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Handball

Schweizer Handballer starten mit Sieg in unverhoffte WM

15. Januar 2021, 08:49 Uhr
Die Schweiz schlägt Österreich im ersten Spiel der WM in Ägypten.
© Imago
Die Schweizer Handballer machen an der Weltmeisterschaft in Ägypten einen grossen Schritt in Richtung Hauptrunde. Die Schweiz siegt im wegweisende Spiel gegen Österreich 28:25.

Es war ein Tag, den die Schweizer Spieler nie mehr vergessen werden. Ein Sieg gegen die Österreicher alleine ist keine grosse Schlagzeile wert, die Umstände machen ihn aber aussergewöhnlich. Die Schweizer hatten erst am Dienstagabend erfahren, dass sie aufgrund des Forfaits der coronageplagten USA zum ersten Mal seit 1995 an einer WM dabei sind und konnten erst am Spieltag anreisen.

Dem nicht genug startete der Charter-Flug aufgrund des Schneefalls in Zürich nicht wie geplant um 8 Uhr, sondern mit einer Verspätung von beinahe zwei Stunden. Deshalb erfolgte die Landung erst gut viereinhalb Stunden vor dem Anpfiff, worauf die Teammitglieder noch auf dem Rollfeld in einem Bus einen Corona-Schnelltest über sich ergehen lassen mussten, gefolgt von einem Abstrich für einen PCR-Test. Danach wurden die Schweizer, eskortiert von der Polizei, direkt in die Halle gefahren. Während das Team dort zwei Stunden vor Spielbeginn ankam, traf das Gepäck erst 50 Minuten später ein, und war erst noch durchnässt.

Die Voraussetzungen, eine gute Leistung abzurufen, hätten kaum schlechter sein können, umso mehr, als die Mannschaft zum letzten Mal am vergangenen Samstag gemeinsam trainiert hat. Umso stolzer war Suter über den Auftritt seines Teams. Stolz ist ein Wort, dass er eigentlich nur selten benutzt, denn Suter setzt Kampfgeist voraus, noch mehr an einer WM. Diesmal war der Ausdruck aber mehr als angebracht, der Trainer war begeistert vom Kampf, von der Abgeklärtheit seines Teams in der zweiten Hälfte.

In dieser sorgten die Schweizer für die Differenz. Nachdem sie 0:3 in Rückstand geraten waren und vor der Pause einzig beim 7:6 (16.) geführt hatten, setzten sie sich zu Beginn der zweiten Halbzeit von 13:13 auf 18:14 (49.) ab. Die Tore vom 15:14 (34.) zum 18:14 erzielte Lenny Rubin, der am Ende wie der rechte Flügel Cédrie Tynowski sechs Treffer auf dem Konto hatte. Noch erfolgreicher war bei den Schweizern einzig der fünffache Bundesliga-MVP Andy Schmid, der sieben Tore erzielte. Damit zeichnete dieses Trio für 19 der 28 Treffer der SHV-Auswahl verantwortlich. Nach dem 14:18 kamen die Österreicher nie mehr näher als bis auf drei Tore heran.

Zuvor hatten die Schweizer viermal hintereinander gegen den Nachbar verloren - die ÖHB-Auswahl belegte an der EM vor einem Jahr den 8. Platz. Der Sieg unterstreicht die Entwicklung, welche die Mannschaft unter dem seit 2016 im Amt befindenden Suter gemacht hat. «Es war für viele der Jungs das wichtigste Spiel in der bisherigen Karriere und sicher auch für mich als Trainer», sagte der Erfolgscoach. Nun müsste einiges passieren, damit die Schweizer die Hauptrunde noch verpassen. Die weiteren Vorrundengegner der beiden Teams sind die Handball-Schwergewichte Norwegen und Frankreich - die ersten drei kommen weiter.

Suter, der erstaunt war, wie viel Energie er während der Partie hatte, sagte zu seinen Schützlingen nach dem Sieg im Scherz: «Wir machen es nun immer so, dass wir ohne Training an ein Länderspiel gehen.» Kreisläufer Alen Milosevic konnte derweil kurz nach der Begegnung gar noch nicht glauben, was gerade passiert war. «So einen Tag habe ich noch nie erlebt», sagte er. «Es wäre das Worst-Case-Szenario gewesen, nach einer solch langen Reise das wohl entscheidende Spiel zu verlieren. Nun können Norwegen und Frankreich kommen.» Zuerst geniessen die Schweizer aber einen verdienten Ruhetag, das Duell gegen die Norweger, den WM-Zweiten von 2017 und 2019, beginnt am Samstag um 20.30 Uhr.

Telegramm:

Österreich - Schweiz 25:28 (13:13)

Madinat Sittah Uktubar. - keine Zuschauer. - SR Kolahdouzan/Mousavian (IRI). - Torfolge: 3:0 (5.), 3:2, 4:2, 4:4, 6:5, 6:7 (16.), 8:7, 13:13; 13:15, 14:15, 14:18 (39.), 21:24, 21:26 (55.), 23:26, 25:28. - Strafen: 7mal 2 Minuten inklusive Disqualifikation (Herburger/56.) gegen Österreich, 4mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Österreich: Bauer (3 Paraden)/Eichberger (3); Hermann, Dominik Schmid (3 Tore), Weber (7/4), Frimmel (2), Herburger, Zeiner (1), Zivkovic (5), Wagner (2), Jochmann, Hutecek (4), Stevanovic (1).

Schweiz: Portner (1 Tor, keine Parade)/Bringolf (5); Schmid (7 Tore/2), Rubin (6), Tynowski (6), Svajlen, Lier (2/1), Sidorowicz (3), Raemy (1), Röthlisberger (1), Zehnder, Milosevic (1), Ben Romdhane.

Bemerkungen: Schweiz ohne Meister (verletzt), Küttel (krank), Maros, Schelker (beide positiv auf Corona getestet), Tominec, Gerbl und Novak (alle nicht eingesetzt). Schmid verschiesst Penalty (37./14:17).

Quelle: sda
veröffentlicht: 15. Januar 2021 00:05
aktualisiert: 15. Januar 2021 08:49