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Handball

Schweizer Handballer wollen WM-Schwung mitnehmen

11. März 2021, 07:26 Uhr
Nach den tollen Auftritten an der WM in Ägypten treffen die Schweizer Handballer am Donnerstag und Sonntag in der EM-Qualifikation zweimal auf Finnland. Zwei Siege sind ein Muss.
Alen Milosevic war an der WM, im Bild gegen Algerien, einer der wichtigsten Schweizer Spieler
© KEYSTONE/URS FLUEELER

In den ersten zwei Partien der laufenden EM-Kampagne setzte es für die Schweizer in Dänemark (26:31) sowie gegen Nordmazedonien (23:25) Niederlagen ab. War jene gegen die Dänen, den Olympiasieger und Weltmeister, zu erwarten, ist das verlorene Heimspiel gegen die Osteuropäer als riesige Enttäuschung zu bezeichnen.

«Das war ein herber Nackenschlag, den wir uns hätten ersparen können», spricht der beim Bundesligisten Leipzig tätige Routinier Alen Milosevic im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA Klartext. «In den letzten 15 Minuten sind wir in alte Muster verfallen.» So hatte die SHV-Auswahl in der 45. Minute noch 18:15 geführt.

Isolation mit positiven Erfahrungen

Der 31-jährige Milosevic fehlte in den beiden Begegnungen sichtlich. Der nach Andy Schmid wichtigste Spieler im Schweizer Team wurde während «sechs oder sieben Wochen» positiv auf das Coronavirus getestet, obwohl er keinerlei Symptome aufwies. Eine Erklärung dafür hatte niemand. Immerhin durfte er die Isolation in einer leeren Wohnung etwas früher verlassen.

Wie war es so lange allein zu sein? «Ich muss sagen, es war extrem positiv», führt Milosevic aus. Er ist einer, der über den Tellerrand hinausschaut, sich unter anderem mit Mentaltraining auseinandersetzt. Insofern konnte der Kreisläufer die Zeit gut nutzen. Ausserdem wurden ihm Kraftgeräte zur Verfügung gestellt.

Ohnehin hat sich Milosevic zum Musterprofi entwickelt. Er setzte sich intensiv mit der Ernährung auseinander und stellte auf kohlenhydratarme Kost um. «Früher fiel ich oft in ein Loch. Ich war in meiner Karriere noch nie so fit wie in den letzten zwei, drei Jahren. Ob das gut oder schlecht ist, darüber kann man sich streiten.»

Seine gute körperliche Verfassung war an der WM augenscheinlich. Er kam in den sechs Spielen beinahe während fünfeinhalb Stunden zum Einsatz.

Mehrere Schritte vorwärts gemacht

Die Schweizer machten in Ägypten beste Werbung in eigener Sache. Obwohl sie weniger als 48 Stunden vor der ersten Partie von der Teilnahme erfahren hatten - Tschechien und die USA mussten wegen zahlreicher Corona-Fällen Forfait geben - waren sie von Beginn weg bereit und beendeten das Turnier nach Siegen gegen Österreich (28:25), Island (20:18) und Algerien (27:24) in der vorderen Hälfte auf dem 16. Platz.

Gegen Rekordweltmeister Frankreich (24:25) fehlte wenig zur Sensation. «Ich denke, dass uns die WM nicht nur einen, sondern ein paar Schritte vorwärtsgebracht hat», sagt Milosevic. Die in Ägypten gemachten Erfahrungen schweissten die Mannschaft extrem zusammen. Ein besseres Teambuilding gebe es nicht, so Milosevic, der viele Rückmeldungen erhielt, unter anderem, dass sich Deutschland an diesem Turnier ein Stück Kuchen von den Schweizern hätte abschneiden können.

Kein Larifari-Betrieb mehr

Trainer Michael Suter, der das Amt nach dem Tiefpunkt im Januar 2016, einer 21:34-Niederlage in der WM-Qualifikation gegen die Niederlande, übernommen hat, führte im Team eine Leistungskultur ein. Eine solche gab es zuvor nicht wirklich. Milosevic nahm gar das Wort «Larifari-Verein» in den Mund.

Es habe eine riesige Veränderung stattgefunden, ohne die er 2018 nicht den Rücktritt vom Rücktritt erklärt hätte. Nichtsdestotrotz hatte Milosevic «ehrlich gesagt» nicht mit einer solch raschen Entwicklung gerechnet. Er wünscht sich dennoch, dass noch mehr Spieler den Weg ins Ausland wagen.

Zuerst die Pflicht

Nun gilt es für die Schweizer, den Schwung von der WM mitzunehmen. Der Optimismus, zum dritten Mal in Folge an einem grossen Turnier dabei zu sein, ist trotz des missglückten Auftakts in die EM-Qualifikation nach wie vor gross. Die Mannschaft rechnet sich auch am 2. Mai im wohl entscheidenden Spiel in Nordmazedonien sehr gute Chancen aus.

Zunächst steht aber mit den beiden Partien gegen Finnland die Pflicht an. «Wenn wir nicht zweimal gewinnen, müssen wir, böse gesagt, gar nicht mehr nach Nordmazedonien reisen», bringt es Milosevic auf den Punkt.

Quelle: sda
veröffentlicht: 11. März 2021 07:10
aktualisiert: 11. März 2021 07:26