Anzeige

IOC bringt Toggenburger in Bredouille

Fabienne Engbers, 7. Februar 2018, 19:01 Uhr
Nachdem herausgefunden wurde, dass die Dopingkontrolle an den Olympischen Spielen ganz einfach manipuliert werden kann, muss eine Toggenburger Firma neue Doping-Fläschchen liefern. Die Produktion läuft noch.

Bei der Firma Berlinger im Toggenburg herrscht Stress. Vor zehn Tagen hat das Olympische Komitee entschieden, dass man aufgrund mangelhafter Sicherheit eine andere Variante der Doping-Fläschchen einsetzt. Die Fläschchen werden von der Berlinger AG in Ganterschwil produziert - die letzten Exemplare sollen diesen Freitag nach Südkorea verschickt werden - just zum Start der Olympischen Spiele.

Alte Flaschen mit Sicherheitsmangel

Die ARD hat vor einigen Tagen einen Hintergrundbericht zur Dopingkontrolle in Pyeongchang veröffentlicht. Laut diesem Bericht hätten einzelne der vorgesehen Fläschchen für Doping-Kontrollen des Modells «Geneva», die im Toggenburg hergestellt werden, nach einiger Zeit im Tiefkühler ganz einfach geöffnet werden können. So hätten Athleten ihre Doping-Kontrolle relativ einfach austauschen können.

Das Internationale Olympische Komitee IOC hat auf diesen Bericht reagiert und bei der Firma Berlinger neue Fläschchen bestellt. «Vor zehn Tagen hat das IOC entschieden, dass man zum Vorgängermodell <Bereg-Kit> zurückgeht und 4350 Kits (8700 Flaschen) davon für Pyeongchang bestellt», sagt Hans Klaus, Mediensprecher der Berlinger AG.

«Wir arbeiten unter Hochdruck»

Dieses Modell namens «Bereg-Kit», das unter anderem auch an den Sommerspielen in Rio eingesetzt wurde, musste von den Toggenburgern in Windeseile produziert werden. «Momentan machen wir die Flaschen sowohl an den dafür vorgesehenen Maschinen, als auch von Hand für den Versand bereit», sagt Besitzerin und Geschäftsführerin Andrea Berlinger. Normalerweise macht nur ein Roboter diese Arbeit. Dieser würde aber nicht mit allen Flaschen pünktlich fertig werden.

Inhaberin Andrea Berlinger präsentierte den Medien die Firma Berlinger, wo die Doping-Fläschchen für die Olympischen Spiele produziert werden. (Bild: FM1Today/Fabienne Engbers)

Erste Fläschchen wurden am Montag nach Südkorea verschickt. «Heute folgt eine zweite Sendung und am Freitag können wir hoffentlich die letzten Doping-Kits nach Pyeongchang entsenden», sagt Hans Klaus. «Die Produktion läuft auf Hochtouren. Stress ist der Vorname davon, was momentan läuft.» Das gesamte Team sei im Einsatz, um die Lieferung für Südkorea fertig zu bekommen.

«Wo gibt es schon hundertprozentige Sicherheit im Leben?»

Die neuen Fläschchen haben im Vergleich zu jenen, die in Rio zum Einsatz kamen, zusätzliche Sicherheitsmerkmale. Diese wurden in den vergangenen Tagen eingebaut. «Man kann jetzt genau feststellen, ob ein Fläschchen eine Fälschung ist, oder eben nicht. Wir haben alles in die Wege geleitet, um diese neue Produktion rechtzeitig auf den Markt zu bringen», sagt Andrea Berlinger.

Ob das neue Produkt den Sicherheitsansprüchen genügt, wird sich nach Pyeongchang zeigen. «Sicherheit im Leben, wo gibt es diese schon zu hundert Prozent? Wir sind davon überzeugt, dass wir ein gutes und sicheres Produkt an die Olympischen Spiele schicken», sagt die Firmen-Inhaberin. «Wir setzen uns ein für einen fairen Sport und tragen diesbezüglich auch die Verantwortung mit uns.» Letztlich liege es aber auch bei den Athleten und Nationen, sich im Sport fair zu verhalten.

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

«Es werden wieder Athleten gedopt sein»

Der Rheintaler Roland Rino Büchel, der im Sportausschuss des Europarates sitzt, ist sich sicher, dass auch in Pyeongchang wieder Athleten mit Dopingmitteln ihre Leistung verbessern. «Wichtig ist, dass die Firma Berlinger es schafft, ein Fläschchen ohne Sicherheitsmängel zu produzieren.» Anwälte und Athleten werden den Fakt ausnutzen, dass es vor den Spielen Probleme mit der Sicherheit der Proben gab.

Der SVP-Politiker ist trotzdem froh, wurde die Diskussion um die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Doping-Kontrollen aufgegriffen. «Die Spiele müssen so sicher sein wie möglich. Nun ist man sensibilisiert, das ist gut. Wenn aber Athleten, die gedopt haben, nun mit ihren Anwälten ein Schlupfloch finden, so ist das schlecht.» Dass wieder die alten Fläschchen in Pyeongchang zum Einsatz kommen, begrüsst der Rheintaler. Ihr Einsatz habe sich in der Vergangenheit bewährt.

Alte Flaschen noch im Einsatz

Auch wenn die ARD einen Bericht publizierte, laut dem das «Geneva»-Modell der Firma Berlinger grobe Mängel im Punkto Sicherheit aufweist, sind und bleiben diese weiterhin im Umlauf. «Wir haben davon bislang rund 60'000 Exemplare produziert und verkauft, schätzungsweise die Hälfte davon wurde bereits eingesetzt», sagt Hans Klaus. Nach dem IOC-Entscheid hat die Firma ihre eigenen Tests ausgesetzt, jedoch allen Sportverbänden angeboten, in einer grossen Umtausch-Aktion alte «Geneva»-Modelle gratis gegen die in PyeongChang eingesetzten «Bereg»-Kits umzutauschen.

Fabienne Engbers
veröffentlicht: 7. Februar 2018 15:10
aktualisiert: 7. Februar 2018 19:01