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Spitzguuge

Leo, der Boss

Dominic Ledergerber, 22. Januar 2021, 14:14 Uhr
Die Trainer und Captains der Super League und der Challenge League küren den Wattwiler Leonidas Stergiou (18) zum besten Jungspieler des Jahres 2020. Für einen Spieler des FC St.Gallen ist es die erste individuelle Auszeichnung seit Charles Amoah 2000. «Ein Award mit Ansage, eine absolut logische Wahl», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.
Stergiou (links) gehört zu den grössten Abwehrtalenten der Schweiz.
© Imago

Es waren zwei Genfer, die Leonidas Stergiou die Wahl zum Raiffeisen Super League Best Youngster 2020 streitig machten: Aber weder Becir Omeragic (19, FC Zürich) noch Kastriot Imeri (20, Servette) konnten dem 18-jährigen aus Wattwil im Toggenburg das Wasser reichen. Die Fachjury bestehend aus den Trainern und Captains der höchsten beiden Schweizer Ligen stimmten mehrheitlich für «den kleinen Leo», wie ihn Peter Zeidler in den Anfängen von dessen Super-League-Zeit fast schon liebevoll zu nennen pflegte.

Für den FC St.Gallen geht damit eine lange Wartezeit zu Ende. Erstmals seit dem Jahr 2000, als dem damaligen Torschützenkönig und Meistermacher Charles Amoah die Ehrung zum besten Spieler zuteil wurde, ging eine individuelle Auszeichnung wieder an einen Spieler der Ostschweizer. Im Fall von Stergiou ist es ein Award mit Ansage.

«Es gibt landesweit keinen besseren»

Es war im Februar 2019, als Zeidler den Rechtsfuss mit griechischen Wurzeln erstmals ins kalte Super-League-Wasser schmiss. Ich war damals als Kommentator im Einsatz, als sich die Sportberichterstatter auf der Medientribüne des Kybunparks verwundert die Augen rieben: Seit der Ligareform 2003 waren beim Super-League-Debüt nur sechs Spieler jünger gewesen als dieser 16-jährige Lehrling aus dem Toggenburg. An der Seite von Captain Silvan Hefti agierte Stergiou an diesem kalten Mittwochabend schon unheimlich abgeklärt und hatte grossen Anteil am 3:1-Heimsieg gegen den FC Zürich.

Verwundert waren die Medienschaffenden aber auch über die Neuigkeit, dass Leonidas Stergiou unmittelbar vor seinem Debüt einen neuen Dreijahresvertrag unterzeichnet hat, dessen Laufzeit – so das offizielle Statement seitens FCSG – noch länger gewesen wäre, wäre dies bei minderjährigen Spielern erlaubt. Im letzten Sommer wurde Stergious Arbeitspapier bis 2024 verlängert.

«Auf seiner Position und in seinem Alter gibt es landesweit keinen besseren», lobte Sportchef Alain Sutter schon 2019 und auch Trainer Zeidler unterstrich schnell einmal das aussergewöhnliche Standing des Teenagers, indem er sagte: «In der Abwehr ist Leo der Boss.»

Der Beste seit Fabian Schär

Diesen Vorschusslorbeeren ist Leonidas Stergiou, heute 18 und U21-Nationalspieler, mehr als gerecht geworden. Als jüngster Spieler überhaupt stiess er im Oktober des vergangenen Jahres in den Kreis jener Spieler mit mindestens 50 Super-League-Einsätzen vor, eine Bestmarke, die vor ihm Tranquillo Barnetta gehalten hatte.

Von Rückschlägen, wie etwa jenem folgenschweren Stellungsfehler im 140-Jahre-Jubiläumsspiel des FC St.Gallen gegen Luzern (1:2), liess sich Stergiou nicht aus der Bahn werfen, im Gegenteil: Sein Selbstbewusstsein wuchs mit jeder Spielminute, sodass man heute sagen kann, dass sich auf der Position des Innenverteidigers seit Fabian Schär (29, Newcastle United) kein besserer mit Ostschweizer Wurzeln finden lässt.

Und Spielminuten gewährte der FC St.Gallen Leonidas Stergiou reichlich, auch in dieser Saison stand bis zu seiner Corona-Infektion im Dezember kein Feldspieler häufiger auf dem Platz als der nun nicht mehr ganz so kleine Leo, dem in Zukunft auch der Durchbruch in Europas Topligen und der Schweizer Nationalmannschaft zuzutrauen ist.

Auch Zeidler hätte Titel verdient

Ein anderer St.Galler ging an der gestrigen, virtuellen SFL-Award-Night im Luzerner Verkehrshaus hingegen leer aus: Trainer Peter Zeidler. Der 58-jährige Fussball-Lehrer hatte die Espen sensationell zum Vize-Meistertitel geführt und schaffte es auch in der Vorrunde der vergangenen Saison, den FC St.Gallen trotz schwerwiegender Abgänge in der Spitzengruppe zu halten.

Stattdessen ging die Auszeichnung zum dritten Mal in Folge an Meistertrainer Gerardo Seoane (42), der mit den Young Boys auch den Schweizer Cup holte und die Hauptstädter damit zum ersten Double seit 1958 geführt hatte. Weil YB zudem europäisch überwinterte (Europa-League-Zwischenrunde im Februar gegen Bayer Leverkusen), geht Seoanes Wahl durchaus in Ordnung, auch wenn es gute Argumente für Zeidler gegeben hätte.

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Die Award-Gewinner des FC St.Gallen seit 1974*

Bester Spieler des Jahres
Charles Amoah 2000
Bester Jugendspieler des Jahres
Leonidas Stergiou 2020
Bester Trainer des Jahres
Willy Sommer 1974
Helmut Johanssen 1984
Marcel Koller 1999

*: Mit Jörg Stiel (2003) und Tranquillo Barnetta (2008) wurden zudem zwei Ex-St.Galler zum Nationalspieler des Jahres gewählt, allerdings spielte Stiel damals schon für Borussia Mönchengladbach und Barnetta für Bayer 04 Leverkusen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 22. Januar 2021 14:04
aktualisiert: 22. Januar 2021 14:14