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Spitzguuge

Wie der FCSG seine Resultatkrise meistern kann

Dominic Ledergerber, 2. Oktober 2021, 06:47 Uhr
Der FC St.Gallen ist in der Super League seit sieben Spielen sieglos. Eine gefühlte Ewigkeit – und doch keine Seltenheit. «Die Espen brauchen Mut und Geduld. Auch frühere Negativserien gingen irgendwann zu Ende», weiss Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Gerät trotz sieben sieglosen Partien nicht in Hektik: St.Gallens Präsident Matthias Hüppi.
© Keystone

Alles hatte so gut begonnen. Nach dem 2:1-Auftaktsieg in Lausanne führte der FC St.Gallen im ersten Heimspiel gegen Luzern bereits nach 13 Minuten mit 2:0, nichts schien einem optimalen Saisonstart im Weg zu stehen.

Was folgte, ist bekannt: In den letzten Zuckungen jener Partie am Nationalfeiertag glichen die Luzerner noch zum 2:2 aus. Es war eines von zuletzt sieben sieglosen Spielen in Serie, einer Serie, die den Espen die Träume vom Europapokal oder gar einem Meisterrennen erst einmal genommen hat.

Die Realität heisst stattdessen Abstiegskampf. Nach den jüngsten Niederlagen gegen Basel (0:2) und bei den Young Boys (1:2) wird es am Samstag im Letzigrund gegen Aufsteiger GC nicht genügen, sich mit einer ordentlichen Leistung aus der Affäre zu ziehen. Es müssen Punkte her.

Durststrecken und ihre Konsequenzen

Dass die Espen seit dem 1. Spieltag auf einen Vollerfolg warten, hängt neben mangelnder Effizienz auch mit fehlendem Wettkampfglück zusammen. Sieben Spiele fühlen sich an wie eine Ewigkeit. Dabei ist es seit der Ligareform im Jahr 2003 bereits das neunte Mal, dass der FC St.Gallen mindestens so lange auf einen Sieg warten musste (vgl. Tabelle).

Wann kommt die Erlösung?
© FM1Today

In vier Fällen hatte eine solche Resultatkrise Konsequenzen für den amtierenden Trainer: In der ersten Abstiegssaison 2007/2008 war für Rolf Fringer eine 0:4-Heimpleite gegen Thun die eine Niederlage zu viel, unter Nachfolger Krassimir Balakov gab es darauf jedoch veritable Backpfeifen in Sion (1:5) und gegen YB (2:7). In der zweiten Abstiegssaison 2010/2011 musste Uli Forte nach einer 0:1-Heimniederlage gegen Thun seinen Spind räumen, er wurde durch Jeff Saibene ersetzt. In der Saison 2016/2017 rang sich Präsident Dölf Früh nach langem Zögern und einer blutleeren 0:2-Pleite gegen YB schliesslich dazu durch, Joe Zinnbauer durch Giorgio Contini zu ersetzen.

Dieser wiederum wurde gegen Ende der Spielzeit 2017/2018 zunächst interimistisch durch Boro Kuzmanovic ersetzt, auf die Siegerstrasse kehrte der FCSG aber erst in der Folgesaison unter Peter Zeidler zurück.

Mutmacher in der Krise

Für den ehemaligen Französischlehrer aus Schwäbisch Gmünd ist es bereits das zweite Mal, dass seine Mannschaft während mindestens sieben Spielen sieglos blieb, doch anders als seine Vorgänger lässt die sportliche Führung Zeidler (Vertrag bis 2025) in Ruhe weiterarbeiten.

Und das ist gut so. Das Schlimmste für die Espen in der derzeitigen Situation wäre ein armefuchtelnd in Hektik verfallender Präsident, der durch vorschnellen Aktionismus eine Besserung herbeizuzwingen versucht. Ein solcher Präsident ist Matthias Hüppi definitiv nicht. Abgesehen davon waren die Leistungen in den vergangenen sieben Partien zwar glücklos, jedoch alles andere als besorgniserregend.

Und es gibt in der Krise noch einen weiteren Mutmacher: Zwischen März und Juni 1999 blieb der FC St.Gallen in sage und schreibe zwölf (!) Partien ohne Vollerfolg – und feierte nur elf Monate später den zweiten Meistertitel in seiner Clubgeschichte.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. Oktober 2021 06:46
aktualisiert: 2. Oktober 2021 06:47