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«Fühlte mich wie ein Schwerverbrecher»

Linda Aeschlimann, 29. März 2019, 20:02 Uhr
Grün-weisse Liebe stellt man sich anders vor: Stürmer Nassim Ben Khalifa zog am Freitag seinen Klub, den FC St.Gallen vor Gericht. Ein unangenehmer Moment für die Vorgeladenen: Trainer Peter Zeidler und Sportchef Alain Sutter.
FCSG-Sportchef Alain Sutter und Trainer Peter Zeidler mussten im Fall Nassim Ben Khalifa vor Gericht aussagen.
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Offen und direkt zeigen sich Peter Zeidler und Alain Sutter kurz nach der Verhandlung am Kreisgericht St.Gallen. «Es berührt mich emotional und macht mich traurig», sagt Zeidler gegenüber FM1Today. Es sei schade, dass die Personalie Nassim Ben Khalifa vor Gericht entschieden werden müsse.

Der 27-Jährige Stürmer fühlt sich vom FC St.Gallen diskriminiert, weil er zum Teil vom Training ausgeschlossen wird (FM1Today berichtete). Ben Khalifa trainiert zwar unter der Woche mit dem Team. Vom Abschlusstraining am Tag vor dem Match ist er aber jeweils ausgeschlossen. «Alle ausser mir dürfen mitmachen», beklagte er sich am Freitag vor dem Richter.

«Was soll dieser Quatsch?»

Nebst den Anwälten von beiden Parteien waren beim Gerichtstermin auch Peter Zeidler und Alain Sutter vorgeladen. Für den Trainer und den Sportchef eine ungewöhnliche Situation. Er habe definitiv schon angenehmere Morgen gehabt, sagt Alain Sutter. «Wenn du in diesem vollen Saal sitzt, kommst du dir vor wie ein Schwerverbrecher.»

Ihm ergehe es wie Peter Zeidler, sagt Sutter weiter. «Als ich aus dem Gerichtssaal gekommen bin, habe ich gedacht ‹was soll dieser Quatsch?›.» Enttäuscht ist Alain Sutter allerdings vom eigenen Stürmer Nassim Ben Khalifa nicht. Er respektiere den Weg den Ben Khalifa eingeschlagen hat.

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: TVO

Kein «täubele»

Vorsichtig bleibt Alain Sutter ob der Frage, ob die FCSG-Führung alles richtiggemacht habe: «Wir haben ein reines Gewissen und nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Ich bin der Meinung, dass wir alles sauber gelöst haben.» Deshalb möchte der Sportchef auch mit Ben Khalifa weiter einen professionellen Umgang pflegen. Man sei ja schliesslich Erwachsen.

Sowieso schreibt sich die FCSG-Vereinsführung ein grosse Portion Souveränität auf die Fahne. Auch der Präsident Matthias Hüppi nimmt nach der Gerichtsverhandlung Stellung. Er werde Nassim Ben Khalifa weiter grüssen: «Das wäre ja vollkommen unsouverän, wenn wir anfangen würden zu ‹täubele›». Der Präsident gibt aber auch zu, dass es schade sei, dass die Situation bis vor Gericht kommen musste.

Transparenz vorhanden

Dass auch die Mannschaft von den Differenzen, zwischen dem Spieler Ben Khalifa und der FCSG-Führung weiss, kann der Trainer nicht «unter den Tisch kehren». Aber das Thema beeinträchtige die Trainingsqualität nicht, sagt Peter Zeidler. «Die Spieler wissen woran Nassim ist. Er trainiert ganz normal mit, ausser eben beim Abschlusstraining.» Das sei jetzt die aktuelle Situation und die bleibe auch die nächsten acht Wochen so, sagt der Deutsche bestimmt.

Ob Nassim Ben Khalifa tatsächlich weiter vom Abschlusstraining beim FC St.Gallen ausgeschlossen werden darf, entscheidet nun der Einzelrichter. Das Urteil wird am Freitagabend oder anfangs nächster Woche erwartet. Es wird schriftlich eröffnet.

Am Schluss fügt Zeidler hinzu, dass dieser Gerichtsfall auch etwas Gutes hätte: «Es bringt uns im Verein alle näher zusammen und man kann das als Lebenserfahrung abbuchen.» Übrigens: Nassim Ben Khalifa will zur aktuellen Beziehung zwischen ihm und dem FC St.Gallen öffentlich keine Stellung nehmen.

Wer detailliert wissen will, wie die Gerichtsverhandlung vor dem St.Galler Kreisgericht abgelaufen ist, kann den Ticker bei unseren Kollegen vom Tagblatt hier nachlesen.
Linda Aeschlimann
veröffentlicht: 29. März 2019 17:09
aktualisiert: 29. März 2019 20:02