Nations League

Die Schweizer Fussballer wollen sich gegen Spanien rehabilitieren

9. Juni 2022, 06:55 Uhr
Nach dem missglückten Auftakt in die Nations League mit zwei Niederlagen hat die Schweizer Nationalmannschaft im Heimspiel gegen Spanien am Donnerstag im Stade de Genève in Genf etwas gutzumachen.
Murat Yakin hat trotz der ersten sportlichen Krise als Nationaltrainer das Lachen wieder gefunden
© KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI

Murat Yakin musste herzhaft lachen. Als zum Abschluss der Pressekonferenz am Tag vor dem Spiel gegen Spanien ein Kind fragte, ob der Nationaltrainer lieber zwei Siege gegen Spanien und Portugal (am Sonntag) oder eine Qualifikation für die Achtelfinals an der WM bevorzugen würde, hatte der Nationaltrainer die in den Tagen rund um das 0:4 gegen Portugal etwas abhanden gekommene Lockerheit wieder gefunden. Nach langer Pause antwortete er schliesslich mit einem Schmunzeln: «Am liebsten beides natürlich. Aber wenn ich etwas wählen könnte, dann wünsche ich mir, dass an der WM alle gesund, fit und bereit sind.»

Nach einem perfekten Start mit der Qualifikation für Katar im letzten Herbst hat Yakin in diesen Tagen seine erste kleine Krise als Verantwortlicher der SFV-Auswahl zu meistern. «Die Konstellation ist heute eine ganz andere», sagte Yakin, ohne dies allerdings als Ausrede für die beiden Niederlagen in Tschechien (1:2) und Portugal zu nutzen. «Die WM ist das grosse Ziel. Jetzt geht es auch darum, Spieler, die auf Klubsuche sind oder wenig Rhythmus haben, zu unterstützen, ihnen Einsatzzeit zu geben, andere hingegen wiederum zu schützen. Das macht die Aufgabe nicht einfacher.»

Fehlende Breite

Für Yakin ist klar, was es braucht, um wieder in die Spur zu finden: Intensität und Organisation. «Wir müssen gut und sauber verteidigen, nach vorne und vertikal spielen, den Gegner beschäftigen und im Abschluss effizient sein.» Mit diesen Tugenden und etwas Glück blieb die SFV-Auswahl im letzten Herbst in den ersten sieben Spielen unter Yakin ungeschlagen und kassierte dabei nur zwei Gegentore. Der Weg nach Katar war geebnet.

Gegen Spanien im Stade de Genève wird der Nationaltrainer keine Experimente machen. Nach der Schmach von Lissabon, als nur eine Handvoll Stammspieler auf dem Platz stand, dürfte gegen den EM-Halbfinalisten die bestmögliche Formation auflaufen. «Wir haben nicht wie Portugal oder Spanien zwanzig Spieler auf diesem Niveau», sagte Yakin. Yann Sommer, Silvan Widmer, Remo Freuler, Noah Okafor und Breel Embolo kehren zurück, ob die zuletzt verletzten Manuel Akanji und Nico Elvedi von Beginn an spielen können, entscheidet sich kurzfristig.

Eine offene Rechnung

Mit dem Gegner Spanien hat die Schweiz noch eine Rechnung offen. Den EM-Viertelfinal im letzten Sommer verlor sie gegen den dreifachen Europameister erst im Penaltyschiessen, nachdem es nach 120 Minuten 1:1 gestanden hatte. Auch in der letzten Nations-League-Kampagne war die SFV-Auswahl zweimal auf Spanien getroffen. Nach einem 0:1 in Madrid gab es zuhause in Basel nach zwei parierten Penaltys von Yann Sommer ein 1:1.

Im Kampf um den Verbleib in der Liga A der Nations League, die stärkere Gegner und mehr Preisgeld beschert, ist das erste Duell mit der «Seleccion» bereits vorentscheidend. Bei einer weiteren Niederlage würde das Handicap auf Rang 3 bereits auf mindestens vier Punkte anwachsen. Auch den Spaniern ist der Start in die Kampagne nicht wunschgemäss geglückt. Das Team von Luis Enrique spielte zuhause gegen Portugal und in Tschechien - trotz 73 Prozent Ballbesitz - nur unentschieden.

Dennoch hat der Weltmeister von 2010 unter Luis Enrique nach drei enttäuschenden Endrunden in Folge wieder zum Erfolg zurückgefunden. Im letzten Sommer fehlte wenig zum grossen Coup, scheiterten die Spanier doch gegen den späteren Europameister Italien im Halbfinal erst im Penaltyschiessen. Der Neuaufbau ist geglückt, und mit dem erst 17-jährigen Gavi vom FC Barcelona, dem jüngsten Nationalspieler in Spaniens Geschichte, leuchtet ein neuer Stern am Himmel.

Quelle: sda
veröffentlicht: 9. Juni 2022 06:55
aktualisiert: 9. Juni 2022 06:55
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