Nations League

Schweiz verpasst Sieg durch spätes Gegentor

15. November 2020, 07:00 Uhr
Die Schweiz spielt in der Nations League gegen Spanien 1:1 und hat nun doch noch die Möglichkeit, den Abstieg aus der Liga A zu verhindern.

Remo Freuler brachte die Schweizer in Führung, die Spanier glichen kurz vor dem Ende aus. Und dazwischen wehrte Yann Sommer zwei Penaltys ab.

In 57 Länderspielen hat Yann Sommer keinen einzigen Penalty gehalten. Es kam der Samstag und das Duell gegen Spanien. Und dann wehrte der Schweizer Keeper innerhalb von 22 Minuten zwei streng gepfiffene Penaltys ab. Nicht von irgendeinem, sondern von Sergio Ramos, der an diesem Abend mit seinem 177. Einsatz für Spanien zum alleinigen Länderspiel-Rekordhalter Europas wurde. Beide Schüsse parierte Sommer unten rechts, den ersten lenkte er in Corner (57.), den zweiten hielt er gleich ganz fest – so schwach war er geschossen (79.).

Sommer parierte und parierte

Zum Matchwinner avanciert Sommer dennoch nicht, weil Mikel Moreno zwei Minuten vor dem Ende doch noch der Ausgleich für Spanien gelang. Beim Angriff über die linke Seite liess Edimilson Fernandes in seinem Couloir zu viel Raum offen, in der Mitte konnte Stürmer Moreno unbedrängt einschiessen. Das Tor fiel natürlich nicht aus heiterem Himmel. Der Druck der Spanier hatte nach der Pause zugenommen, umso mehr als die Schweizer nach dem zweiten Penalty und dem Platzverweis gegen Nico Elvedi in Unterzahl spielten.

Letztlich verpassten die Schweizer den ersten Sieg in diesem Jahr also knapp. Doch im Hinblick auf den Klassenerhalt in der Nations League verändern die zwei verlorenen Punkte die Ausgangslage nicht. Weil die Ukraine in Deutschland verloren, reicht der Schweiz am Dienstag in Luzern ein Sieg gegen die Osteuropäer, um den letzten Platz noch abzugeben.

Zumindest diesen einen Punkt und den Final um Platz 3 in der Gruppe verdienten sich die Schweizer dank einem realistischen Auftritt. Die Spanier waren sicherer am Ball, sie störten früh, sie hatten viel mehr Ballbesitz. Doch die Schweizer gestanden ihnen in der gefährlichen Zone zumindest bis zum Platzverweis wenig Raum zu. Sie griffen anders als in anderen Spielen in diesem Herbst auch mal zu rustikalen Mitteln, wenn es darum ging, den Ball aus der eigenen Platzhälfte zu bringen: weite Bälle entlang der Seitenlinie statt kniffliger Kombinationsfussball vor dem eigenen Tor.

Ausgleich fällt spät

Und die Schweizer zeigten sich mit ihren Kontern auch im Angriff. Sie kamen zu mehr Torszenen als im Hinspiel in Madrid oder am Mittwoch im Testspiel gegen Belgien. Erste Abschlüsse von Xherdan Shaqiri konnte der spanische Keeper Unai Simon noch in Corner klären beziehungsweise flog der Ball über das Tor. Dann gingen die Schweizer nach einem sehenswerten Konter sogar in Führung: Edimilson Fernandes lancierte am rechten Flügel Breel Embolo, dessen flache Hereingabe Freuler direkt abnahm und den Ball mit links in die hohe Ecke dirigierte (26.). Ricardo Rodriguez prüfte den gegnerischen Torhüter mit einem Freistoss vor der Pause, und nach rund einer Stunde wurde ein Schuss von Haris Seferovic auf der Linie von einem Verteidiger abgewehrt.

Gerade Seferovic hätte mit seiner grossen Chance das Spiel womöglich frühzeitig entscheiden können. So benötigten die Schweizer am Ende wegen den verschossenen Penaltys der Spanier auch Glück für den einen Punkt. Über die gesamten 90 Minuten waren sie aber doch, was Spaniens Coach Luis Enrique vor dem Spiel über sie sagte: Als Kollektiv eines der komplettesten Teams in Europa. Keiner stach heraus, aber es fiel auch keiner ab. Die krassen individuellen Fehler wurden auf ein Minimum beschränkt. Weil die Schweizer weniger Risiken eingingen, weil sie vielleicht einfach spielten, was sie können: einfachen und schnörkellosen Fussball. Und so kann man die Zahlen auch positiv interpretieren: Gegen Spanien und Deutschland blieb die SFV-Auswahl in drei von vier Spielen ungeschlagen.

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Quelle: sda
veröffentlicht: 14. November 2020 20:29
aktualisiert: 15. November 2020 07:00