Saisonstart bei Nebel und Schnee

27. Oktober 2018, 10:43 Uhr
Ob der Slalom überhaupt stattfindet war eine Zitterpartie.
Ob der Slalom überhaupt stattfindet war eine Zitterpartie.
© APA/BARBARA GINDL
Grosses Aufgebot, nicht allzu grosse Erwartungen: 17 Athleten schickt Swiss-Ski beim Weltcupprolog in Sölden auf die Piste. Verfolge den Riesenslalom der Frauen hier im Liveticker.

Er habe ein gutes Gefühl, sagte Tom Stauffer, der Cheftrainer der Männer, gegen Ende der Saisonvorbereitung. Unkompliziert war der warme Sommer allerdings nicht. Die hohen Temperaturen zwangen zum Improvisieren, zum Beispiel mussten die Schweizer einen geplanten Abstecher nach Norwegen kurzfristig absagen. «Der Gletscher ist weggeschmolzen», so Stauffer. Ohnehin sei auf vielen Gletschern lange kein Schnee gefallen. Als es schliesslich schneite, waren die Bedingungen zu weich.

Ungeachtet der klimabedingten Herausforderungen ist Stauffer überzeugt, dass seine Schützlinge an die starke letzte Saison anknüpfen können. In Sölden sind die Erwartungen indes nicht allzu hoch. Mit Justin Murisier fällt der beste Schweizer Riesenslalom-Fahrer wegen eines Ende August zugezogenen Kreuzbandrisses die ganze Saison aus, schon zum dritten Mal in seiner Karriere. Gefragt sind deshalb bei den Männern vor allem Loïc Meillard und Marco Odermatt, zwei der grössten Talente im Feld.

Höchste Erwartung an Meillard

Murisier, der dem Weltcup-Podest in der Vorsaison sehr nahe gekommen ist und die Disziplinenwertung im 7. Rang beendete, wäre die Schweizer Nummer 1 in der Kerndisziplin. Loïc Meillard war in der letzten Saison der einzige Teamkollege auf einem ähnlichen Niveau, auch er klassierte sich einmal direkt neben Podest. Auf ihm ruhen in Sölden die Schweizer Hoffnungen auf einen Podestplatz bei den Männern. Hinter Murisier und Meillard klaffte zuletzt eine Lücke. Gino Caviezel fand den Tritt auch in der vergangenen Saison nicht, der Bündner blieb ohne Top-10-Ergebnis und fiel in den letzten drei Rennen im ersten Lauf aus.

Im Gegensatz zum Slalom, in welchem die Schweiz wieder eine Grösse ist, verläuft der Aufbau im Riesenslalom langsamer. Doch die Tendenz ist erkennbar. Mittelfristig ist Marco Odermatt, dem fünffachen Junioren-Weltmeister, der in Sölden vor zwei Jahren als 17. seine ersten Weltcup-Punkte holte, alles zuzutrauen. In Sölden, wo die Piste jeweils stark nachlässt, lässt die Startnummer jenseits der ersten 30 wohl noch nicht allzu viel zu. Auch deshalb zog Carlo Janka einen Start nicht in Betracht. Der Bündner plant heuer nur noch vereinzelt mit Riesenslaloms.

Hoffnung auf Gut und Holdener

Auch bei den Frauen beklagt Swiss-Ski mit Mélanie Meillard einen gewichtigen Ausfall. Wegen Komplikationen und einem neuerlichen Eingriff am linken Knie fällt die Walliserin nach ihrer vor den Olympischen Spielen zugezogenen Verletzung länger aus als zunächst geplant. Dank Wendy Holdener und Lara Gut ruhen die Hoffnungen in Sölden gleichwohl auf den Frauen.

Holdener erhofft sich, auch dank wiederum verbesserter Physis, einen weiteren Schritt im Riesenslalom. Lara Gut kam zwar in der letzten Saison nach ihrer Knieverletzung in dieser Disziplin nicht auf Touren, doch der Gletscherhang in Sölden liegt ihr; zwei ihrer vier Riesenslalom-Siege fuhr sie bei der Saison-Ouvertüre ein. Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich ihre neuen Prioritäten auf die Leistungen auswirken, ob sie die Liebe mit Valon Behrami beflügelt oder ablenkt. An der Seite des prominenten Fussballers erkannte sie, dass es im Leben «wichtigeres als Siege» gibt.

Quelle: SDA
veröffentlicht: 27. Oktober 2018 03:45
aktualisiert: 27. Oktober 2018 10:43