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Der Fussballfan als Spitzel

René Rödiger, 11. Juni 2018, 21:12 Uhr
iStock
Wer die offizielle App der spanischen Fussballliga nutzt, hilft der Liga, Beizen aufzufinden, die keine Pay-TV-Gebühren bezahlen. Die Datenschützer finden das gar nicht lustig.

Rund zehn Millionen Fussball-Fans in Spanien haben die App «La Liga» auf ihren Smartphones installiert. So erfahren sie sofort, wenn ihr Lieblingsteam ein Tor erzielt oder Messi plötzlich Wechselabsichten hat. Die App hat gute Bewertungen, für viele Fans ist sie unverzichtbar geworden.

Doch nicht nur die Fans profitieren von der App. Wie die Liga nun zugegeben hat, werden die Daten der Smartphone-Mikrofone in Kombination mit dem Standort abgegriffen. Das berichtet die «Tagesschau» der ARD.

Der Liga entgehen 150 Millionen Euro

Sobald ein Liga-Spiel läuft, schaltet sich das Mikrofon ein. Die App - und damit die Liga - weiss, ob ein Nutzer das Spiel schaut. Gleichzeitig wird der Standort des Nutzers abgerufen. Die Liga kombiniert diese Daten und kann so feststellen, ob eine Beiz das Spiel den Gästen zeigt und ob dafür Gebühren bezahlt worden sind. Die Liga kann sofort einschreiten und die Polizei alarmieren.

Offenbar verzichten viele Bars, Restaurants und Lokale auf Pay-TV und zeigen so die Spiele illegal. Der Liga entgehen laut eigenen Angaben so jedes Jahr 150 Millionen Euro (rund 174 Millionen Franken).

Laut Datenschützer ist dieses Vorgehen ein Eingriff in die Privatsphäre der User. Doch die Fussballliga sieht dies nicht so, schliesslich hätten die Fans den Datenbestimmungen der App zugestimmt.

Fan-Daten aus der Schweiz

Übrigens arbeitet auch eine Schweizer Firma ganz vorne mit am gläsernen Fan: Digital Sports Force. Gegründet wurde die Firma vom bekannten Berater Sacha Wigdorovits, dem ehemaligen Fifa-Sprecher Guido Tognoni und dem früheren CEO der norwegischen Fussballliga Niels Roine. Digital Sports Force verspricht den Kunden, sprich den Sportorganisationen, mehr Daten über ihre Fans zu beschaffen: «In Verbindung mit Big-Data-Analysen schaffen wir für unsere Kunden die Voraussetzungen, dass sie sich weiterentwickeln und ihre Erträge steigern können», heisst es auf ihrer Website.

In einem Artikel des Schweizer Fussballmagazins «Zwölf» wird Wigdorovits folgendermassen zitiert: «[Die jüngere Generation] ist es sich gewohnt, für Inhalte mit ihren Daten zu bezahlen. Das ist ihre Währung. Dafür lösen sie kein Zeitungsabo mehr.» Die Weitergabe der Daten ist jedoch eine Seite der Medaille. Den Fan als Spitzel für die Liga zu benutzen, die andere.

René Rödiger
Quelle: rr
veröffentlicht: 11. Juni 2018 21:12
aktualisiert: 11. Juni 2018 21:12