.

Wo soll es hingehen mit dem FC St.Gallen? Was ist möglich?

Wir sind sicher ambitioniert in dieser Zehner-Liga. Trotzdem kann es schnell in beide Richtungen gehen, das hat man letzte Saison gesehen. Es gibt die zwei Grossen, YB und Basel, der Rest versucht, es so gut wie möglich zu machen. Schwer zu sagen.

Du hast einen Haufen Erfahrungen gemacht, warst bei verschiedenen Vereinen und in der Nationalmannschaft. Schliesst sich der Kreis mit der Rückkehr zum FC St.Gallen?

Das kann man so sagen. Ich bin jetzt 31 Jahre alt und kehre zu meinem Heimatverein zurück. Trotzdem traue ich mir noch drei oder vier Jahre Fussball auf höchsten Niveau zu. Ich freue mich, hier zu sein und will die Leute mit meinen Leistungen überzeugen.

Drei bis vier Jahre beim FC St.Gallen? Du hast ja nur für ein Jahr unterschrieben.

So war das Angebot. Mein Ziel ist es, länger hier zu bleiben. Ich war lange verletzt und habe zehn Monate für die Rückkehr gebraucht. Es ist jetzt mal ein Jahr mit dem Ziel, noch längerfristig wirken zu können.

Ein Spieler aus der eigenen Jugend, der nach vielen Jahren nach Hause zurückkehrt: Das erinnert an die Geschichte von Tranquillo Barnetta.

Ich will mich nicht mit Quillo vergleichen. Er hatte eine absolute Top-Karriere und war ein Glücksfall für St.Gallen. Klar, ich bin auch aus der Ostschweiz und hier Profi geworden, es gibt Parallelen. Aber wir haben unterschiedliche Geschichten.

Du brauchst deine Qualitäten doch nicht zu verstecken.

Ich will mit meinem Fussball überzeugen. Ich denke, ich war immer einer, der für ein Tor oder einen Assist gut ist. Nun muss ich nicht nur im Mittelfeld meine fussballerischen Qualitäten einbringen, sondern auch die Jungen mitnehmen und mit ihnen zusammen ein gutes Team bilden – damit das eine tolle Saison wird.

(thc)

 

Christoph Thurnherr
veröffentlicht: 13. Juni 2019 05:46
aktualisiert: 13. Juni 2019 05:46