«Kopfball»

Glatze statt Ball: Kamera filmt den Linienrichter, nicht das Spiel

Christoph Thurnherr, 30. Oktober 2020, 15:24 Uhr
Viel mehr gab's nicht zu sehen.
© Screenshot Youtube / Chuckiehands
Anstatt schottischem Zweitliga-Fussball bekamen die TV-Zuschauer beim Spiel zwischen Inverness Caledonian Thistle gegen Ayr United nur einen schottischen Zweitliga-Linienrichter zu sehen. Schuld daran: die Frisur des Mannes und eine autonome Kamera.

Die Idee klingt ziemlich gut: autonome Kameras im Fussballstadion, die dem Ball folgen und ganz ohne Kameramann zurechtkommen. Gerade während der Corona-Pandemie und bei Spielen mit geringer Einschaltquote bieten sich solche Kameras besonders an.

So wie zum Beispiel das Spiel am 24. Oktober zwischen Inverness Caledonian Thistle gegen Ayr United in der zweiten schottischen Liga. Für die Fans natürlich toll, dass so eine Partie gestreamt wird. Wenn da nur die Glatze des Linienrichters nicht wäre.

Der «Kopfball»

Der Algorithmus der Kamera wurde nämlich geknackt. Nicht von einem Hacker, sondern von der Glatze des Linienrichters. Im Gegenlicht wurde diese von der autonomen Kamera immer wieder mit dem Ball verwechselt, weswegen der Herr an der Seitenlinie wohl so viel exklusive Bildschirmzeit erhielt, wie sonst kaum einer seiner Berufskollegen.

Kaum geriet der Mann ins Bild, zentrierte die Kamera die Aufnahme bei ihm. Das Spiel war ihr zu grossen Teilen egal. Die Spieler der beiden Mannschaften kämpften um den Ball und den Sieg, foulten, flankten, schossen – aber die Kamera zeigte, wie der Linienrichter vom einen Fuss auf den anderen stieg oder seine Fahne hob.

Sunrise In The Office by Karim Nafatni / 500px | @500px

Hersteller arbeitet am Problem

Kameras des Herstellers Pixellot befinden sich in allen Stadien der Zweitligavereine Schottlands. Aufgrund der Corona-Regeln darf fast niemand ins Stadion. Inhaber von Saisonkarten bekommen deswegen einen Gratiszugang zu den kommentierten Spielen, alle anderen bezahlen extra.

Schon schottische Erstligaspiele gelten nicht gerade als fussballerischer Leckerbissen. Geschweige denn, Spiele in Liga zwei. Wenn dann noch lange Zeit nur der haarlose Hinterkopf des Linienrichters gefilmt wird, reicht es vielen Zuschauern verständlicherweise. Sie beklagen sich, dass der Service das Geld nicht wert sei.

Der Anbieter Pixellot teilt mit, an den Einstellungen zu feilen, damit sich das Debakel nicht wiederholt. Bis das Problem behoben ist, empfiehlt sich vielleicht eine Kopfbedeckung für den Mann an der Seite.

(thc)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 31. Oktober 2020 19:59
aktualisiert: 30. Oktober 2020 15:24