Nach Nati-Niederlage

Xhaka wehrt sich gegen rassistische Kommentare

3. Juni 2022, 12:49 Uhr
Die Schweizer Nati erlebte einen enttäuschenden Abend gegen Tschechien: Der Auftakt zur Nations League endete mit einem 1:2. Nach dem Spiel werden Granit Xhaka und weitere Secondos beleidigt – jetzt wehrt sich der Captain.
Die Schweiz mit Captain Granit Xhaka reist ohne Punkte aus Prag ab
© KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Granit Xhaka lieferte gegen Tschechien nicht sein bestes Spiel ab – wie praktisch jeder in der Nati. Anders ist die 1:2-Niederlage nicht zu erklären. Die Kritik war nach dem Spiel laut. Der Captain hat wohl nach dem Spiel die Kommentarspalte des «Blicks» gelesen und machte dann in seiner Instagram-Story seinem Ärger Luft: «Es wird sich nie ändern!!!!», schrieb er zum Screenshot:

xhakakommentar

Der Kommentator zieht über unsere Secondos in der Nati her: «Ach, was waren das noch für Zeiten als die Natispieler noch Suter, Egli, Wehrli, Sulser usw. geheissen haben. Heute Okafor, Sow, zhaka, Shaquiri … Wer als Schweizer soll sich damit noch identifizieren? Ich nicht.»

Verband greift ein

Dass solche Kommentare nicht in Ordnung sind, sollte eigentlich inzwischen jedem klar sein. Pierluigi Tami, der Direktor der Nati, äusserte sich am Freitagmorgen auf Twitter zum Vorfall. Er sagte: «Solche Leserkommentare sind niederträchtig und verletzend, stimmen uns traurig und tun weh.» Und weiter:

Tami stellt klar: «Respekt und Toleranz sind gelebte Grundwerte im SFV, die wir auch von allen Zuschauern und Fans verlangen.» Auffallend ist vor allem, dass es immer bei Niederlagen solche hässlichen Kommentare hagelt.

Die echten Fans unterstützen jeden in der Nati

Die «Fankurve Schweiz», die die Schweiz an den Matches vor Ort anfeuert, sicherte Xhaka die Unterstützung zu. Der Captain müsse wissen, «dass das ein kleiner Teil von Idioten ist, der so über euch Schweizer Spieler spricht.» Rassismus habe in der Fankurve keinen Platz und werde nicht toleriert. Sie seien keine Fans, «sondern wütende, mit sich selbst unzufriedene Menschen.» Sie hätten weder die Schweizer Kultur und damit verbunden unsere Migrationspolitik, noch den Fussball, der für Toleranz und Multikultu stehe, verstanden.

Klare Worte zum Schluss: «Lasst euch von solchen Idioten nicht beirren. Unseren Support habt ihr und wir können dir ebenfalls versichern, dass die Fans, die euch im Stadion aktiv supporten, alles andere als so denken.»

«Blick» entschuldigt sich

Die Zeitung hat sich bei Granit Xhaka für den Leserkommentar entschuldigt. Dieser hätte nicht freigeschaltet werden dürfen. Chefredaktorin Sport Steffi Buchli schreibt: «Entschuldigung, lieber Granit. Das war eine Panne, die nicht passieren darf. Die Schweiz ist multikulturell, wir sind ein bunter Haufen. Ein Granit, ein Djibril oder ein Xherdan sind genauso Schweizer wie ein Roger, ein Andy oder ein Claudio ein Schweizer sein kann.» Der Kommentar sei unterdessen gelöscht worden.

(jaw)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 3. Juni 2022 12:50
aktualisiert: 3. Juni 2022 12:50
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