Sekundenklau

Thurgauer in Millionen-Betrug verwickelt?

6. Oktober 2019, 08:40 Uhr
Kürzere Bandenwerbung bedeutet höhere Einnahmen.
© Keystone/Archiv
Ein ehemaliger Mitarbeiter der Sportmarketingfirma Infront aus dem Kanton Thurgau soll mit manipulierter Bandenwerbung bei Fussballspielen Millionen verdient haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Jetzt spricht der Infront-Chef zu den Vorwürfen.

Bereits im Juli machten der «Tagesanzeiger» und «Spiegel» den sogenannten «Sekundenklau» bei der Bandenwerbung bei Fussballspielen publik. Die Werbung, die für jeweils eine halbe Minute Einblendung gebucht worden war, wurde lediglich 29 Sekunden angezeigt. Die zusätzliche entstandene Werbezeit konnte so erneut verkauft werden, ein ehemaliger Infront-Mitarbeiter habe die Einnahmen aus diesen Manipulationen eingesackt.

Die Staatsanwaltschaft Thurgau ermittelt gegen den Beschuldigten aus dem Oberthurgau, mittlerweile hat ein weiterer Infront-Mitarbeiter gestanden, von den Manipulationen gewusst zu haben.

In der «NZZ am Sonntag» äussert sich jetzt Infront-Chef Philippe Blatter zum Betrug: «Es hätte nicht passieren dürfen. Als wir von den Manipulationen erfahren haben, haben wir den betroffenen Sponsoren sofort Entschädigung angeboten.»

Dass der Mitarbeiter nicht einfach entlassen worden ist, sondern in einer Mitteilung sogar noch sein Abgang bedauert worden sei, begründet Blatter folgendermassen: «Der Vorfall war eine persönliche Enttäuschung. Ich habe jahrelang eng mit dem Mitarbeiter zusammengearbeitet.»

Die Führung der Sportmarketingfirma habe eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, nichts von den Vorfällen gewusst zu haben. Infront hat für Entschädigungszahlungen sechs Millionen Euro zurückgestellt, allerdings haben noch nicht alle geprellten Sponsoren das Angebot angenommen. So soll die Commerzbank bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt Anzeige gegen Unbekannt eingereicht haben.

Das Verfahren der Staatsanwaltschaft Thurgau dürfte noch länger dauern.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 6. Oktober 2019 08:40
aktualisiert: 6. Oktober 2019 08:40