Mit Rückenwind ins Olympia-Abenteuer

Fabienne Engbers, 16. Dezember 2016, 06:06 Uhr
Schon vor vier Jahren fasste die Ostschweizerin Livia Naef das Ziel Olympische Spiele ins Auge. Damals musste sie den Traum lange Zeit vor Rio wieder beerdigen. Nun startet die Seglerin einen zweiten Anlauf mit einer neuen Partnerin. Der Wille ist da, jetzt fehlt nur noch der Wind - und ein Batzen Geld.

17'000 Franken sollen durch ein Crowdfunding-Projekt auf wemakeit zusammen kommen. Damit wollen die Egnacherin Livia Naef und ihre Zürcher Segelpartnerin Nelia Puhze, die gemeinsam unter LINE Sailing auftreten, gemeinsam nach Neuseeland reisen. Dort weht der Wind, den die Seglerinnen auf den Schweizer Seen nicht haben. Bis jetzt sind knapp 10'000 Franken zusammen gekommen. Sechs Tage dauert das Projekt noch.

In der Schweiz ist es windstill und saukalt

Normalerweise trainieren die Schweizerinnen auf dem Boden- oder auf dem Zürichsee mit ihrem eigenen 49er FX, einem speziellen Segelboot. «Im Moment ist es hier einfach sehr sehr kalt und es ist oft praktisch windstill», sagt Livia Naef. Deshalb packt die 26-Jährige Ende Januar ihre Koffer und reist mit ihrer Partnerin für drei Monate nach Neuseeland, ans andere Ende der Welt, wo es zurzeit sommerlich warm ist.

Die Reise bedeutet einen grossen Aufwand

Die beiden scheuen mit ihrer Reise keine Kosten und Mühen. «Das Crowdfunding-Projekt deckt gerade mal einen Drittel unserer Kosten, den Rest bezahlen wir aus dem eigenen Sack», sagt Livia Naef. Die 17'000 Franken brauchen sie unter anderem für einen Coach, der sie trainiert, ihre Miete, den Flug und ein wenig zu essen. «Wir kennen einige Leute in Neuseeland, deshalb wollen wir genau dahin», sagt die passionierte Seglerin. Mit acht Jahren erlernte sie das Segeln, da sie direkt am Bodensee aufgewachsen ist.

«Da kommt noch Einiges auf uns zu»

Die Reise nach Neuseeland ist für die Schweizerinnen ein erster grosser Schritt Richtung Olympische Spiele. «Danach kommt aber noch viel mehr auf uns zu, nicht nur trainingsmässig sondern auch finanziell. Deshalb gehen wir jetzt auf Sponsorensuche, was im Segelsport nicht ganz einfach ist», sagt die Ostschweizerin. Sie und ihre Trainingspartnerin arbeiten hart und opfern viel, damit sie an die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo reisen können. Livia Naef hat ihren Job gekündigt, es gibt für sie keinen Plan B. «Wir geben Vollgas. Immerhin wollen wir nicht einfach nur an die Olympischen Spiele, sondern dort für die Schweiz auch etwas erreichen.»

Die 26-jährige Egnacherin Livia Naef ist direkt am Bodensee aufgewachsen. Sie segelt seit sie acht ist. zVg
Die 26-jährige Egnacherin Livia Naef ist direkt am Bodensee aufgewachsen. Sie segelt seit sie acht ist. zVg
© Die 26-jährige Egnacherin Livia Naef ist direkt am Bodensee aufgewachsen. Sie segelt seit sie acht ist. zVg

Nicht das erste «Olympia-Abenteuer»

Bereits vor vier Jahren wollte sich Livia Naef, damals mit einer anderen Partnerin, für die Olympischen Spiele in Rio qualifizieren. Damals scheiterte der Versuch bereits in der Vorbereitung. Die Vorstellung davon, wie man sich auf die Olympischen Spiele vorbereiten wollte, waren zu verschieden, schreiben die damaligen Trainingspartnerinnen auf ihrem Blog.  «Viele Leute haben mich gefragt: 'Ist das nicht hart, der Traum, der damit geplatzt ist?' Ich dachte mir, es gibt noch andere Dinge im Leben, ich habe mich dann auch ins Arbeitsleben gestürzt. Als ich aber im Sommer die Olympischen Spiele geschaut habe, hat es mich wieder gepackt», sagt Livia Naef. Mit ihrer neuen Partnerin Nelia Puhze greift die Ostschweizerin nun nochmals an. «Wenn, dann musste ich mich jetzt nochmals verpflichten, danach bin ich irgendwann zu alt. Deshalb packen wir jetzt diese Chance», sagt Livia Naef.

Wenn man das Boot nicht steuert, kippt es um

Das Boot, mit dem die Partnerinnen segeln, der 49er FX, ist anspruchsvoll. «Man braucht etwa ein Jahr Training, bis man nur mal das Boot beherrscht», sagt Livia Naef. «Wenn man darauf nicht balanciert, kippt das Boot um, es steht nicht von allein im Wasser.» Auf ihre jetzige Partnerin ist Livia Naef gestossen, nachdem sie geschaut hat, wer ihr Boot gekauft hat, mit dem sie für die letzten Olympischen Spiele trainiert hatte. In Neuseeland trainieren die beiden vor allem Grundlagen. Erst danach können Taktik und Zusammenspiel im Detail ausgearbeitet werden. «Wenn man dieses hohe internationale Niveau erreichen will, dann braucht es riesen Einsatz und mann muss alles investieren», sagt die Ostschweizer Seglerin. Sie ist bereit das zu tun. Was jetzt noch fehlt, ist die finanzielle Unterstützung.

Fabienne Engbers
veröffentlicht: 16. Dezember 2016 06:06
aktualisiert: 16. Dezember 2016 06:06