Rudern

Ruderer dank neuen Herausforderungen für EM gerüstet

9. April 2021, 09:25 Uhr
Jeannine Gmelin darf sich berechtigte Hoffnungen auf eine EM-Medaille machen
© KEYSTONE/URS FLUEELER
Das aus sieben Booten bestehende Schweizer Team strebt an den Ruder-Europameisterschaften in Varese mindestens eine Medaille an.

Im vergangenen Jahr lieferten die Europameisterschaften im Oktober in Poznan den einzigen internationalen Vergleich für die Schweizer Ruderinnen und Ruderer. Roman Röösli und Barnabé Delarze gewannen im Doppelzweier ebenso Silber wie Sofia Meakin im nicht-olympischen Leichtgewichts-Einer.

Letztmals sind die Schweizer 2012 ohne Podestplatz von den nach einem Unterbruch seit 2007 wieder jährlich durchgeführten kontinentalen Titelkämpfen zurückkehrt, als die EM zum ersten Mal in Varese stattfand, und einzig Dimitri Weitnauer im Skiff (10.) für Swiss Rowing an den Start ging. Diesmal wäre ein «Nuller» in Norditalien eine Enttäuschung.

Die Trainercrew um Headcoach Edouard Blanc nutzte das schwierige letzte Jahr, in dem sie Anpassungen in der Planung vornahm. «Es war wichtig, nicht einfach wie normal weiterzufahren, sondern neue Herausforderungen zu setzen», sagt Blanc. Von März bis August wurden in einer Testphase einmal pro Woche individuelle Massnahmen eingebaut, die nun fixer Bestandteil der Trainingsplanung sind - 15 von 17 Athleten erzielten auf dem Ruder-Ergometer eine persönliche Bestzeit.

Sarnersee statt Italien

Eine weitere Änderung war, dass im Januar mehr als sonst gerudert wurde, um die gute physische Entwicklung umzusetzen. Eigentlich war ein Trainingslager in Italien geplant, stattdessen wurde das Ganze auf dem Sarnersee durchgeführt, der Trainingsbasis der Schweizer. Im Februar war dann ein beinahe dreiwöchiges Camp in Gavirate in der Provinz Varese möglich.

«Es war für die Athleten zu Beginn mental schwierig», so Blanc. «Das zusätzliche Jahr bedeutet, viel Geduld haben zu müssen. Die Gruppe hat allerdings sehr gut reagiert und rasch wieder die Olympischen Spiele ins Auge gefasst.» Verbandsdirektor Christian Stofer ergänzt: «Flexibel und entspannt zu bleiben, ist in der aktuellen Zeit sehr hilfreich.»

Die Planung ist selbstredend ganz auf Tokio ausgerichtet, die EM stellt jedoch eine wichtige Standortbestimmung dar, umso mehr aufgrund des praktisch wettkampffreien vergangenen Jahres. «Es ist relativ schwierig zu sagen, wie wir zu den anderen Booten stehen», sagt Röösli. «Immerhin haben wir ein paar Anhaltspunkte von der EM. Physisch sind wir sicher auf einem sehr guten Stand, in den Trials erreichten wir eine gute Geschwindigkeit, insofern sind wir sicher auf einem guten Weg.»

Röösli war in den letzten Jahren ein Erfolgsgarant, von den letzten vier Europameisterschaften kehrte er jeweils mit einer Medaille zurück, 2017 (3.), 2019 (2.) und 2020 (2.) stand er zusammen mit Delarze auf dem Podest, mit dem er 2018 auch WM-Silber gewann. Dass in Varese strenge Schutzbestimmungen gelten, sich der Bewegungsradius auf das Hotel und den Regattaplatz beschränkt, ist für Röösli kein Problem. «Wir halten uns auch sonst an einem Wettkampf praktisch nur in diesen beiden Bereichen auf, von daher ist es keine grosse Einschränkung. Abgesehen davon bin ich einfach mega mega froh, dass Rennen durchgeführt werden.»

Gmelins Zuversicht

Nebst dem Doppelzweier kann sich Jeannine Gmelin berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille machen. Eine solche hatte sie im vergangenen Jahr als Fünfte verpasst, nun will sie diese «Scharte» unbedingt auswetzen. «Die Testergebnisse zeigen, dass ich eine gute Form habe», gibt sich die Weltmeisterin von 2017 zuversichtlich.

Gmelin verbrachte den Winter erstmals seit langem in der Schweiz. Zwar ruderte sie nicht so viel, wie wenn sie irgendwo in der Sonne gewesen wäre, sie konnte aber gut auf Alternativtraining wie Langlaufen ausweichen. «Ich mag den Winter, es war für mich eine willkommene Abwechslung», führt Gmelin aus.

Gespannt sein darf man auf den Auftritt des Vierer ohne Steuermann, der sich wie der Doppelzweier und Gmelin einen Startplatz an den Olympischen Spielen gesichert hat. Schlagmann ist neu der im vergangenen Jahr von einem Studienaufenthalt in den USA zurückgekehrte Andrin Gulich. Das Quartett legte den Fokus darauf, konstanter zu sein. «Wir sind diesbezüglich noch nicht ganz dort, wo wir sein wollen, aber es ist besser geworden», sagt Markus Kessler, mit Jahrgang 1992 der Oldie im Team. Das Ziel sei sicher der A-Final (die besten sechs).

Nicht am Start sein wird der Leichtgewichts-Doppelzweier Patricia Merz/Frédérique Rol aufgrund einer Verletzung von Rol. Die beiden gewannen 2018 und 2019 jeweils EM-Bronze. Nun ordnet das Duo alles dem Ziel unter, im Mai auf dem Rotsee noch einen Olympia-Quotenplatz zu holen. Bei Meakin wird sich zeigen, wie sich ihre Corona-Erkrankung auswirkt, jedenfalls fühlt sie sich gut.

Quelle: sda
veröffentlicht: 9. April 2021 09:10
aktualisiert: 9. April 2021 09:25