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Schwingen

Samuel Giger – jung, und doch reifer geworden

23. September 2021, 05:45 Uhr
Mit 23 Jahren ist ein Schwinger jung. So alt ist Samuel Giger, der Thurgauer, der sieben seiner neun Kranzfeste der Saison gewinnt und am Samstag als hoher Favorit in den Kilchberger Schwinget steigt.
Die Bilder gleichen sich, wenn Samuel Giger auf dem Schwingplatz steht
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Mit seinen erst 23 Jahren hat Samuel Giger aus Ottoberg schon 22 Kranzfeste gewonnen - mehr als die meisten Schwinger, wenn sie aufhören. Um auf einen solchen Start in eine Karriere zu stossen, muss man schon zu Jörg Abderhalden zurückgehen. Es kommt vielleicht nicht von ungefähr, dass Giger mit den sieben Kranzfestsiegen 2021 beinahe Abderhaldens Rekord eingestellt hätte. Der heute 42-jährige Toggenburger siegte in der Saison 2004 achtmal. Mit dem achten und letzten Sieg wurde er in Luzern zum zweiten von drei Mal Schwingerkönig.

Giger hat nach normalem Ermessen noch zehn oder mehr Jahre Zeit, um die Werte anderer grosser Schwinger - lauter Schwingerkönige - zu egalisieren oder zu übertreffen. Matthias Sempach brachte es auf 36 Kranzfestsiege, Stucki auf (bisher) 43, Arnold Forrer auf (bisher) 46. Sogar Abderhaldens imposante Zahl von 51 Kranzfestsiegen scheint für Giger nicht ausser Reichweite zu liegen.

Bringschuld an Grossanlässen

So glanzvoll die Karriere bis jetzt verlaufen ist, so sicher muss man den Finger auf Samuel Gigers einzige kleine Wunde legen. Er muss den Beweis noch auf den Tisch legen, dass er auch Feste mit eidgenössischem Charakter gewinnen kann: das Eidgenössische selber, das Unspunnenfest und den Kilchberger Schwinget. Viele Gelegenheiten hatte er freilich noch nicht. Am Kilchberger Wettkampf 2014 verunfallte er als 16-Jähriger im ersten Gang. Auch am Unspunnenfest 2017 musste er verletzt zuschauen. Bleiben die Eidgenössischen Feste 2016 in Estavayer und 2019 in Zug.

Die Enttäuschungen von Zug

In Estavayer begeisterte Samuel Giger. Wäre der Schlussgang zwischen Schwingerkönig Matthias Glarner und Armon Orlik noch etwa anderthalb Minuten länger gegangen und in einen Gestellten gemündet, hätte der 18-jährige Giger den Festsieg geerbt. Er hätte das Eidgenössische gewonnen, auch wenn ihm der Königstitel - weil er nicht im Schlussgang war - eventuell nicht zugesprochen worden wäre.

2019 war Giger unter der Saison noch weit leistungsfähiger als 2016. Für Zug war er für die Schweiz oder sicher für einen Drittel davon der erste Titelanwärter. Aber just an seinem wichtigsten Tag bis dorthin musste er die grössten Enttäuschungen hinnehmen. Im 1. Gang am Samstagmorgen brachte ihn der angriffige Aargauer Wirbelwind Nick Alpiger zu Boden. Eine Minute später brach Gigers Brücke ein. Zuvor hatte er zwei Jahre lang keinen einzigen Gang verloren. Kaum hatte er seine Aufholjagd in der mächtigen Zuger Arena gestartet, landete er erneut auf dem Rücken, nach drei Sekunden vom Luzerner René Suppiger mit einem Konter platt geworfen. Damit war er am zweitägigen Gipfeltreffen schon am frühen Samstagnachmittag aus der Entscheidung gefallen - genau wie der ebenfalls junge Zuger Mitfavorit Pirmin Reichmuth.

Schritte Richtung kompletter Schwinger

Schwingerkönig Matthias Sempach, der heute als TV-Experte Samuel Gigers Gänge beobachtet, kann sich vorstellen, dass Giger in jenem 2019 im Mentalen noch nicht ganz auf der Höhe war. Der Druck von aussen und von innen, dem sich Giger in Zug ausgesetzt sah, war riesig.

Sempach ist aber auch überzeugt, dass Giger jetzt, zwei Jahre später, in allen Bereichen ein nahezu kompletter Spitzenschwinger ist. Giger sei jetzt abgeklärter und ruhiger, sagt Sempach. Sogar von der einzigen Niederlage, die er in dieser Saison hinnehmen musste (im Schlussgang am Schwarzsee gegen Damian Ott), habe er möglicherweise etwas Positives, Förderliches mitnehmen können. So gesehen, ist Samuel Giger jetzt ein Routinier. Ein junger Routinier.

Quelle: sda
veröffentlicht: 23. September 2021 04:02
aktualisiert: 23. September 2021 05:45