Sport

Haaland, die Brüder Bö und das Schachgenie - immer wieder Norwegen

31. Dezember 2019, 13:10 Uhr
Aktiv und passiv sportbegeistert: An Heimanlässen verwandeln sich die Sportanlagen in Pilgerstätten der Nation.
© KEYSTONE/EQ IMAGES/VALERIANO DI DOMENICO
Die Titelverteidigung im Blitzschach, ein Aufsehen erregender Transfer im Fussball und Sieg um Sieg im Wintersport: Norwegen ist im Sport ausgesprochen erfolgreich. Warum eigentlich?

Den 10. Januar hat sich Harald längst reserviert. «Der König ist während der Europameisterschaft im Männer-Handball anwesend, Nidaröhallen, Trondheim», heisst es im offiziellen Kalender des norwegischen Königshauses. Es wäre auch schwer vorstellbar, dass sich der Monarch als ausgewiesener Sportfreund dieses Grossereignis, das sein Land zusammen mit Österreich und Schweden ausrichtet, entgehen lässt. Der hohe - sozusagen majestätische - Stellenwert des Sports in der Gesellschaft ist ein Grund für die Erfolge des 5-Millionen-Einwohner-Ländchens auf der Weltbühne.

Norwegen, vor zwei Jahren an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang die Nummer 1 im Medaillenspiegel, beherrscht gerade wieder weite Teile des Wintersports. Johannes Klaebo und Therese Johaug bestimmen den Langlauf, bei der Tour de Ski sind sie die Favoriten. Die Bö-Brüder Johannes Thingnes und Tarjei stehen im Biathlon vorne. Jarl Magnus Riiber und Jörgen Graabak dominieren die Nordische Kombination, Maren Lundby liegt im Skispringen vorne, und Aleksander Kilde führt den Gesamtweltcup der Alpinen an.

«Mit Ski an den Füssen geboren»

Die tief in der Kultur verankerte Liebe zur Bewegung in der Natur ist eine der Zutaten des Erfolgsrezepts. «Wir werden mit Ski an den Füssen geboren», sagt die derzeit verletzte Skirennfahrerin Ragnhild Mowinckel.

Der Holmenkollen in Oslo gilt als eine Art Pilgerstätte der Nation. Wenn die nordischen Skisportler Ende März kommen und die Biathleten danach dort ihr Weltcup-Finale austragen, treten Tausende mit Würstchen in Thermoskannen als Proviant die U-Bahn-Fahrt den Berg hinauf an oder zelten gleich dort oben im Schnee. Und der König bittet die Sieger in seine Loge. «Trotz aller Ablenkungen, die unsere Zeit mit sich bringt, ist für die Norweger der Weg in die Natur noch immer wichtiger», sagt Norwegens österreichischer Langlauf-Trainer Alexander Stöckl.

Norwegen ist schon lange keine reine Wintersportnation mehr. Das Schach-Genie Magnus Carlsen sicherte sich am Samstagabend in Moskau zum dritten Mal den WM-Titel im Schnellschach, am Montag verteidigte er denjenigen im Blitzschach. Er ist damit die Nummer 1 in den drei gängigen Varianten des Spiels.

Mehr als Wintersport

Borussia Dortmund rühmt sich, in Erling Haaland den Kampf um «das zurzeit wahrscheinlich spannendste Mittelstürmer-Talent Europas» gewonnen zu haben. Real Madrids einstiges Wunderkind Martin Ödegaard hat sich bei Real Sociedad in San Sebastian so prächtig entwickelt, dass der Verein seine Fans am 28. Dezember mit einem vermeintlichen Wechsel zu Manchester City foppen konnte - das Datum entspricht in Spanien dem 1. April in hiesigen Kreisen.

Norwegische Ausnahmesportler schaffen ihren internationalen Durchbruch häufig besonders jung. Der Handball-Vizeweltmeister Sander Sagosen, der seit drei Jahren als zentrale Figur der Auswahl heraussticht, ist erst 24, Klaebo wie der 400-m-Hürden-Weltmeister Karsten Warholm 23, Haaland gar erst 19. Jakob Ingebrigtsen, der Anfang Dezember in Lissabon zum vierten Mal in Folge U20-Europameister geworden war, ebenfalls. Mit seinen Brüdern Henrik und Filip - alle drei waren schon Europameister auf den Mittelstrecken bei den Erwachsenen - genossen sie die Ehre, als Europäer mit Pacemaker-Aufgaben den Kenianer Eliud Kipchoge im Oktober in Wien zum ersten Marathon unter zwei Stunden zu geleiten.

Familiäre Strukturen als Grundlage des Erfolgs sind typisch in Norwegen. Die Ingebrigtsens werden von Vater Gjert trainiert. «Es ist eine Mischung aus Learning by Doing und Intuition. Wir haben unseren eigenen Plan und machen unser Ding. Ich kenne meine Jungs genau», sagt dieser.

Quelle: sda
veröffentlicht: 31. Dezember 2019 12:55
aktualisiert: 31. Dezember 2019 13:10