Champions League

Salzburg versöhnt sich mit der Champions League

10. Dezember 2019, 10:11 Uhr
Erling Haaland schiesst für Salzburg Tor um Tor
© KEYSTONE/AP/KERSTIN JOENSSON
Lange muss Red Bull Salzburg auf seine ersten Matches in der Champions League warten. Am Dienstag kann es seine erste Kampagne mit dem Vorstoss in die Achtelfinals krönen.

Es ist das wahrscheinlich bedeutendste Spiel in der noch jungen Geschichte von Red Bull Salzburg. Noch nie seit der Getränkehersteller 2005 die Führung übernommen hat, stand der Klub so sehr im europäischen Fokus. Der Champions-League-Sieger Liverpool könnte auf Kosten der Salzburger in der Gruppenphase scheitern. Gegen 100'000 Tickets hätten für den Match abgesetzt werden können. Bei den Spielern von Salzburg ist die Vorfreude gross, die Partie schon seit Tagen das grosse Thema. Er denke jeden Tag vor dem Einschlafen daran, sagte Goalie Cican Stankovic.

Lange Zeit war für die Salzburger die Champions League ein Alptraum. Immer wieder stolperte das neue, von Red Bull dirigierte Salzburg in den letzten Jahren. Es scheiterte auf fast jede erdenkliche Weise in der Qualifikation: mal gegen die Luxemburger aus Düdelingen, mal durch einen Gegentreffer in der 87. Minute des Rückspiels gegen Malmö. Elfmal misslang dem österreichischen Serienmeister der Vorstoss in die Gruppenphase.

Auf diese Saison hin kam die Erlösung. Salzburg schaffte es direkt in die Gruppenphase. Dass dies möglich wurde, hatte viel mit eben diesem Salzburg zu tun, das in den vergangenen Saisons in der Europa League immer wieder brilliert und so für den UEFA-Koeffizienten der Österreicher fleissig Punkte gesammelt hatte. So verwundbar sich die Mannschaft in der Champions-League-Qualifikation zeigte, so unerschrocken und offensiv präsentierte sie sich oftmals im weiteren Verlauf des Europacups.

Auch in der laufenden Gruppenphase marschieren die Salzburger zielstrebig nach vorne, auch wenn nicht immer mit dem gewünschten Resultat. In Liverpool verloren sie 3:4, gegen Napoli 2:3. "Wir haben einmal drei Tore bekommen, einmal vier Tore - zu viele Tore", meinte Sportchef Christoph Freund gegenüber der Nachrichtenagentur APA. "Aber wir haben nie gesagt, wir spielen anders, wir stellen uns hinten rein und versuchen irgendwie ein Ergebnis zu bekommen. Wir wollten unseren Fussball spielen. Wir haben das durchgezogen, wofür wir stehen - auch in der Champions League."

Erfolgreicher Neuaufbau

Nur Bayern München und Tottenham haben nach fünf Spieltagen mehr Tore erzielt als Salzburg, das 16 Mal getroffen hat. Nur Robert Lewandowski liegt in der Torschützenliste vor dem erstaunlichen Erling Haaland, der seit Anfang Saison - alle Wettbewerbe eingerechnet - in 21 Partien 28 Mal getroffen hat. Der 19-jährige, vor einem knappen Jahr von Molde gekommene Norweger trifft damit im Schnitt alle 50 Minuten und wird bald weiterziehen zu einem grösseren Klub. An Interessenten mangelt es nicht.

In Österreich gibt Salzburg mit zehn Meistertiteln in 13 Jahren den Ton an. Im europäischen Kontext ist der Klub aber ein kleiner Fisch, einer, der seine besten Spieler ziehen lassen muss. Im letzten Sommer gingen gleich sechs Stammspieler für über 70 Millionen Euro, unter ihnen der frühere Grasshopper Munas Dabbur (zu Sevilla), und mit Marco Rose (zu Mönchengladbach) auch der erfolgreiche Trainer. Mit dem Amerikaner Jesse Marsch wurde ein Coach mit dem Neuaufbau betraut, der sich wie Rose in der Red-Bull-Organisation hochgearbeitet hat. Der 46-Jährige trainierte die New York Red Bulls und war letzte Saison Assistent bei RB Leipzig. Er kennt die Mechanismen im Red-Bull-Imperium, zu denen auch gehört, dass Salzburg mehr Zulieferer als Empfänger ist.

In Salzburg haben einige Spieler zuletzt einen entscheidenden Karriereschritt gemacht. Auch zwei Schweizer U21-Internationale versuchen derzeit ihr Glück. Jasper van der Werff ist in dieser Saison für das Farmteam Liefering in der zweithöchsten Liga im Einsatz, während Goalie Philipp Köhn zwar zur ersten Mannschaft gehört, aber noch auf seine ersten Spielminuten wartet. Dass der Aufstieg in Salzburg rasch gehen kann, bewies Haaland, der im ersten Halbjahr kaum spielte und heute gegen Liverpool der grosse Hoffnungsträger ist.

Quelle: sda
veröffentlicht: 10. Dezember 2019 10:05
aktualisiert: 10. Dezember 2019 10:11