Marc Hirschi im WM-Favoritenkreis

21. September 2018, 08:18 Uhr
Der Berner Marc Hirschi, (rechts) nach dem U23-Bronzegewinn an der Strassen-EM 2017 im dänischen Herning
Der Berner Marc Hirschi, (rechts) nach dem U23-Bronzegewinn an der Strassen-EM 2017 im dänischen Herning
© KEYSTONE/EPA SCANPIX DENMARK/HENNING BAGGER
Marc Hirschi gehört zu den grössten Hoffnungen im Schweizer Radsport. Kurz vor der WM in Innsbruck unterschrieb der 20-jährige Berner mit dem Team Sunweb einen Profivertrag über drei Jahre.

Es sei noch nicht ganz klar, was sich abzeichne. Er habe relativ gute Allround-Qualitäten, sicherlich sei er aber kein Sprinter, sagt Marc Hirschi auf die Frage, zu welchem Fahrer-Typus er denn gehöre. Und der knapp 1,75 m grosse und rund 60 kg schwere Profi in spe präzisiert auf Nachfrage, dass es in Zukunft wohl «Richtung Puncher geht. Einer, der über relativ gute Fähigkeiten am Berg und auch über solide Fähigkeiten als Zeitfahrer verfügt. Schwere Eintagesklassiker und kleinere Rundfahrten sollten mir liegen.»

Schon 2017, in seiner ersten Saison nach dem Übertritt von den Junioren in die vier Jahrgänge umfassende U23-Kategorie, hatte Hirschi für Aufsehen und teils gute Resultate gesorgt, Heuer gelang dem jungen Berner, der wie Doppel-Olympiasieger und Classique-Spezialist Fabian Cancellara aus Ittigen stammt, eine grandiose Saison. «Er fuhr konstant auf hohem Niveau, hatte keinen Durchhänger», beschreibt es Nationaltrainer Danilo Hondo.

Hirschis Highlight waren dabei die U23-Europameisterschaften Mitte Juli im tschechischen Zlin, wo er im Strassenrennen die Goldmedaille gewann. Dabei hatte er in der entscheidenden Phase des Rennens einen Defekt und musste er auf ein - fremdes - Rennrad wechseln, weil nur der neutrale Materialwagen zur Stelle war. «Diese Geschichte machte den Sieg für mich noch spezieller», sagt Hirschi, der Ende August erst 20 Jahre alt geworden ist und im Sommer noch seine KV-Lehre bei der Schweizer Armee abgeschlossen hat.

Nicht zuletzt der EM-Triumph, bei welchem er den ihm eigenen «Killer-Instinkt» und «Gespür für den richtigen Moment» (Hondo) einmal mehr unter Beweis stellte, führte dazu, dass ihm schon für nächste Saison ein langfristiger Vertrag als Profi angeboten worden ist. «Zuvor war der Plan eher dahingehend gewesen, einen Vorvertrag für 2020 abzuschliessen. Dass ich nun aber schon ab nächster Saison Profi bin und mein Vertrag gleich über drei Jahre läuft, ist perfekt. Es ist ein Kindheitstraum, der wahr wird», so der U23-Europameister, der sein erstes Rennen auf der Strasse als 14-Jähriger absolvierte. Zuvor schon bestritt Hirschi Wettkämpfe auf dem Mountainbike.

Die Situation beim deutschen Team Sunweb, dessen bekanntester Fahrer der Niederländer Tom Dumoulin ist, schätzt Hirschi als ideal ein: «Sunweb ist als Team finanziell für relativ lange Zeit abgesichert. Die Teamführung plant langfristig, was uns jungen Fahrern sehr entgegenkommt. Uns wird ein langsamer Aufbau ohne Resultatdruck zugestanden.»

Hingegen wird in der kommenden WM-Woche in erster Linie das Resultat im Vordergrund stehen. Hirschis Form für Innsbruck, wo er sowohl im 27,8 km langen Einzelzeitfahren am Montag als auch im Strassenrennen am Freitag starten wird, stimmt. Am vergangenen Wochenende belegte der Berner in Italien bei der Coppa Agostoni, einem mit der coupierten WM-Strecke im Tirol vergleichbaren Eintagesrennen, mit geringem Rückstand den 8. Platz. Beim Sieg des bekannten Sky-Profis Gianni Moscon liess er sogar renommierte Fahrer wie den Franzosen Romain Bardet und den Italiener Damiano Caruso hinter sich. «Ich konnte zeigen, dass ich in Topform bin. Aber nicht nur ich, auch Gino Mäder und Patrick Müller sind es. Wir werden das Rennen aktiv mitgestalten», verspricht Hirschi.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 21. September 2018 08:00
aktualisiert: 21. September 2018 08:18