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Video-Schiedsrichter

Fünf Jahre VAR: «Bezüglich Transparenz müssen wir besser werden»

17. September 2021, 11:42 Uhr
Vor fünf Jahren wurde der Videoschiedsrichter erstmals in einem Fussballspiel eingesetzt. Gefühlt seit dem ersten Tag steht er in Diskussion. Bereichert er den Sport oder zerstört er ihn? Wir haben bei Schiri-Chef Wermelinger nachgefragt und um ein Fazit gebeten.
Der «Video Operating Room» in Volketswil
© Keystone-SDA

Im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League am 9. März 2021 zwischen Borussia Dortmund und dem FC Sevilla geschah Kurioses: Angreifer Haaland traf in der 48. Minute zum vermeintlichen 2:0 für die Dortmunder. Doch dann griff der Video Assistant Referee (VAR) ein und stellte das Spiel für einige Minuten auf den Kopf. Der Schiedsrichter gab das Tor nicht, weil Haaland kurz vor dem Treffer einen Gegenspieler gefoult haben soll. Dann aber sah der Unparteiische zusätzlich, dass eine Minute vor Haalands Foul, er selbst im Strafraum regelwidrig am Trikot gezupft wurde. Der Schiri entschied auf Penalty. Diesen trat Haaland und scheiterte. Doch es ging weiter: Weil der Sevilla-Torhüter sich beim Elfmeter zu früh nach vorne bewegt hatte, musste der Elfer wiederholt werden. Haaland traf zum 2:0. Ein riesiger Wirrwarr.

«Er hat uns genau das gebracht, was wir erwartet haben»

Heute Dienstag vor fünf Jahren wurde der VAR das erste Mal in einem Fussballspiel eingesetzt. Seit der Einführung des Videoschiedsrichters erlebten wir diesbezüglich schon etliche Diskussionen rund um strittige Szenen und keiner weiss so richtig: Ist der VAR nun eine Bereicherung für den Fussball oder «raubt er ihm die Seele», wie die «Süddeutsche Zeitung» einmal schrieb?

Auf die Saison 2019/20 wurde der VAR auch in der Swiss Football League eingeführt. Daniel Wermelinger ist Schweizer Schiedsrichter-Chef – und zieht eine positive Bilanz: «Wir sind mit dem VAR sehr zufrieden. Er hat uns genau das gebracht, was wir erwartet haben», teilt Wermelinger auf Anfrage mit. Damit gemeint ist die gewünschte Unterstützung der Schiedsrichter und Assistenten, welche durch den Video-Schiri absolut geboten sei.

In Volketswil befindet sich der sogenannte «Video Operating Room». Von dort aus werden die Spiele von drei Personen in verschiedenen Funktionen videoüberwacht. Die technische Infrastruktur in den Super-League-Stadien und Volketswil ist aufwendig. Zweifellos auch sehr teuer. Der Aufwand lohne sich aber allemal. Denn nur so blieben Schweizer Schiedsrichter auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig, betont Wermelinger. «Ohne VAR wäre die Teilnahme von Sandro Schärer und seinem Team an der Euro 2020 kaum möglich gewesen.»

Verständnis für Kritik

Spieler, Trainer und Fussballfans klagen oft über lange Analysezeiten. Diese würden dem Spiel die Dynamik entziehen. Zudem greife der VAR bei offensichtlichen Fehlentscheiden nicht ein und bei nicht klaren hingegen schon. Die grösste Kritik kommt von Seiten der Fans. Sie bemängeln die mangelnde Transparenz zu Hause vor dem Fernseher oder im Stadion – warum hat der Schiedsrichter jetzt so entschieden? Daniel Wermelinger reagiert auf die geschilderten Vorwürfe verständnisvoll, gibt aber zu verstehen: «Überall, wo Menschen arbeiten, passieren nun mal Fehler. Ob auf dem Bauernhof, im Büro oder eben auf dem Fussballplatz, beziehungsweise im Video Operating Room in Volketswil.» Die fehlende Transparenz kann er selbst vollkommen nachvollziehen: «In diesem Punkt müssen wir besser werden. Da ist noch eine Menge Luft nach oben.»

Das Fussballmagazin «11 Freunde» titelte Ende 2019, dass der Fussball nicht mehr das sei, was er mal «VAR». Daniel Wermelinger akzeptiert alle Meinungen zum Videoschiedsrichter und betont zum Schluss: «Der Fussball entwickelt sich in rasantem Tempo weiter. Wer da stehenbleibt, der wird schnell überholt.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. September 2021 06:55
aktualisiert: 17. September 2021 11:42