Lawine auf der Piste ist die Ausnahme

Praktikant FM1Today, 20. Februar 2019, 16:12 Uhr
Im Skigebiet von Crans-Montana hat eine Lawine eine offene Piste überrollt. «Das passiert äusserst selten», erklärt Kurt Winkler, Lawinenwarner am Institut für Schnee und Lawinenforschung in Davos. Von hundert Todesfällen auf der Piste passiert nur etwa einer aufgrund einer Lawine.

Am Dienstagnachmittag verschüttete eine Lawine auf einer geöffneten Piste mehrere Personen. Ein 34-jähriger Pistenpatrouilleur ist inzwischen im Spital verstorben. Jedoch seien Lawinen auf der Piste extrem selten, sagt Kurt Winkler, Lawinenwarner am Institut für Schnee und Lawinenforschung (SLF) in Davos. So könne der Schneesportler weiterhin unbeschwert Skifahren gehen. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass bald wieder ein Unglück wie in Crans-Montana passiere.

«Das Hinfahren ist gefährlicher als Lawinen auf der Piste»

«Das Hinfahren mit dem Auto ist gefährlicher als Lawinen auf der Piste», weiss Winkler. In den letzten zehn Jahren starb in der ganzen Schweiz nur eine Person, welche auf der Piste von einer Schneemasse überrollt wurde. Ausgenommen ist der aktuelle Fall im Skigebiet Crans-Montana. In der gleichen Zeit forderten Lawinen im freiem Gelände, also abseits der gesicherten Piste, über 200 Todesopfer.

Der Pistendienst sichert die Pisten und schützt dort die Winterfans vor Naturgefahren. Die Sicherung sei eine komplexe Angelegenheit und werde professionell gemacht, sagt Lawinenexperte Winkler. «Weil gute Arbeit geleistet wird, ist die Lawinengefahr auf der Piste entsprechend gering.» In den 1970er-Jahren gab es jährlich noch 15 Lawinenopfer auf offener Piste. Wer diese Zahl mit der heutigen vergleiche, stelle fest, dass der Pistendienst grosse Fortschritte gemacht habe, sagt Winkler. «Eine absolute Sicherheit gibt es aber nie.» Die meisten Schneesportunfälle auf den Pisten sind selbst verursachte Stürze (FM1Today berichtete).

Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass doch eine Lawine über die Piste gleitet, rät der Experte, ihr davon zu fahren. Das mache der Mensch meistens instinktiv. Sobald man in einer Lawine drin sei, könne man selber wenig machen, um sich aus dem Schnee zu befreien. Dann braucht es den Rettungsdienst.

Ein besonderer Lawinentyp

Seit mehr als einer Woche ist es aussergewöhnlich warm in der Schweiz, was wiederum grosse Auswirkungen auf die Schneesituation hat. «Momentan sind Nass- und Gleitschneelawinen keine Seltenheit», sagt Winkler. «Solche sind eine eher neue Erscheinung», sagt Carlo Danioth, Betriebsleiter Ost der Skiarena Andermatt-Sedrun, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Erst seit sechs, sieben Jahren spreche man von diesem Lawinen-Typ. Sie gehen vor allem an steilen, besonnten Hängen unterhalb von 2500 Metern ab. Die verehrende Lawine im Oberwallis gehört auch zu diesem Typ.

Gleitschneelawinen lösen sich, wenn die unterste Schicht der Schneedecke nass ist. Dann ist die Reibung entsprechend klein. Besonders am Typ sei, dass nicht Personen die Lawine in Bewegung setzten, sagt Winkler vom SLF. Dadurch rutschen diese Lawinen spontan los und können nicht gesprengt werden. Zudem ist die Art von Schneerutsch nur auf glattem Untergrund wie Gras oder Felsplatten möglich. Allerdings sind Unfälle mit Gleitschneelawinen relativ selten. In der Schweiz kommen über 90 Prozent der Opfer unter trockene Schneebrettlawinen.

Hinten im Bild sind typische Gleitschneelawinen erkennbar, die auf dem glatten Untergrund weggerutscht sind. (Archivbild: SLF)
Hinten im Bild sind typische Gleitschneelawinen erkennbar, die auf dem glatten Untergrund weggerutscht sind. (Archivbild: SLF)

Skibetrieb wie gewohnt

Am Flumserberg läuft der Betrieb wie gewohnt. «Es sind keine Zonen der Skipiste aufgrund von Lawinengefahr abgesperrt», teilt Katja Rupf, Leiterin Marketing bei den Bergbahnen Flumserberg, mit. Den ganzen Tag über sei der Sicherheitsverantwortliche im Gebiet unterwegs und beobachte die Schneesituation. Es gebe im Gebiet aktuell keine Stelle, die Sorgen bereite. Auch im Skigebiet Pizol gibt es momentan keine gefährlichen Hänge, welche den Pistenbetrieb beeinträchtigen könnten. «Aufgrund der Sonneneinstrahlung und der Höhenlage haben wir bei uns eine ganz andere Situation als in Crans-Montana», erklärt Geschäftsführer Klaus Nussbaumer. Gleitschneelawinen seien am Pizol im Augenblick kein Thema, eine hundertprozentige Sicherheit gebe es in den Bergen jedoch nie. Den Lawinentyp kenne man. In südseitig gelegenen Gebieten ausserhalb des Skigebiets seien auch schon Gleitschneelawinen niedergegangen, bestätigt Nussbaumer.

Auf der Ebenalp hat sich am Dienstag ebenfalls eine kleine Lawine gelöst. Sie ist direkt neben dem Skilift niedergegangen. Passiert ist dabei aber nichts und die Bergbahnen laufen zu den üblichen Uhrzeiten.

Praktikant FM1Today
Quelle: lou/SDA
veröffentlicht: 20. Februar 2019 15:56
aktualisiert: 20. Februar 2019 16:12