Zahlen sprechen für FCZ, Form nicht

11. Mai 2019, 07:14 Uhr
Für Ludovic Magnin ist zu hoffen, dass er nach dem Abpfiff in Neuenburg noch hinsehen kann
Für Ludovic Magnin ist zu hoffen, dass er nach dem Abpfiff in Neuenburg noch hinsehen kann
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA
Wäre die Barrage nicht wieder eingeführt worden, wäre das Geschehen in der Super League langweilig. Aber die Stichkämpfe halten alle in Atem, die Fans ebenso wie sieben von zehn Mannschaften.

In den vier verbleibenden Runden kann noch sehr viel passieren, aber das Spiel der Spiele ist zuerst einmal Neuchâtel Xamax - Zürich an diesem Samstagabend. Der Neunte und der Achte liegen nur noch einen Punkt auseinander.

Zieht man die Zahlen zurate, sieht es für den derzeit Drittletzten, den FCZ, einigermassen gut aus. In den bisherigen 15 Saisons der Super League (seit 2003/04) war der Vorletzte nach 32 Runden in neun Fällen, also zu 60 Prozent, identisch mit dem Vorletzten am Schluss der Saison. Zurzeit ist Xamax dieser Neunte in der Tabelle.

Der FCZ war letztmals im Frühling 2016 in einen Abstiegskampf verwickelt. Es ging damals ausschliesslich gegen den Direktabstieg des Zehnten. In der 33. Runde erlebten die Zürcher mit einem 0:4 daheim gegen Lugano ein Debakel, das zum Trainerwechsel führte. Sami Hyypiä wurde abgesetzt, Uli Forte übernahm für die letzten drei Runden. Es folgte ein 0:3 in St. Gallen, und nach einem 2:2 in Sitten konnten die Zürcher den Abstieg in der letzten Runde nicht mehr aus eigener Kraft abwenden. Das 3:1 gegen Vaduz nützte nichts mehr, Zürich stieg ab. Nur drei Jahre sind seither vergangen, aber nur drei Spieler des heutigen Kaders waren auch im Kader des Absteigers: Alain Nef, Marco Schönbächler und der damalige Ersatzgoalie Yanick Brecher. Also ist die Mannschaft, die in diesen Wochen das Schlimmste verhindern muss, weitgehend unbelastet.

So wenig Erfolg wie Stadtrivale GC hatte der FC Zürich in diesem Frühling beileibe nicht. Aber auch nicht so viel, dass er die Abstiegsgefahr bannen konnte. Noch nach 25 Runden betrug die Reserve zum zweitletzten Platz elf Punkte. Seither siegten die Zürcher einzig noch daheim gegen das ebenfalls angeschlagene Sion (1:0), während Xamax Sieg für Sieg und Punkt für Punkt näherkam.

Zürichs Trainer Ludovic Magnin - er muss das Spiel auf der Tribüne verfolgen und sich an der Linie von René van Eck vertreten lassen - macht sich auf einen hart umkämpften Match gefasst. «Es wird ein Spiel mit extrem viel Nervosität», sagt der Romand. «Keine Mannschaft wird befreit spielen.» Ob er damit recht haben wird, ist fraglich, denn die Neuenburger haben in diesem Frühling auf überzeugende Weise und unverkrampft mehrere Spiele gewonnen, in denen es für sie um viel ging.

Magnin blickt zurück: «Wir hatten uns mit dem Sieg gegen Sion ein bisschen Luft verschafft, aber durch die Niederlage in Basel ist die Luft wieder dünner geworden. Die Lage ist schon seit Wochen sehr ernst.» Danach gefragt, wer im Spiel auf der Maladière der Favorit sei, sagte Magnin: «Wer Favorit ist, spielt keine Rolle. Aufgrund der Rückrundentabelle ist es wahrscheinlich Xamax. Andererseits dürfen wir das nicht gelten lassen. Wir stehen immer noch einen Punkt vor Xamax.»

Magnin musste an der Medienkonferenz des FCZ auch sagen, ob er mit einem Punkt zufrieden wäre. Seine Antwort: «Man muss abwarten. Es ist nicht ein Spiel, in dem es um alles oder nichts geht, das müssen wir uns bewusst sein. Wir haben noch vier Partien. Und wir spielen noch gegen vier Direktkonkurrenten, das ist der positive Punkt am Restprogramm.»

Die Super-League-Spiele vom Samstag im Überblick:

Neuchâtel Xamax - Zürich (bisherige Duelle der Saison: 0:0, 3:3, 1:2). - Anspielzeit: 19.00 Uhr. - SR Schärer. - Absenzen: Djuric und Nuzzolo (beide gesperrt); Odey (gesperrt), Winter, Hekuran Kryeziu, Pa Modou, Untersee, Aliu und Zumberi (alle verletzt). - Statistik: Dieses Spiel der Runde, eine brisante Sache, findet schon am Samstag statt. Wenn Xamax gewinnt und Sion am Sonntag in St. Gallen punktet, wird sich Ludovic Magnins allein auf dem zweitletzten Platz wiederfinden. Ein Zürcher Verein wäre dann abgestiegen, der zweite in grosser Gefahr. Die Zahlen machen das Team von Trainer Stéphane Henchoz zum eindeutigen Favoriten. Xamax holte in den letzten 13 Runden 23 Punkte, Zürich 12. In den letzten vier Runden lautet das Punkteverhältnis 10:3 für die Neuenburger.

Thun - Lugano (1:1, 1:2, 3:1). - Anspielzeit: 19.00 Uhr. - SR Fähndrich. - Absenzen: Kablan (gesperrt) und Hediger (verletzt); Janko, Macek, Piccinocchi, Lavanchy und Da Costa (alle gesperrt). - Fraglich: Joss; - . - Statistik: Beim FC Thun, der vor nicht allzu langer Zeit dem FC Basel den 2. Platz streitig machte, geht nichts mehr. Die Treffsicheren vergeben Chancen, die Punkte kamen seit Mitte Februar nie mehr im Triopack. Elf Runden sind seither vergangen. Und jetzt kommt der FC Lugano nach Thun, der wie der letzte Gegner Xamax im Aufwind ist - gestärkt von zehn Spielen am Stück ohne Niederlage. Die letzten drei Direktbegegnungen in der Stockhorn Arena werden den Berner Oberländern auch nicht Mut machen. Sie holten daraus nur zwei Punkte.

Rangliste: 1. Young Boys 32/82 (85:30). 2. Basel 32/62 (61:39). 3. Lugano 32/41 (45:44). 4. Thun 32/40 (54:53). 5. Luzern 32/40 (47:54). 6. St. Gallen 32/39 (42:54). 7. Sion 32/37 (45:52). 8. Zürich 32/37 (37:47). 9. Neuchâtel Xamax FCS 32/36 (41:57). 10. Grasshoppers 32/24 (28:55).

Quelle: SDA
veröffentlicht: 11. Mai 2019 04:00
aktualisiert: 11. Mai 2019 07:14