Niemand will mehr snowboarden

Laurien Gschwend, 6. Januar 2017, 06:32 Uhr
In Arosa wird das Snowboard immer unbeliebter. (Archiv)
In Arosa wird das Snowboard immer unbeliebter. (Archiv)
© KEYSTONE/Alessandro Della Bella
Der erste richtige Schnee ist gefallen und das FM1-Land ist im Wintersport-Wahn. Doch was liegt in dieser Saison im Trend? Die Ergebnisse überraschen.

«Im Vergleich zur letzten Saison haben wir heuer 50 Prozent weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Snowboardunterricht», sagt Noldi Heiz, Leiter der Schweizer Ski- und Snowboardschule Arosa. Im Gesamtvolumen des Angebots mache der Snowboardunterricht noch sechs bis neun Prozent aus. «Im Jahr 2000 war die Spitzenzeit der Snowboarder. Damals dachte ich, es gebe irgendwann keine Skifahrer mehr», blickt Heiz zurück. Seit 16 Jahren gehe dieser Trend deutlich zurück.

Personal muss Zusatzausbildung absolvieren

In dieser Woche, so Noldi Heiz, gehen rund 500 Kinder zur Skischule und 40 zur Snowboardschule. Alle Lehrpersonen, welche die Wintersportschule ursprünglich für den Snowboardunterricht angestellt hatte, mussten eine Zusatzausbildung absolvieren, um den Schülerinnen und Schülern zusätzlich das Skifahren beibringen zu können. «Wenn Bewerberinnen und Bewerber mir schreiben, dass sie ausschliesslich Snowboard unterrichten wollen, muss ich sie leider enttäuschen», erklärt Noldi Heiz, «das macht die Personalrekrutierung zur Herausforderung.»

Ein Drittel mehr Schneeschuhläufer

Nicht nur das Skifahren liegt im Trend. So sind in der Ostschweiz und Graubünden immer häufiger Schneeschuhläufer anzutreffen. Noldi Heiz beobachtet diese Bewegung ebenfalls. «Ich denke, Schneeschuhwanderungen sind eine gute Möglichkeit, in den Wintersport einzusteigen.» Andreas Wyss, Leiter Verkauf bei der Kronberg Luftseilbahn AG, schätzt, dass es in seiner Region einen Drittel mehr Schneeschuhläufer gibt als noch vor fünf Jahren. Das Angebot an Schneeschuhen wurde vor zwei Jahren auf eine Anzahl von 40 verdoppelt.

Kurs absolvieren oder selber losziehen

«Auch sehr viel junge Menschen haben Lust, die Schneeschuhe anzuschnallen und damit auf eine Wanderung zu gehen», weiss Wyss. Wintersportler von 25 bis 60 Jahren mieten bei der Kronbergbahn Schneeschuhe. Wer will, kann zuerst einen Einsteigerkurs absolvieren, bei dem man verschiedene Techniken und den Umgang mit Gefahren kennenlernt. «Andere ziehen selber los.» Das Lawinenrisiko sei in der Kronbergregion äusserst gering.

Schneeschuhlaufen auf dem Kronberg © zvg
Schneeschuhlaufen auf dem Kronberg © zvg

Dieses Jahr findet gemäss Andreas Wyss ein Schneeschuh-Jubiläum statt. «Vor 30 Jahren zogen die ersten Schneeschuhläufer durch das Appenzellerland», erklärt der Verkaufsleiter der Kronbergbahn. Deshalb feiere man am 21. Januar ein Schneeschuhfest, bei dem man gemeinsam mit Prominenten eine Wanderung unternehmen könne.

Schneeschuhe und Airboards auf dem Pizol

Jürg Vollmer, Leiter Kommunikation der Pizolbahnen AG, ist ebenfalls überzeugt, dass das Schneeschuhlaufen ein absoluter Trend ist. «Viele Junge lernen das Skifahren heute nicht mehr und können sich dank Schneeschuhen ebenfalls im Berggebiet bewegen.» Es gebe rund um den Pizol auch Trails, die nicht so steil seien.

Gestern Donnerstag öffnete auf dem Pizol die sieben Kilometer lange Schlittelbahn. «Das Schlitteln ist nach wie vor beliebt», sagt Vollmer. Ein aufkommender Trend seien zudem Airboards, die man bei den Pizolbahnen mieten könne. Mit ihnen sei es möglich, auch den Tiefschnee unsicher zu machen. «Sie eignen sich für Personen, die das Abenteuer suchen und nicht 'nur' die konventionelle Schlittelpiste runtersausen möchten.»

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 6. Januar 2017 06:28
aktualisiert: 6. Januar 2017 06:32