«Wir setzen uns nicht unter Druck»

23. Oktober 2018, 06:21 Uhr
Rivalen und Freunde: die YB-Torhüter Marco Wölfli und David von Ballmoos
Rivalen und Freunde: die YB-Torhüter Marco Wölfli und David von Ballmoos
© KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE
Im dritten Spiel der Champions League wollen die Young Boys zwei Nullen tilgen: die Null der Punkte und die Null der Tore.

Auf dem Papier ist das Heimspiel am Dienstagabend um 18.55 Uhr gegen Valencia die Partie, in der der Schweizer Meister in der Königsklasse am ehesten etwas ausrichten kann. Nach dem Solo mit neun Siegen in der Super League sind die Young Boys ins Straucheln geraten.

Nach neun Siegen kommt YB ins Straucheln

Sie verloren daheim gegen Luzern und mussten beim FCZ alles aus sich herausholen, um zu einem 3:3 zu kommen. In der Champions League spielen sie nun zweimal gegen Valencia, zuerst im Stade de Suisse. Nach diesen Spielen wird man sehen, ob die Berner Aussichten haben werden, im Frühling europäisch mitzutun - in der Champions League oder in der Europa League.

«Wir setzen uns nicht unter Druck.»

Trainer Gerardo Seoane liess sich 24 Stunden vor dem Match nicht in die Karten blicken. Seine wesentlichste Aussage: «Wir setzen uns nicht unter Druck.» Die Spieler und er wüssten, wie die Stärkeverhältnisse in der Gruppe seien. Mit Konzentration und Aggressivität soll YB die ersten Punkte holen.

Von Ballmoos ausscheiden sorgt für Kopfzerbrechen

Der Ausfall des in Zürich mit einer Hirnerschütterung ausgeschiedenen Goalies David von Ballmoos bereitet Seoane kein Kopfzerbrechen. «Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass wir auf der Torhüterposition ein Luxusproblem haben. Wir haben zwei sehr gute Torhüter.» Marco Wölfli gibt im biblischen Sportler-Alter von 36 Jahren das Debüt im höchsten Klubwettbewerb. «In Zürich war er von einer Minute auf die andere bereit. Er hat uns auch dort wieder geholfen», sagte Seoane.

Valencia verdiente sich seine elfte Teilnahme an der Champions League, die erste seit 2015/16, mit dem 4. Platz in der Meisterschaft hinter Meister Barcelona, Atlético Madrid und Real Madrid.

Kein Spieler hat bislang mehr als einen Treffer erzielt

In dieser Saison gibt die Mannschaft von Trainer Marcelino Garcia Rätsel auf. In «La Liga» hat kein Team seltener gewonnen und seltener verloren. Die skurrile Bilanz nach neun Runden zeigt einen Sieg und eine Niederlage bei sieben Unentschieden. Obwohl erstklassige Offensivkräfte wie der Spanien-Brasilianer Rodrigo, der Franzose Kevin Gameiro, der von Chelsea ausgeliehene Belgier Michy Batshuayi und der dieser Tage verletzte Portugiese Gonçalo Guedes im Kader stehen, brachten es die Spanier in den neun Spielen auf nur sieben Tore. Kein Spieler hat bislang mehr als einen Treffer erzielt. Am Wochenende reichte es im Heimspiel gegen den Madrider Quartierklub Leganes nur zu einem 1:1. Valencia liegt im 14. Rang und ist derzeit weit davon entfernt, ein weiteres Mal in die Europacup-Wettbewerbe zu gelangen.

Auch in der Champions League (0:2 gegen Juventus Turin, 0:0 bei Manchester United) trafen sie nicht.

Meisterschaften seien nicht vergleichbar

Gerardo Seoane misst diesen Zahlen keinen grossen Wert bei. «Man kann die Meisterschaften in Spanien und in der Schweiz nicht miteinander vergleichen», sagte der Trainer mit spanischen Wurzeln - er lieferte den spanischen Journalisten persönlich die Übersetzungen - an der Medienkonferenz. «Ihr Spiel basiert auf einer starken Defensive, und im Angriff verfügen sie über ein grosses Potential.» Der Berner Mittelfeldspieler Djibril Sow sagte sogar, dass Valencia für ihn den schönsten Fussball in Spanien spiele.

FC Valencia war kurz vor Bankrott

Von 2011 bis 2017 stand der FC Valencia dem Bankrott nahe. Die Überschuldung, hervorgerufen auch durch die damalige Immobilienkrise, war riesig und überstieg sogar jene von Real Madrid. Den höchsten Wert erreichten die Schulden 2008 mit rund 750 Millionen Franken. Später brachten eine markante Steigerung der Werbe- und TV-Einnahmen sowie der Verkauf erstklassiger Spieler wie beispielsweise David Villa und David Silva Linderung.

Valencia kam nie zur alten Stärke zurück

Ähnlich starke Auftritte in der Champions League wie in den Saisons 1999/00 und 2000/01 unter dem grossen Trainer Hector Cuper konnte Valencia nicht wiederholen. Damals erreichte der Klub zweimal in Folge den Final in der Königsklasse. Die Mannschaft verfügte über herausragende Könner wie Gaizka Mendieta, Kily Gonzalez, Roberto Ayala, John Carew und Jocelyn Angloma. Beide Finals gingen verloren, zuerst 0:3 gegen Real Madrid, ein Jahr später im Penaltyschiessen gegen Bayern München.

Valencias Titelsammlung ist verhältnismässig bescheiden. Sie umfasst sechs Meistertitel (zuletzt 2004), sieben Cupsiege (zuletzt 2008), den Gewinn des Cupsieger-Cups 1980 und den Sieg im UEFA-Cup 2004. Valencia kam in der Champions League nach den beiden Finals nur noch 2011 und 2013 über die Gruppenphase hinaus, scheiterte aber jeweils in den Achtelfinals.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 23. Oktober 2018 04:00
aktualisiert: 23. Oktober 2018 06:21