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Tour de France

Grosser Sieg für Österreicher Patrick Konrad

13. Juli 2021, 20:03 Uhr
Der Österreicher Patrick Konrad feiert in der 16. Etappe der Tour de France solo seinen ersten Sieg auf höchster Ebene.
Patrick Konrad konnte es kaum glauben, dass er in Saint-Gaudens triumphierte
© KEYSTONE/AP/Daniel Cole

Er steht als erst dritter Österreicher zuoberst auf dem Podest einer Tour-Etappe und beschert seiner Nation damit einen seltenen Triumph.

Als Radsport-Nation ist Österreich nicht bekannt, grosse Erfolgserlebnisse kamen in der Vergangenheit entsprechend selten vor. Erst in den letzten Jahren gab es einen leichten Aufschwung. Zusammen mit Lukas Pöstlberger, Felix Grossschartner und Gregor Mühlberger gehört Patrick Konrad zur neuen Generation konkurrenzfähiger Österreicher.

Im Gegensatz zu seinen drei Landsmännern hatte der Berg- und Rundfahrtenspezialist Konrad bisher keinen Sieg vorweisen können. Dafür realisierte der 29-Jährige nun auf dem 169 km langen Teilstück von Andorra nach Saint-Gaudens den wichtigsten Triumph. 90 Jahre nach Max Bulla (drei Etappensiege) und 16 Jahre nach Georg Totschnig, der ebenfalls in den Pyrenäen einen Solosieg gefeiert hatte, jubelte mit Konrad wieder einmal ein Österreicher vom obersten Podest einer Tour-Etappe.

Mit der Brechstange

«Ich habe gewusst, ich habe die Beine, die Form und das Talent, dass ich so etwas gewinnen kann. Heute habe ich quasi das Glück etwas erzwungen und habe es mit der Brechstange versucht», freute sich Konrad nach dem «schönsten Tag meiner Karriere». Rund 35 km fuhr der Profi vom deutschen Team Bora-Hansgrohe alleine voraus. «Ich war ruhig und habe mir gesagt: ‹Patrick, du bist heute der, der gewinnt. Es geht gar nicht anders.› Nun habe ich es tatsächlich geschafft.»

Konrad schüttelte in der zweiten Pyrenäen-Etappe an der letzten relevanten Steigung hinauf zum Col d'Aspret-Sarrat seine letzten Konkurrenten ab. Im Ziel betrug sein Vorsprung auf die nach ihm klassierten Sonny Colbrelli aus Italien (2.) und Michael Matthews aus Australien (3.) 42 Sekunden.

Der Stärkste des Tages

Der Niederösterreicher, 2019 Dritter in der Gesamtwertung der Tour de Suisse und 2018 Siebter des Giro d'Italia, lieferte an der laufenden Frankreich-Rundfahrt nicht sein erstes Topresultat ab. Am Samstag war er in Quillan hinter dem Niederländer Bauke Mollema bereits Zweiter geworden.

Nun nutzte der zweifache österreichische Meister seine Chance, auch weil die Gruppe der Favoriten um Leader Tadej Pogacar die Ausreisser des Tages gewähren liess. Wobei Konrad, der klar stärkste Fahrer des Tages, zuerst gar nicht der Fluchtgruppe angehört hatte, dieser mit anderen Verfolgern zuerst nachsetzen musste und im Finale schliesslich allen davon fuhr.

Keine Angriffe auf das Leadertrikot

Die Konkurrenten von Leader Tadej Pogacar versuchten auf der ersten von drei Pyrenäen-Etappen in Folge erst gar nicht, den Träger des Gelben Trikots anzugreifen - wohl auch, weil der letzte bedeutende Anstieg über 30 km vor dem Ziel entfernt im Etappenplan stand und um bei den regnerischen Bedingungen kein Risiko einzugehen.

Pogacar verbrachte deshalb einen ruhigen Tag, im Ziel betrug der Rückstand der Favoritengruppe fast 14 Minuten. In der Gesamtwertung liegt der Slowene weiterhin 5:18 Minuten vor dem Kolumbianer Rigoberto Uran und 5:32 vor dem Dänen Jonas Vingegaard.

Am Mittwoch gibt es für Uran, Vingegaard und Co. aber keine Ausreden mehr. Im Finale der 178,4 km langen Etappe von Muret nach Saint-Lary-Soulan stehen zwei Steigungen der ersten Kategorie sowie der 16 km lange und durchschnittlich 8,7 Prozent steile Schlussanstieg der höchsten Kategorie auf den Col du Portet im Programm - gemäss Pogacar die schwierigste der noch verbleibenden fünf Etappen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 13. Juli 2021 20:00
aktualisiert: 13. Juli 2021 20:03