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Als die «Supermannschaft» plötzlich weg war

René Rödiger, 4. Mai 2019, 12:22 Uhr
Heute Samstag vor genau 70 Jahren stürzte ein Flugzeug mit der Fussball-Mannschaft der AC Turin ab. 18 Spieler kamen bei der «Tragödie von Superga» ums Leben.

Die AC Turin wurde in den 1940er-Jahren «Grande Torino» genannt. Die Mannschaft war die mit grossem Abstand stärkste Italiens. Die Spieler waren so überragend, dass sie sogar zeitweise fast die ganze Nationalmannschaft stellten.

Fünf Mal in Serie gewann «Il Grande Torino» die Meisterschaft. Die «Granata» war zu Hause eine Macht: Sechs Jahre lang verloren die Weinroten nicht im eigenen Stadion «Filadelfia».

Vom einstigen Stadion «Filadelfia» blieb nicht mehr viel übrig. 1998 wurde es abgerissen. (Bild: Jalo/Wikipedia/CC BY-SA 3.0)

Und plötzlich war diese Wundermannschaft ausgelöscht. Bei einem Flugzeugabsturz ist sie ums Leben gekommen. Es war der 4. Mai 1949, als die AC Turin von einem Freundschaftsspiel aus Lissabon zurückkehrte. Die Meisterschaft in Italien war zu diesem Zeitpunkt, fünf Spieltage vor Ende, schon lange entschieden, Torino einmal mehr Meister.

Zu tief angeflogen

Das Wetter war schlecht an diesem späten Nachmittag, dichter Nebel verdeckte dem Piloten die Sicht. Das Flugzeug flog viel zu tief Turin an und zerschellte am «Superga», dem Hausberg der Stadt. 18 Spieler kamen ums Leben.

Wie traumatisch dieses Erlebnis nicht nur für die ganze Stadt war, beschreibt der Journalist Dominic Bliss eindrücklich in seinem Buch «Erbstein: The triumph and tragedy of football's forgotten pioneer»: Die Tochter des technischen Direktors Ernő Erbstein, eine Tänzerin, sass im Zug zu einem Vorsprechen in Paris, als plötzlich der ganze Bahnhof in Aufregung verfiel. Extrablätter wurden verteilt, die Nachricht über den Absturz am Superga machte die Runde. Wildfremde Menschen umarmten sich, Tränen flossen nicht nur bei der Tochter Erbsteins.

Mit einem System an die Spitze

Wie lange die Dominanz der Turiner Mannschaft von damals noch angehalten hätte, ist umstritten. Klar ist, dass Erbstein die Taktik nach Italien gebracht hat. Der Ungar suchte in England nach einem Spielsystem und wurde fündig: Zwei Verteidiger und drei defensive Mittelfeldspieler bildeten ein «W», drei offensive Mittelfeldspieler und zwei Stürmer ein «M». Mit dem WM-System wurde Turin zu einer Macht.

Die überragende «Grande Torino» wurde durch den Flugzeugabsturz von Superga endgültig zur Legende. Nur drei Spieler überlebten - sie verzichteten auf die Reise nach Lissabon.

Vom einstigen Glanz ist nicht mehr viel übrig. Die Mannschaft konnte letztmals 1976 den «Scudetto» gewinnen. 1992 gewann man den Cup. In der aktuellen Saison kann Turin wieder einmal um die Europa-League-Plätze mitkämpfen.

René Rödiger
veröffentlicht: 4. Mai 2019 12:22
aktualisiert: 4. Mai 2019 12:22