Giger, Schlegel und Co.

Das sagt Schwing-Legende Ernst Schläpfer über die Ostschweizer Königskandidaten

12. August 2022, 21:43 Uhr
Die Schwingsaison geht in die spannendste Phase. Zuerst steht an diesem Wochenende der prestigeträchtige Schwägalp-Schwinget an, Ende August dann das unumstrittene Saisonhighlight, das Eidgenössische in Pratteln. Der zweifache Schwingerkönig Ernst Schläpfer nimmt vier Ostschweizer Schwinger unter die Lupe.
Die zwei derzeit wohl besten Ostschweizer Schwinger: Samuel Giger (links) und Werner Schlegel.
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Ernst Schläpfer weiss, wovon er spricht. Der 67-Jährige aus Wolfhalden liess sich 1980 und 1983 zweimal zum Schwingerkönig krönen. Gut zwei Wochen vor dem Eidgenössischen, Ausgabe 2022 in Pratteln, nehmen wir gemeinsam mit ihm die vielversprechendsten Ostschweizer Kandidaten unter die Lupe.

Ernst Schläpfer in Aktion am Eidgenössischen 1980, wo er sich erstmals zum König kürte.

© Keystone

Für Schläpfer ist klar: Seit der Dominanz der Ostschweizer in den 90er- und 00er-Jahren mit Namen wie Jörg Abderhalden oder Arnold Forrer hatte der Nordostschweizer Schwingerverband (NOSV) nicht mehr so viele Top-Schwinger im Kader wie aktuell.

Samuel Giger – der Topfavorit

Mit einer einzigen Niederlage in der ganzen Saison ist Giger der Dominator schlechthin in diesem Jahr. Dem 24-jährigen Thurgauer kommt damit die Rolle des Topfavoriten am ESAF zu. Kann er dem Druck standhalten?

Das sagt Ernst Schläpfer:

«Er hat technisch sicher Fortschritte gemacht – und auch taktisch. Wenn er den Titel nicht holt, dann weil er sich selbst im Weg steht. Der Druck ist gross, wenn du weisst, dass du eigentlich der beste Schwinger der letzten zwei Jahre bist – und du den Titel jetzt auch holen solltest.»

Armon Orlik – der Wiedererstarkte

Der Maienfelder hatte eine schwere letzte Saison. In der aktuellen schwingt er aber wieder zuverlässig ganz vorne mit und konnte auch einen Festsieg verbuchen. Orlik kennt zudem die ganz grosse Bühne bestens: 2016 stand er im Schlussgang am Eidgenössischen, musste sich aber Matthias Glarner geschlagen geben.

Das sagt Ernst Schläpfer:

«Er könnte eine wichtige Rolle spielen, indem er beispielsweise den Weg für Samuel Giger ebnet. Einer allein wird ganz selten König, es braucht immer solche Wegbereiter im eigenen Verband, die die gegnerischen Favoriten ausbremsen. Auch könnte er bereit zum Erben stehen, wenn Giger patzen würde.»

Werner Schlegel – der Newcomer

19 Jahre alt ist Werner Schlegel, er schwingt aber bereits wie ein Veteran – dabei erinnert der Toggenburger in Stil und Auftreten an seinen schwingerischen Ziehvater und sein Vorbild: Den dreifachen König Jörg Abderhalden. Wenn er den perfekten Tag erwischt, kann es in Pratteln zum ganz grossen Wurf reichen.

Das sagt Ernst Schläpfer:

«Er hat natürlich überhaupt keinen Druck und kann völlig unbelastet in das Fest steigen. Wenn es «normal» läuft, dann holt er sich den Eidgenössischen Kranz. Wenn aber zum Beispiel die Favoriten schwächeln, dann kann es vielleicht sogar ganz nach vorne reichen.»

Domenic Schneider – der Exploit-Kandidat

Der Klubkollege von Samuel Giger ist in dieser Saison ein wenig eine Wundertüte. Mal verliert er überraschend gegen schwächer eingestufte Gegner, dann wiederum räumt er plötzlich einen Eidgenossen am anderen aus dem Weg, wie beispielsweise bei seiner Schlussgangteilnahme auf dem Weissenstein. Damit es zum Königstitel reicht, müsste aber schon sehr viel richtig laufen.

Das sagt Ernst Schläpfer:

«Domenic ist noch so ein klassischer Schwinger – sympathisch, er nimmt es nicht so tragisch, wenn er mal verliert. Für mich ist er Topfavorit auf den Titel des Publikumslieblings in Pratteln.»

Nebst den genannten vier Kandidaten haben die Nordostschweizer weitere vielversprechende Schwinger im Kader. Beispielsweise den derzeit verletzten, aber aufs Eidgenössische hoffentlich fitten, Kilchberg-Sieger Damian Ott, den Winterthurer Koloss Samir Leuppi oder den Toggenburger Marcel Räbsamen, der sich in dieser Saison mit beeindruckender Zuverlässigkeit Kränze holt.

Ob die NOSV-Schwinger den Titel nach 15 Jahren endlich wieder in den Osten des Landes holen können, entscheidet sich dann am 27. und 28. August in Pratteln.

(con)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 12. August 2022 21:12
aktualisiert: 12. August 2022 21:43
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