Langlauf

Dario Cologna: «Spaziert statt angegriffen»

11. Februar 2022, 11:40 Uhr
Bei Dario Cologna geht auf seiner Spezialstrecke 15 km für einmal gar nichts. Der vierfache Olympiasieger ist nach dem 44. Platz ziemlich ratlos.
Ein niedergeschlagener Dario Cologna.
© KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Dieses Gefühl kannte Dario Cologna so noch nicht. Nachdem er in Zhangjiakou mit deutlichem Rückstand über die Ziellinie geglitten war, verschwand er hinter einer Wand, setzte sich hin und ward lange nicht mehr gesehen. Erstmals überhaupt beendete der bald 36-jährige Bündner ein olympisches 15-km-Rennen nicht als Sieger. Das war keine Überraschung, der Rückstand von 3:45 Minuten auf den Sieger Iivo Niskanen und die Platzierung schon.

Dass niemand mehr mit einem weiteren Coup des zweiterfolgreichsten Langläufers der Olympia-Geschichte rechnete, zeigte die geringe Zahl Journalisten - deren zwei - in der Mixed Zone. Im kleinen Kreis tat sich Cologna schwer, eine Erklärung für den Absturz zu finden. «Es ging gar nichts», stellte er fest. Über die Gründe konnte er auch nur rätseln.

Kaum Luft gekriegt

Die Bedingungen wären eigentlich wie gemacht gewesen für ihn: ein äusserst selektiver Kurs, deutlich wärmere Temperaturen nur noch knapp unter dem Gefrierpunkt. Doch vor allem im mittleren Teil der 15 km kam Cologna kaum noch vom Fleck. «Ich habe schlecht Luft gekriegt», erklärte der 15-km-Champion der letzten drei Winterspiele. «Dann hat auch die Muskulatur zugemacht. Ich bin phasenweise praktisch nur noch spaziert.»

Er habe gewusst, dass es schwierig werde, bekannte er. «Aber ich habe auf ein solides Rennen gehofft. Entsprechend bin ich jetzt sehr enttäuscht.» Cologna blickt auf eine schwierige Saison zurück. Mitte Oktober hatte er sich auf den Rollski am Knie verletzt und kam auch deshalb nur zu wenig Wettkampf-Praxis. Ausserdem hatte er bereits in den letzten Saisons den Anschluss an die absolute Weltspitze ein wenig verloren. Bei Olympia konnte er aber bisher immer noch eine Schippe drauflegen.

Diesmal ging es in die andere Richtung. Cologna wurde in den chinesischen Bergen unter anderen von einem Iren, einem Andorraner, einem Isländer und sogar einem Chinesen geschlagen. Ohne die nötige Form war die brutal harte Strecke dann auch für einen Champion zu viel des Guten.

Zweifel vor der Staffel

Dennoch hofft Cologna, für die Staffel am Sonntag nochmals Kräfte freizumachen. Seit Jahren sprechen die Schweizer von einem möglichen Coup à la française. Die auf dem Papier lange Zeit kaum stärkeren Franzosen holten an fünf der letzten sechs Grossanlässe Staffel-Bronze - fast immer hinter Norwegen und Russland.

Es ist allerdings kaum vorstellbar, wie die Schweiz ohne einen Cologna in Topform mit den besten Nationen mithalten soll, zumal auch dessen Teamkollegen in diesem Winter nur selten überzeugen konnten. Neben den Russen und Norwegern brachten auch die Finnen über 15 km zwei Läufer in die Top 6.

Zum Schluss würdigte Cologna seinen Nachfolger Iivo Niskanen. «Es war wohl an der Zeit, dass wieder einmal ein anderer gewinnt.» Eine kleine Spitze konnte er sich aber nicht verkneifen. «Beim letzten klassischen 15er in Sotschi war ich noch überlegener.» 2014 gewann Cologna mit fast einer halben Minute Vorsprung, Niskanen distanzierte nun Alexander Bolschunow «nur» um 23 Sekunden. Die Aussage zeigt aber auch: Die Vergangenheit ist für den Schweizer definitiv glorreicher als die Gegenwart.

Quelle: sda
veröffentlicht: 11. Februar 2022 11:40
aktualisiert: 11. Februar 2022 11:40
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