Medaille ist das Ziel

19. September 2018, 08:17 Uhr
Die Schweizer Equipenreiterin Janika Sprunger
Die Schweizer Equipenreiterin Janika Sprunger
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA
Die Schweizer Springreiter greifen heute Nachmittag an den Weltreiterspielen im amerikanischen Tryon ins Geschehen ein. Platz 6 mit der Equipe und die damit verbundene Olympia-Qualifikation für Tokio ist ein Muss, eine Medaille das angestrebte Ziel.

Der Wirbelsturm Florence hat sich aus dem Bundesstaat North Carolina verabschiedet und auch die Nebengeräusche um die Selektion der Schweizer Equipe sind verstummt. «Wir sind alle fit, das stärkstmögliche Team steht am Start, es herrscht Harmonie», sagte der Schweizer Equipenchef Andy Kistler. Der Seuzacher Werner Muff mit dem zehnjährigen Daimler war Anfang September in die WM-Equipe nachgerückt, nachdem er Mitte August bei seiner Nichtselektion für die Top 4 die Rolle als designierter Ersatzmann abgelehnt hatte. Der Muff vorgezogene Paul Estermann musste Lord Pepsi wegen einer leichten Sehnenverletzung zurückziehen. Ersatzreiter bleibt Arthur Gustavo da Silva mit Inonstop.

Steve Guerdat im Sattel von Bianca, Martin Fuchs mit dem wieder genesenen Clooney, Janika Sprunger auf Bacardi und Muff nehmen am Mittwochnachmittag Schweizer Zeit das Jagdspringen in Angriff. In dieser Prüfung wird ein Abwurf mit einem Zeitzuschlag statt mit vier Zählern abgegolten. Die Strafpunkte und somit ein erstes Zwischenklassement ergeben sich aus dem Rückstand auf den Sieger. Am Donnerstag und Freitag folgen die zwei Umgänge analog zu einem Nationenpreis, im Anschluss werden die Medaillen in der Team-Wertung übergeben. In jeder der drei Teilprüfungen fällt das Resultat des schlechtesten Reiters einer Nation aus dem Klassement - für die Einzelwertung hingegen gibt es kein Streichresultat.

Die Schweiz zählt auf dem Papier in einem ausgeglichenen Feld zu den Top-6-Nationen. Steve Guerdat, in dessen Stall mehrere für ein Championat würdige Pferde stehen, vertraut der Stute Bianca. «Bianca ist etwas mehr ein Naturtalent als Hannah», begründete der gebürtige Jurassier seinen Entscheid. In Top-Form seien die beiden Pferde ebenbürtig, aber Bianca würde eher einen Fehler des Reiters verzeihen. «Bei einem Championat zählen die Medaillen, diesmal möchte ich es packen», sagte der 36-jährige Olympiasieger, in dessen hochkarätigem Palmarès eine Medaille von Weltmeisterschaften noch fehlt. «Einmal waren die Reiter stark, aber die Pferde schwach. Ein anderes Mal waren die Pferde stark, aber wir ritten schlecht. Diesmal haben wir beides: starke Pferde und starke Reiter.»

Der erst 26-jährige Martin Fuchs ist seit ein paar Jahren neben Guerdat die tragende Team-Stütze. Er kann wieder auf seinem Top-Pferd Clooney reiten. Der Schimmel kam noch rechtzeitig zur den Titelkämpfen in Form, nachdem im April eine Kolik einen operativen Eingriff notwendig machte. Familienintern will er zum 1:1 ausgleichen. Sein Vater Thomas, als Coach in Tryon vor Ort, ritt 1994 in Den Haag bei der bisher einzigen WM-Medaille der Springreiter für die Equipe (Bronze). Fuchs kehrt - wie schon in den Jugendjahren - selten medaillenlos von einem Championat zurück. An den Europameisterschaften 2015 und 2017 hatte er sich mit der Mannschaft die Bronzemedaille umhängen lassen.

Janika Sprunger meldet wieder Ambitionen auf höchstem Niveau an. Der Hengst Bacardi ist für Nachfolge der Stute Bonne Chance bereit. An den Nationenpreisen in Rom und in Rotterdam blieb Sprunger in insgesamt vier Umgängen ohne Fehlerpunkte und sicherte sich so das Ticket für Tryon. Die Leistung der 31-Jährigen verdient Respekt, denn Sprunger war Ende April beim Nationenpreis-Auftakt im ungarischen Samorin auf dem Abreitplatz schwer gestürzt. Sie verlor kurz das Bewusstsein und musste zur Untersuchung ins Spital gebracht werden, wo eine Gehirnerschütterung diagnostiziert wurde.

Weil an den alle vier Jahre ausgetragenen Weltmeisterschaften bereits die erste Tranche der Olympia-Tickets vergeben wird, erhält neben den Medaillen auch eine Top-6-Klassierung mit der Equipe einen besonderen Wert. Für die Nicht-Selektionierten Europas beginnt 2019 das grosse Zittern, weil der Druck für die EM im kommenden Jahr in Rotterdam zunimmt. Die Schweiz musste 2015 in Aachen diesen Weg gehen und holte nach einem miserablen Start in einem Hitchcock-Finale die Olympia-Qualifikation plus eine Medaille.

Am Sonntag wird zum Abschluss der Weltreiterspiele in den Umgängen 4 und 5 noch der Weltmeister erkoren - die Strafpunkte aus der Teamwertung werden mitgenommen. Die Top 25 nach dem Mannschafts-Wettkampf treten an, ins Finale schafft es noch ein Dutzend. Der Vierer-Final mit Pferdewechsel wurde abgeschafft.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 19. September 2018 05:45
aktualisiert: 19. September 2018 08:17