Tom Lüthi vor Moto2-Saison topmotiviert

26. Februar 2019, 09:55 Uhr
Tom Lüthi startet topmotiviert in die neue Saison, in der er wieder in der Moto2-Klasse antreten wird
Tom Lüthi startet topmotiviert in die neue Saison, in der er wieder in der Moto2-Klasse antreten wird
© KEYSTONE/MARCEL BIERI
Am Mittwoch fliegt Tom Lüthi topmotiviert nach Doha, wo am 10. März mit dem Grand Prix von Katar in Losail das erste Saisonrennen stattfindet.

Vor der Abreise blickt der wieder in der Moto2-Klasse startende 32-jährige Emmentaler im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA auf seine 18. GP-Saison voraus.

Tom Lüthi, Sie kehren in die Moto2-Kategorie zurück. Ist das Thema MotoGP damit abgehakt?

«Die letzte Saison schon, definitiv. Die MotoGP bleibt zwar immer ein Thema, aber jetzt liegt mein Fokus voll auf der Moto2-Saison.»

Sie gewannen 2018 keinen WM-Punkt. Was hat Ihnen die MotoGP-Saison gebracht?

«Fahrerisch nichts - ausser, dass ich Erfahrungen mit der Elektronik sammeln konnte. Im Nachhinein aber doch auch viel, weil ich vor allem betreffend Organisation und Team-Zusammenarbeit sehr viel lernen konnte. Unter dem Strich war das vergangene Jahr sehr bitter und hart.»

Ist die Rückkehr in die Moto2 ein Rückschritt?

«Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Mein MotoGP-Team ist Ende Saison praktisch auseinandergefallen. Darauf möchte ich aber nicht mehr näher eingehen. Jetzt bin ich in einem Team, das in allen Belangen top ist. Ich war noch selten zuvor so motiviert wie jetzt. Und alle Leute im Team sind es auch. Es macht einfach wieder richtig Spass.»

Müssen Sie finanzielle Abstriche machen?

«Über Geld rede ich nicht gerne. Nur so viel: Mein Gehalt hängt auch von Erfolgsprämien ab. Und da kann ich erst Ende Saison abrechnen.»

Sie sind 2019 nach eigenen Angaben so breit und professionell aufgestellt wie noch nie. Waren Sie bisher unprofessionell aufgestellt?

«Nein, überhaupt nicht. Aber im Hinblick auf diese Saison habe ich die Zusammenarbeit mit meinem Fitnesscoach Roman Blaser, meinem Mental-Trainer Jörg Wetzel sowie meinem 'Riding-Coach' Alvaro Molina, der an jedem Rennen dabei sein wird, einfach extrem intensiviert.»

Nach dem WM-Titel 2005 in der 125er-Klasse beendeten Sie nur noch zweimal eine Saison auf dem Podest, als Zweiter 2016 und 2017. Mit welchen Ambitionen steigen Sie am 10. März in die neue Saison?

«Mit sehr grossen. Wir wollen schon vom ersten Rennen an vorne mitmischen. Wir sind analytisch sehr gut vorbereitet. Die Richtung stimmt.»

Wer sind Ihre grössten Titel-Rivalen?

«Es gibt sicher rund ein Dutzend Fahrer, die einen Grand Prix gewinnen können. In der Moto2-Kategorie sind die Abstände sehr gering. Am Ende entscheidet aber die Konstanz. Zu den Favoriten gehören für mich Luca Marini, Sam Lowes, Brad Binder, Alex Marquez und Lorenzo Baldassarri.»

Letzte Woche bei den Testfahrten in Jerez zeigte sich, dass die neuen Moto2-Maschinen deutlich schneller geworden sind. Warum?

«Das hing sicher nicht nur mit dem neuen Belag in Jerez zusammen. Bis letzte Saison wurde in der Moto2 mit einheitlichen 600-ccm-Vierzylinder-Motoren von Honda gefahren. Neu sind es 765-ccm-Dreizylinder-Motoren von Triumph. Und die haben viel mehr Power. Es wird wohl bei jedem Rennen Rundenrekorde geben.»

Sie haben bisher in 265 GP-Rennen 57 Podestplätze mit 16 Siegen herausgefahren. Ihr Teamkollege Marcel Schrötter stand in 147 Rennen erst einmal auf dem Podest. Wer ist die Nummer eins im Team?

«Es gibt keine Nummer eins. Marcel und ich fuhren schon früher einmal im gleichen Team, wenn auch nicht in der gleichen Klasse. Wir verstehen uns hervorragend und können uns gegenseitig richtig pushen.»

Sie waren lange mit Fabienne Kropf, der heutigen Ehefrau von Eishockey-Star Mark Streit, liiert. Gibt es eine neue Frau in Ihrem Leben?

«Nein, ich bin Single und konzentriere mich voll auf meinen Sport.»

2005 wurde Sie nach ihrem Weltmeister-Titel zum Sportler des Jahres vor Roger Federer gewählt. Ihre Popularität in der Bevölkerung hat seither kaum abgenommen. Worauf führen Sie das zurück?

«Dass ist in meinem Leben offenbar doch einiges richtig gemacht habe, dass mir als Kind von meinem Elternhaus sehr viel Positives mitgegeben wurde, und dass ich immer bodenständig und authentisch geblieben bin.»

Im September werden Sie 33 Jahre alt. Wie lange wollen Sie auf diesem Niveau noch Rennen fahren?

«An Rücktritt denke ich überhaupt nicht. Zurzeit bin ich derart motiviert, dass ich mir gut vorstellen kann, noch einige Jahre Rennfahrer zu bleiben.»

Quelle: SDA
veröffentlicht: 26. Februar 2019 09:41
aktualisiert: 26. Februar 2019 09:55