Formel 1

Honda lässt die Roten Bullen träumen

12. Oktober 2019, 09:40 Uhr
Die Partnerschaft von Honda mit McLaren verkam zur Farce
Die Partnerschaft von Honda mit McLaren verkam zur Farce
© KEYSTONE/EPA MCLAREN HONDA/STEVEN TEE/HANDOUT
Honda lässt als Motorenlieferant in der Formel 1 die schlimme Zeit hinter sich. Die Japaner sind nach langem Anlauf wieder ein verlässlicher Partner.

Als Autohersteller verspricht der Honda-Konzern seinen Kunden Traumhaftes. Die Fahrzeuge des Unternehmens mit Hauptsitz in Tokio sollen "the power of dreams" in sich haben. So jedenfalls will es die Werbung vermitteln. Wie sehr der Slogan den Geschäftsgang beeinflusst, bleibe dahingestellt. Schwankungen in den Verkaufs- und Umsatzzahlen vermag auf jeden Fall auch er nicht zu verhindern.

Die Statistik der letzten 15 Jahre offenbart die Wellenbewegungen bei den Absätzen. Die Spannbreite ist enorm. Sie pendelt zwischen knapp 3 Millionen verkauften Autos und 5,3 Millionen, die gemäss Prognose im laufenden, bis März 2020 dauernden Geschäftsjahr verkauft sein werden.

Die im Vergleich zum Vorjahr gestiegenen Absatzzahlen und die erwarteten höheren Erträge passen zur positiven Entwicklung der Rennsportabteilung, die als Motorenlieferantin in der Formel 1 wieder zum bewährten Partner geworden ist. Den Glanz früherer Tage, als der von Honda gebaute Antrieb Garant für Grand-Prix-Siege und WM-Titel und in den Achtziger- und Neunzigerjahren entscheidender Faktor für die Erfolge der Teams Williams und McLaren war, haben die Japaner zwar noch nicht wieder erlangt. Doch die Richtung stimmt. Blamage, Hohn und Spott sind nicht mehr. Die Zeiten, als sich Honda im Verbund mit der Equipe von McLaren der Lächerlichkeit preisgegeben hat, gehören der Vergangenheit an.

Bleibende Verwunderung

Zurückbleiben wird die Verwunderung über das klägliche Scheitern in den drei gemeinsamen Jahren mit den Briten. Die im Dunstkreis der Formel 1 diskutierten Fragen nach den Gründen blieben unbeantwortet. Ausgerechnet Honda, bei dem in der Fertigung ziviler Autos seit der Firmengründung im Jahr 1948 Innovation gross geschrieben wird und das bei der Entwicklung von Hybrid-Motoren eine Vorreiter-Rolle eingenommen hat, hatte versagt. Diese Erfahrungswerte, so glaubten die Ingenieure offenbar, sollten auch beim Bau des Motors für Formel-1-Wagen Vorteile bringen. Sie waren auf dem Holzweg. Die Erkenntnis, dass der Technologie-Transfer nur in die eine Richtung spielt, kam zu spät. Die im Rennsport gewonnenen Erfahrungen können sehr wohl bei der Produktion von Privatautos hilfreich sein - jedoch nicht umgekehrt.

Aufgeben war trotz des kolossalen Scheiterns mit McLaren keine Option. Sich als blossgestellter Ausrüster aus der Formel 1 zu verabschieden, kam für die im Stolz verletzten Japaner nicht in Frage. Der Image-Schaden, der wohl auch Auswirkungen aufs Kerngebiet des Unternehmens gehabt hätte, wäre zu schmerzvoll gewesen. Der Entscheid zum Verbleib zahlte sich aus. Honda fand als Partner von Red Bull und Toro Rosso in die Spur zurück.

Um den Scherbenhaufen wegzuräumen, wurden neue Wege beschritten. Die Techniker waren sich nicht zu schade, sich und ihr Schaffen zu hinterfragen. Entsprechend minutiös gingen sie vor. Jedes noch so kleine Detail wurde begutachtet, es wurden viele Abläufe verändert und ein Grossteil der Strukturen angepasst. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, um Versäumnisse nachzuholen und Fehleinschätzungen auszumerzen - Mängel, die (auch) dem Zeitpunkt der Rückkehr in die Formel 1 geschuldet waren. Das Engagement von Honda als Partner von McLaren hatte in der Saison 2015 begonnen, ein Jahr nach dem Beginn der Ära mit den Turbo-Hybrid-Motoren. Dass deshalb im Vergleich zur Konkurrenz Erfahrungswerte fehlten, leuchtet ein. Und dass das Manko nicht innert nützlicher Frist behoben werden konnte, ebenso.

Erweiterter Horizont

Die Techniker von Honda haben ihren Horizont Schritt für Schritt erweitert. Sie verstehen nunmehr den komplexen, aus sechs Hauptteilen bestehenden Antriebsstrang - auch deshalb, weil sie den Begebenheiten der Formel 1 mehr Beachtung geschenkt haben. Zu Beginn der Zusammenarbeit mit Toro Rosso in der vergangenen Saison hatten sie die Haltbarkeit des Aggregats ins Zentrum gestellt und sich erst danach auf die Steigerung der PS-Zahl fokussiert. Durch die hohe Kilometer-Leistung der Aggregate konnten sie Daten in grossen Mengen sammeln. Diese Werte bilden die Grundlage bei der Weiterentwicklung des Motors und sind somit einer der Eckpfeiler des steten Fortschritts.

Von den Fortschritten ihres Zulieferers sind die Kundenteams Red Bull und Toro Rosso angetan. Die Zusammenarbeit beruht auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt. Das Miteinander ist geprägt durch konstruktive Gespräche und nicht mehr überschattet von Schuldzuweisungen. Vorab die erste Equipe der Roten Bullen kann nach dem zuletzt von Querelen begleiteten Bündnis mit Renault wieder in anderen Dimensionen denken, den Gewinn von Weltmeistertiteln eingeschlossen.

"The power of dreams" ist auch in der Formel 1 angekommen. Träumen ist wieder erlaubt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 12. Oktober 2019 08:45
aktualisiert: 12. Oktober 2019 09:40