Super League

Lugano bleibt auch nach dem 0:1 die Überraschung

14. Dezember 2020, 12:06 Uhr
Maurizio Jacobacci ist seit über einem Jahr erfolgreich in Lugano beschäftigt
© KEYSTONE/LAURENT GILLIERON
Irgendwann musste die Niederlage kommen. In 16 Super-League-Spielen am Stück verliert Lugano nicht, bis im Cornaredo ein einziges Tor für den FCZ entscheidet. Die Überraschung ist Lugano trotzdem.

Das Kader, das Trainer Maurizio Jacobacci zur Verfügung hat, ist nicht namenlos, aber unauffällig und unspektakulär. Sehr wenige Internationale aus verschiedenen Nationen gehören dazu: der Lette Marcis Oss, der Slowene Sandi Lovric und der Schweizer U21-Internationale Stefano Guidotti.

Dafür hat Jacobacci das Gros seiner Spieler während einer langen Zeit zur Verfügung. Letzten Winter gab der Klub die Teamstützen Domen Crnigoj und Carlinhos ab, aber vor der laufenden Saison blieben wichtige Wechsel aus. Es ermöglichte Jacobacci, die kurze Saisonvorbereitung ohne Unbekannte, sondern vielmehr mit festen Erfahrungswerten anzugehen. Dem Italo-Berner ist es auf diese Weise gelungen, die grauen beziehungsweise schwarzweissen Mäuse zu einem bissigen Rudel zusammenzutreiben.

Der allmächtige Klubpräsident Angelo Renzetti sagt Saison für Saison, dass das zur Hauptsache von ihm finanzierte Kader so stark sei, dass eine Platzierung unter den ersten vier möglich sein müsse. Wer immer unter Renzetti Cheftrainer ist, sieht sich - ähnlich wie der jeweilige Kollege in Sitten - andauernd einem Druck ausgesetzt.

Jacobacci, seit Oktober 2019 als Nachfolger von Fabio Celestini im Amt, konnte bisher alles an sich abperlen lassen. Nach dem erfolgreichen Abschneiden im Sommer, in den englischen Wochen, kam seine Mannschaft bis auf zwei Punkte an einen Platz in der Europa-League-Qualifikation heran, und in der neuen Saison war Lugano zeitweilig Leader. Nach je vier Siegen und vier Unentschieden war das 0:1 gegen den FCZ die - nicht zwingende - erste Niederlage, just an dem Tag, an dem auch die Young Boys erstmals verloren.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Bianconeri durch die Niederlage aus dem Tritt bringen lassen, ist nicht hoch. Denn die mit einem auf die Defensive ausgerichteten Konzept vorgehende Mannschaft ist gerade dank der relativ wenigen Wechsel gefestigt. Das Siegen fällt den Tessinern nicht immer leicht - 9 der 16 Spiele ohne Niederlage gingen unentschieden aus -, andererseits sind sie schwer zu bezwingen. Und sie sind mittlerweile selbstbewusst. Das Selbstbewusstsein wird noch grösser, je öfter die Ticinesi spät im Spiel Punkte herausholen. Jeweils in der Nachspielzeit trafen sie zu den Unentschieden auswärts gegen den FCZ (2:2) und gegen Vaduz (1:1) sowie zum 1:0-Heimsieg gegen den FC Basel.

Die wenigen Transfers kurz vor Saisonbeginn brachten Überraschungen. Der junge, von Sassuolo ausgeliehene dänische Stürmer Jens Odgaard konnte sich fürs Erste nicht behaupten. Noch hat er nicht getroffen. Dafür hat sich Adria Guerrero, vom FC Valencia aus dessen zweiter Mannschaft ausgeliehen, als Trouvaille erwiesen. Der Spanier ist als linker Läufer in Jacobaccis 3-5-2 in kurzer Zeit zu einem festen Wert gereift. Nur Fabio Daprelà hat es auf mehr Einsatzzeit gebracht.

Die Identifikationsfigur schlechthin ist der unverwüstliche Alexander Gerndt. Der mittlerweile 34-jährige Schwede war schon bei YB ein Publikumsliebling, bevor er im Sommer 2017 als Stürmer gleichsam überzählig wurde. In Lugano können sie kaum auf ihn verzichten. Auch ist Gerndt mit seiner professionellen Einstellung ein Vorbild für alle. In der Winterpause und in der Sommerpause gönnt er sich nie eine ganze Woche Ferien, bevor er - für sich - wieder mit dem Training beginnt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 14. Dezember 2020 12:05
aktualisiert: 14. Dezember 2020 12:06