Wicky: «YB war diese sieben Punkte besser»

5. November 2017, 10:10 Uhr
Roger Assalé konnte die Absenz von Goalgetter Guillaume Hoarau vergessen machen.
Roger Assalé konnte die Absenz von Goalgetter Guillaume Hoarau vergessen machen.
© Keystone/Peter Schneider
Im Frühling könnten sich YB und Basel einen harten Kampf um den Meistertitel liefern. Im Spitzenduell vom Sonntag in Basel haben beide Kontrahenten die Gelegenheit, noch im alten Jahr vorzusorgen.

Basels Trainer Raphael Wicky wies in der Medienkonferenz vor dem Hit im St.-Jakob-Park - bis zum Freitagnachmittag waren 30'300 Tickets verkauft - auf die bekannte Sechs-Punkte-Rechnung hin. Nach dem Spiel wird der Abstand zwischen Leader YB und Meister Basel je nach Ausgang zehn, sieben oder vier Punkte betragen. Wie wenig solche Abstände im Herbst bedeuten müssen, zeigte sich zum Beispiel in der Saison 2009/10, als die Young Boys bis zu 13 Punkte vor Basel lagen und der FCB dennoch seinen ersten von bis heute acht Meistertiteln am Stück gewann.

Wicky billigt den Bernern zu, dass sie im bisherigen Saisonverlauf um die sieben Punkte besser waren, um die sie nun voraus liegen. Der Walliser begründete es mit dem lange Zeit offensichtlichen Unterschied in der Konstanz der beiden Mannschaften und damit, dass sich die Berner nach vereinzelten schwächeren Leistungen jeweils umgehend auffingen. Dennoch sagte Wicky, was er unbedingt sagen musste: «Wir wollen gewinnen und den Rückstand auf vier Punkte reduzieren.» Und er fügte an: «Wir haben die Mittel, um YB zu schlagen.»

Wickys Gegenüber Adi Hütter stellte seiner Mannschaft nach den ersten gut drei Monaten der Saison ein positives Zeugnis aus: «Unsere Leistungen sind konstant gut.» Er habe mit den Spielern auch nach den Niederlagen in Lausanne und gegen Dynamo Kiew nicht hart ins Gericht gehen können. Die Leistungen seien beide Male gut gewesen, nur die Resultate nicht.

Hütter ist erfreut darüber, dass der neuerliche verletzungsbedingte Ausfall von Goalgetter Guillaume Hoarau wenig oder überhaupt nicht ins Gewicht fällt. Neuzugang Jean-Pierre Nsame und Roger Assalé sind für den Franzosen in die Bresche gesprungen. Assalé erzielte in den letzten elf Wettbewerbsspielen elf Tore. YBs Torverhältnis von 32:11 in der Super League ist beeindruckend. Dennoch sagte Hütter vor dem Schlagerspiel: «Wir benötigen eine perfekte Leistung, um zu bestehen.» Schliesslich haben die Berner seit dessen Amtsübernahme im September 2015 noch nie in Basel gewonnen.

Im Auftaktspiel der Super League trumpften die Young Boys gross auf. Sie überliessen dem FC Basel vor 31'000 Fans im Stade de Suisse kaum eine Torchance und hätten deutlicher gewinnen können als durch zwei prächtige Tore von Yoric Ravet und Miralem Sulejmani.

Aber seither ist viel Wasser die Aare und den Rhein hinunter geflossen. «Rückschlüsse nach diesem Spiel kann man heute nicht mehr ziehen», so Wicky. «Vieles hat sich verändert. Wir haben Delgado nicht mehr, YB hat Ravet nicht mehr, und Hoarau ist verletzt.»

Wicky persönlich hat in den vergangenen Wochen viele (möglicherweise voreilige) Kritiker zum Verstummen gebracht. Daran soll auch die jüngste Heimniederlage in der Champions League gegen ZSKA Moskau nichts ändern. Der Walliser sagte es deutlich: «Wir wurden in der zweiten Halbzeit für Fehler bestraft und liessen die Wende zu. Aber diese eine Halbzeit ist für mich nicht der Massstab für unsere Leistungen in der letzten Zeit. Wir hatten einen wirklich sehr guten Oktober.»

«Im November ist noch niemand Meister geworden», sagte Hütter in der Medienkonferenz vor dem Spitzenspiel. Wie recht der Österreicher hat, wissen sie nirgends besser als in seinem Verein. Ein noch so grosser Vorsprung deutlich vor Weihnachten will nichts heissen.

Wer an ein spannendes Duell um die Meisterschaft zwischen Basel und den Young Boys denkt, erinnert sich beispielsweise an die Saison 2009/10. Nachdem sie den Titel zum dritten Mal in vier Jahren knapp dem Erzrivalen Zürich hatten überlassen müssen, starteten die Basler unter Christian Gross' Nachfolger Thorsten Fink miserabel in die Saison. Nach acht Runden waren sie nur Siebte und hatten sie erst neun Punkte auf dem Konto, 13 Punkte weniger als Leader YB. Selbst nach 29 Runden hinkte der FCB, jetzt Zweiter, noch sechs Punkte hinter den Bernern her. Die 36. Runde brachte die Finalissima im Stade de Suisse. Basel siegte 2:0. Schlussstand: 1. Basel 80 Punkte. 2. YB 77 Punkte.

In der Winterpause hatte Basel einen Vertrag für die nachfolgende Saison mit dem damaligen Berner Schlüsselspieler Gilles Yapi abgeschlossen. Der Schachzug wirkte. Gegen Schluss der Saison kam immer mehr Unruhe in der Berner Verein. Der abtrünnige Ivorer wurde für die letzten Spiele, auch für jenes gegen Basel, von Trainer Vladimir Petkovic nicht mehr aufgeboten.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 5. November 2017 04:00
aktualisiert: 5. November 2017 10:10