Spitzguuge

Schweizer Fussballclubs, entscheidet euch!

Dominic Ledergerber, 8. Mai 2020, 13:11 Uhr
Blick in den leeren Kybunpark: Gibt es diese Saison noch Spiele?
© Keystone
Am 27. Mai legt sich der Bundesrat definitiv fest, ob er Geisterspielen ab dem 8. Juni grünes Licht gibt. Die Clubs der Super League und der Challenge League wollen sich indes erst nach diesem Urteil entscheiden. «Ein Eigentor, weil diese Uneinigkeit weitere wertvolle Zeit raubt», schreibt Sportjournalist Dominic Ledergerber.

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Dieser Kommentar ist weder ein Pamphlet für Geisterspiele noch eine Argumentation für den Saisonabbruch, sondern einzig allein ein Aufruf an die Clubs: Entscheidet euch endlich für das Eine oder das Andere!

Seit Wochen beschäftigt den Schweizer Fussballfan diese immer gleiche Frage. Dabei geht es um weit mehr als nur darum, einen Meister und einen Absteiger zu ermitteln. Es geht um existenzielle Fragen für Liga, Klubs und Spieler und nicht zuletzt natürlich auch um die Gesundheit der involvierten Akteure.

Besonders die Swiss Football League ist dabei nicht zu beneiden. Sie muss sich vorkommen, wie ein Grillmeister, der vom Lammnierstück bis zum Maiskolben alles anbietet, derweil ihre Gäste, in dieser Metapher die Clubs, in den Hungerstreik treten. In aufwändiger Arbeit erstellte die SFL ein Konzept für die Austragung von Geisterspielen, das vom Bundesamt für Sport gutgeheissen wurde.

Wertvolle Zeit verloren

Alles war angerichtet für Geisterspiele ab dem 8. Juni, zumal die Uefa mit der frühen Absage der Europameisterschaft den Raum dafür geschaffen hat, die nationalen Meisterschaften zu Ende zu spielen. Bereits jetzt ist jedoch klar, dass der Ball frühestens am Wochenende des 20./21. Juni durch die Schweizer Stadien rollen wird. Der Bundesrat behielt sich vor, die Lage am 27. Mai unter Berücksichtigung des Verlaufs dieser Pandemie abschliessend zu beurteilen. Das ist sein gutes Recht und in diesem Ausnahmezustand wohl auch weise.

Die Clubs aus Super League und Challenge League wollen sich indes erst zwei Tage später, am 29. Mai, definitiv entscheiden, ob sie mit Geisterspielen einverstanden sind. Ein Eigentor, weil diese Uneinigkeit weitere wertvolle Zeit raubt.

Hätten die Clubs die Fragen, die ihnen die Liga nun beantworten soll, nicht schon im Vorfeld klären müssen? Hätten sie sich nicht schon früher mit dem Szenario Geisterspiele auseinandersetzen und abklären müssen, was diese aus wirtschaftlicher Sicht bedeuten?

Andere Länder können es auch

Denn eines ist schon jetzt sonnenklar: Die nähere Zukunft ist einigermassen absehbar, die Situation wird sich nicht über Nacht drastisch ändern und es ist keinem geholfen, wenn sich die Clubs vor dieser – zugegeben wegweisenden – Entscheidung drücken.

Einmal mehr macht die Schweiz ihrem Ruf als Hochburg der Neutralität alle Ehre, während in anderen Ländern längst Klarheit herrscht. In Deutschland etwa soll bereits am kommenden Wochenende wieder gespielt werden, auch in den von der Krise heftig gebeutelten Ländern England und Spanien sollen Pläne für eine baldige Wiederaufnahme der nationalen Meisterschaften existieren. Handkehrum wurden diese in Frankreich und den Niederlanden bereits abgebrochen, in Belgien soll der Abbruch der Jupiler Pro League kurz bevorstehen.

Pressing gegen den Bundesrat

Hierzulande entsteht allmählich jedoch der Eindruck, als wollten die Clubs den Entscheid dem Bundesrat überlassen. Dabei wäre der umgekehrte Weg einiges vielversprechender: Würden sich die Vertreter der Super League und Challenge League im Vorfeld einigen, könnten sie, um den Sportjargon zu bemühen, ein Pressing gegen den Bundesrat aufziehen, bevor sich dieser am 27. Mai definitiv festlegt.

Die Krise hat uns gelehrt, dass der Bundesrat sehr wohl auf Druck von aussen reagiert. Ob es sich dabei um die Gastronomie, die Schulen oder eben den Sport handelt, ist irrelevant. Doch nicht nur deshalb sollten die Klubs Einigkeit zelebrieren. Je schneller auch in Bezug auf die Schweizer Profiligen Klarheit herrscht, desto mehr Zeit bleibt, um die schwierigen Herausforderungen der nächsten Monate in Angriff zu nehmen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. Mai 2020 13:54
aktualisiert: 8. Mai 2020 13:11