Super League

Vom Nachteil, im eigenen Stadion zu spielen

31. Januar 2021, 21:44 Uhr
Ciriaco Sforza sah im St.-Jakob-Park zuletzt öfters eine verkrampfte Basler Mannschaft.
© KEYSTONE/LAURENT GILLIERON
Für YBs Konkurrenz muss es zermürbend sein. Alle schlagen alle und nehmen allen Punkte weg, und nur die Berner ziehen ihren Stiefel durch. Mit vielen Siegen und nur gelegentlichen Unentschieden.

In dieser Saison, besonders seit Oktober, hätten die Tipper wohl grösste Mühe, im Sporttoto einen Dreizehner oder einen Zwölfer zu landen. Sie müssten sich zuerst bewusst werden, dass es in der Zeit der zuschauerlosen Spiele den gewohnten Heimvorteil nicht mehr gibt. Die Resultate scheinen zu beweisen, dass ein leeres Stadion ein neutrales Stadion ist, ja, dass die Gastmannschaft sogar im Vorteil ist. Die auswärts spielenden Mannschaften gewannen 24 von 43 Lockdown-Spielen, die überhaupt einen Sieger ergaben. Dies sind 55,8 Prozent. In früheren, «normalen» Saisons eroberten die Heimteams immer deutlich über 50, manchmal über 60 Prozent der Punkte.

Die derzeitige Terrain-Neutralität erschwert in der Tat jedwede Prognosen. Auf den ersten Blick scheint es die Meisterschaft der zahllosen Überraschungen zu sein. Aber viele scheinbar besondere Ereignisse finden nur statt, weil die üblichen Gesetzmässigkeiten ausser Kraft gesetzt sind.

Vor diesem Hintergrund muss man auch den Klub-Negativrekord relativieren, den der FC Basel am Sonntag mit dem 2:2 gegen Lugano aufgestellt hat. Nie zuvor in der Super League (seit 2003/04) hat Rotblau aus vier aufeinanderfolgenden Heimspielen nur zwei Punkte geholt. Es ist möglich, dass die Gastmannschaften in den Geisterspielen deshalb erfolgreicher sind, weil sie sich unter einen geringeren Druck setzen als die Heimmannschaften.

Bei den Baslern ist es eine zusätzliche Erschwernis, dass sie seit dem misslungenen Saisonbeginn krampfhaft bemüht sind, nach vier Jahren den Meisterpokal in den St.-Jakob-Park zurückzuholen. Also kommt zum derzeitigen Heimnachteil noch der selbstauferlegte Druck dazu. Dieser scheint selbst die vielen routinierten Spieler in der Mannschaft von Ciriaco Sforza zu lähmen. Ob gegen YB (0:2), St. Gallen (0:0), Zürich (1:4) oder Lugano (2:2) - in keinem dieser Heimspiele dominierten die Basler ihre Gegner so, wie man es aus früheren Saisons kennt. Im Gegenteil, über die meiste Zeit der viermal 90 Minuten liessen sie sich selber dominieren.

Dennoch kann Trainer Ciriaco Sforza nahezu jedem Spiel etwas Erfreuliches abgewinnen. Beim 2:2 gegen Lugano waren es die letzten paar Spielminuten, in denen der FCB zweimal ausglich. Die Schlussphase liess Sforza zum x-ten Mal in dieser Saison sagen: «Wir sind auf dem richtigen Weg.»

Unbesehen von Heimnachteilen oder Auswärtsvorteilen scheinen die Young Boys auch in dieser Saison die einzige verlässliche Konstante zu sein. Nach dem «Heimsieg» gegen Sion haben sie sich einen Vorsprung von elf und mehr Verlustpunkten auf die Konkurrenz erarbeitet, noch bevor die Hinrunde beendet ist. Sie zündeten bisher keine Feuerwerke. Auf der Basis einer stabilen Defensive (11 Gegentore in 16 Spielen) reichten ihnen 24 geschossene Tore, um 35 Punkte einzufahren.

Quelle: sda
veröffentlicht: 31. Januar 2021 21:44
aktualisiert: 31. Januar 2021 21:44