Heute vor 19 Jahren

Shanna Pintusewitsch beendet Siegesserie von Marion Jones

6. August 2020, 05:35 Uhr
Marion Jones versuchte sich nach ihrer Leichtathletik-Karriere auch noch im Basketball - mit mässigemn Erfolg
© KEYSTONE/AP/Sue Ogrocki
Am 6. August 2001 endet an den Weltmeisterschaften in Edmonton über 100 m die Siegesserie von Marion Jones nach knapp vier Jahren und 42 Finalsiegen. Der Absturz der Sprint-Königin folgt Jahre später.

Es war eine der grössten Überraschungen der Titelkämpfe in Edmonton, als Schanna Pintusewitsch im Final über 100 m in der Jahresweltbestzeit von 10,82 Sekunden Marion Jones entthronte. Die Überraschung hatte sich allerdings angekündigt. Bereits im Halbfinal hatte die Ukrainerin die Weltmeisterin von 1997 und 1999 hauchdünn geschlagen und Jones' Erfolgsserie beendet, obwohl die Amerikanerin einen guten Start hingelegt hatte. «Dieser Sieg gab mir Selbstvertrauen», sagte Pintusewitsch nach der Wiederholung ihres Coups im Final.

So bitter die erste Niederlage in einem Final nach 42 Siegen für die haushohe Favoritin Jones war, die 25-Jährige aus Los Angeles zeigte sich als faire Verliererin. «Es gibt keine Entschuldigung, sie war einfach besser», sagte Jones, die nach der offiziellen Bestätigung des Resultats auf der Anzeigetafel die Siegerin umarmte. Vier Jahre zuvor hatte Jones Pintusewitsch noch knapp bezwungen und in Athen ihren ersten WM-Titel geholt.

Die Niederlage in Edmonton war für Jones allerdings nichts im Vergleich zu dem, was ihr später noch alles widerfahren sollte. Auch wenn sie sich über 200 m revanchierte und ihren ersten WM-Titel über die halbe Bahnrunde gewann, der sportliche Höhepunkt ihrer Karriere lag bereits hinter ihr. 2000 war Jones der Superstar der Olympischen Spiele in Sydney gewesen, hatte sie doch als erste Leichtathletin fünf Medaillen an den gleichen Spielen gewonnen: dreimal Gold (100 m, 200 m, 4x400 m) und zweimal Bronze (Weit, 4x100 m).

Der tiefe Fall

Die Erfolge beruhten, wie sich später herausstellen sollte, auch auf der Einnahme von Doping. Im Zuge des BALCO-Skandals 2004 gerieten Jones' Leistungen in ein schiefes Licht, nachdem es bereits zuvor Verdächtigungen gegeben hatte. Kurz vor den Spielen 2000 blieb der Kugelstösser C.J. Hunter, Jones' damaliger Ehemann, in einer Dopingkontrolle hängen. Und auch Tim Montgomery, der Vater des 2003 geborenen Sohnes von Jones, gehörte zu den Kunden des kalifornischen Unternehmens Bay Area Laboratory Co-Operative (BALCO), das neben Nahrungsergänzungsmitteln auch Dopingsubstanzen produzierte. 2006, als Jones bei vielen in der Szene bereits zur Persona non grata erklärt worden war, wurde sie positiv auf EPO getestet - die B-Probe fiel allerdings negativ aus.

Im Oktober 2007 gab Jones schliesslich vor einem Gericht in New York zu, ab 1999 während zwei Jahren ein unter dem Namen «THG» und «The Clear» bekanntes Steroid eingenommen zu haben, nachdem sie dies zuvor als Zeugin bei den BALCO-Ermittlungen noch bestritten hatte. «Ich habe Falschaussagen gemacht, was unglaublich dumm von mir war», sagte Jones nach Verlassen des Gerichts gegenüber Reportern unter Tränen. Sie alleine trage die Schuld und die Verantwortung für ihr Handeln. Gleichzeitig verkündete sie ihr Karriereende - mit 31 Jahren.

Jones' Resultate wurden rückwirkend ab dem 1. September 2000 gestrichen, sie musste Medaillen zurückgeben und Preisgelder zurückzahlen - und war faktisch pleite. Im Januar 2008 wurde die heute dreifache Mutter wegen Falschaussagen unter Eid zu einer halbjährigen Gefängnisstrafe und 400 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. 2010 versuchte sie sich als Basketballerin in der WNBA - mit mässigem Erfolg. Nach 16 Monaten wurde ihr Vertrag mit den Tulsa Shock wieder aufgelöst.

Jones nicht die Einzige

Das Ergebnis des 100-m-Rennens im Commonwealth Stadium am 6. August 2001 blieb trotz der nachträglichen Disqualifikation Jones' eine Farce - wie auch einige andere Wettkämpfe der Titelkämpfe in der kanadischen Provinz Alberta. Neben Jones' Ergebnissen wurden auch diejenigen von Staffel-Kollegin Kelli White, die über 200 m Bronze gewann, wegen der Verwicklung in den BALCO-Skandal annulliert.

Auch Pintusewitsch und die 100-m-Dritte Ekaterini Thanou erhielten später wegen Dopingverfehlungen Sperren, ihre Namen blieben aber in den Resultatlisten von Edmonton. Pintusewitsch soll ebenfalls Kundin von BALCO gewesen sein, ihr zweiter Ehemann Mark Block, der sie trainierte und als Manager betreute, wurde 2011 von der amerikanischen Anti-Doping-Behörde wegen seiner Verwicklung in den Skandal für zehn Jahre aus dem Verkehr gezogen.

Thanou sorgte im Vorfeld der Olympischen Spiele 2004 in Athen für Schlagzeilen, als sie und ihr Landsmann Konstantinos Kenteris vor einer Dopingkontrolle im olympischen Dorf flüchteten und später wegen eines angeblichen Motorradunfalls im Spital landeten. Da es bereits der dritte verpasste Test der beiden war, wurden sie später und nach einem langen juristischen Hin und Her gesperrt. 2011 wurden beide wegen Meineids vor einem Zivilgericht zu 31 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Der Motorradunfall von 2004 war laut Gerichtsurteil erfunden.

Quelle: sda
veröffentlicht: 6. August 2020 05:35
aktualisiert: 6. August 2020 05:35